Geplanter Entwaldungs-StoppExperten: "Dieser Entschluss ist eine große Sache - aber es dauert zu lange"

China, Russland, die gesamte EU und andere: 100 Staaten wollen bis 2030 Entwaldung stoppen. Die beteiligten Länder repräsentieren 85 Prozent der weltweiten Waldfläche, also etwa 34 Millionen Quadratkilometer. Doch erreicht werden soll das Ziel erst bis 2030.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
 

Experten haben die angekündigten Pläne zum Stopp der Entwaldung bis 2030 beim UN-Klimagipfel in Glasgow teilweise mit Skepsis aufgenommen. Eine ähnliche Erklärung aus dem Jahr 2014 habe sich als vollkommen wirkungslos erwiesen, sagte der Klima- und Waldexperte Simon Lewis vom University College London der BBC am Dienstag.

"Es ist eine gute Nachricht, dass sich so viele Länder politisch dazu verpflichtet haben, die Entwaldung zu beenden, und dass erhebliche Mittel zur Verfügung stehen, um auf diesem Weg voranzukommen", so Lewis. Die Welt sei aber bereits vor Jahren schon an diesem Punkt gewesen.

Problem: Rodung für Fleischproduktion

Die neue Abmachung gehe auch nicht das Problem der wachsenden Nachfrage nach Produkten wie Fleisch an, die auf gerodeten Regenwaldflächen produziert werden. Dazu müsse der hohe Fleischkonsum in Ländern wie den USA und Großbritannien thematisiert werden, fügte Lewis hinzu.

Der Ökologe Nigel Sizer vom World Resources Institute (WRI) bezeichnete die Abmachung als "große Sache", schränkte aber ein, die Zielmarke von einem Ende der Entwaldung bis 2030 könne als "enttäuschend" wahrgenommen werden.

Mehr als 100 Staaten

Vom Weltklimagipfel (COP26) in Glasgow war am späten Montagabend eine erste Vereinbarung gemeldet: Mehr als 100 Staaten haben sich verpflichtet, die Zerstörung von Wäldern und anderen Landschaften bis 2030 zu stoppen. Dies gab die vorsitzführende britische Regierung bekannt. UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte zuvor beim feierlichen Auftakt vor einem Versagen der Menschheit im Kampf gegen die Erderwärmung gewarnt: "Wir schaufeln uns unser eigenes Grab", sagte er.

Auch Brasilien dabei

Die an der Vereinbarung zum Schutz der Landschaften beteiligten Länder, darunter Deutschland und die gesamte EU, repräsentieren 85 Prozent der weltweiten Waldfläche, also etwa 34 Millionen Quadratkilometer. Mit dabei sind die Staaten mit den größten Wäldern überhaupt, also Kanada, Russland, Brasilien, Kolumbien, Indonesien sowie China, Norwegen und die Demokratische Republik Kongo. Für das Vorhaben werden bis 2025 etwa 12 Milliarden US-Dollar (10,3 Milliarden Euro) an öffentlichen Geldern mobilisiert. Hinzu kommen 7,2 Milliarden US-Dollar (6,2 Mrd. Euro) private Investitionen.

Wälder gelten als die Lunge unseres Planeten, sie nehmen etwa ein Drittel der jährlich vom Menschen ausgestoßenen CO2-Emissionen auf. Doch schrumpfen sie bedenklich, wie es in der Mitteilung weiter hieß: Jede Minute gehe eine Fläche von etwa 27 Fußballfeldern verloren.

Mehr Tempo eingefordert

Guterres hatte beim feierlichen Auftakt vor Dutzenden Staats- und Regierungschefs - darunter Kanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) - gemahnt, dass sämtliche zugesagten Anstrengungen beim Klimaschutz hinten und vorne nicht ausreichten, um eine Katastrophe abzuwenden.

Auch die scheidende deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte mehr Tempo beim Klimaschutz und warnte vor "verheerenden Auswirkungen" der Erderwärmung. "Wir sind nicht da, wo wir hinmüssen", sagte sie. Nötig für die unumgängliche "umfassende Transformation" unseres Arbeitens und Wirtschaftens sei ein weltweiter Preis auf den Ausstoß von Kohlendioxid.

US-Präsident Joe Biden bat vor dem Plenum um Entschuldigung für den Rückzug seines Vorgängers Donald Trump aus dem Pariser Klimaschutzabkommen von 2015. Trump hatte daran gezweifelt, ob der Klimawandel überhaupt menschengemacht ist - solche Zweifel sind wissenschaftlich klar widerlegt. Nun sagte Biden, Glasgow müsse der Startschuss für ein "Jahrzehnt des Ehrgeizes und der Entschlossenheit sein". Und die USA wollten mit gutem Beispiel vorangehen.

Subventionen für fossile Brennstoffe streichen

Guterres verlangte, alle Regierungen müssten ihre Subventionen für fossile Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle abschaffen, aus der Kohle aussteigen und einen Preis für sämtliche Treibhausgas-Emissionen festlegen. "Es ist an der Zeit, zu sagen: Genug", sagte Guterres. "Genug brutale Angriffe auf die Artenvielfalt. Genug Selbstzerstörung durch Kohlenstoff. Genug davon, dass die Natur wie eine Toilette behandelt wird."

Wie Russlands Staatschef Wladimir Putin nahmen auch der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan und Chinas Präsident Xi Jinping nicht persönlich an der Konferenz teil.

Etwas konkreter wurden dagegen Indien und Brasilien: Premierminister Narendra Modi nannte vor dem Plenum erstmals ein Ziel für die Klimaneutralität seines Landes: Bis 2070 will das bevölkerungsreiche Land nur noch so viel klimaschädliche Emissionen ausstoßen, wie etwa in Senken wie Ozeanen und Wäldern aufgenommen werden können. Das ist das obere Limit, das der Weltklimarat (IPCC) für weltweite Klimaneutralität angegeben hat, damit das Leben auf dem Planeten Erde noch lebenswert bleibt.

Der international für seine Umweltpolitik hart kritisierte brasilianische Staatschef Jair Bolsonaro kündigte zum Beginn der COP26 - in einer Videobotschaft - die Verschärfung des Klimaziels an. Die Treibhausgasemissionen des Landes sollen bis 2030 im Vergleich zu 2005 halbiert werden. Bisher war eine Reduktion um 43 Prozent vorgesehen. Außerdem sicherte Umweltminister Joaquim Leite zu, dass auch Brasilien bis 2050 Kohlenstoffneutralität erreichen will - und zwei Jahre früher als bisher vorgesehen, nämlich bis 2028 illegale Abholzungen im Amazonasgebiet vollständig unterbunden werden sollen.

Viele Länder streben - so wie die EU - streben Klimaneutralität bis 2050 an, China hat 2060 ins Auge gefasst.

Pläne von Paris reichen nicht aus

Die Erde hat sich im Vergleich zum vorindustriellen Niveau schon jetzt um etwa 1,1 Grad erwärmt; in Deutschland sind es bereits 1,6 Grad. In Paris hatte sich die Staatengemeinschaft vor sechs Jahren darauf geeinigt, die Erderwärmung möglichst auf maximal zwei Grad, besser 1,5 Grad, zu begrenzen. Bisher reichen die eingereichten Pläne der Staaten dazu aber bei weitem nicht aus.

Grönland spürt den Klimawandel ganz besonders - Teil des Weltklimaabkommens von Paris war es bisher aber nicht. Damit ist nun voraussichtlich Schluss: Die größte Insel der Erde verabschiedet sich von einem territorialen Vorbehalt und will sich somit dem 2015 geschlossenen Abkommen anschließen.

Kommentare (18)
Natur56
0
6
Lesenswert?

2030

wahrscheinlich gibts bis dorthin eh nix mehr zum Abholzen.

Natur56
0
7
Lesenswert?

Immer das Gleiche

Da schreien sie alle herum wie toll sie sind und dann der Hammer.
Keine Plastikflaschen ab 2025
Keine Abholzung mehr ab 2030
Kein Herumkarren von Gemüse und Lebendtiertransport ich weiß nicht aber wahrscheinlich ab 2030
kein Glyphosat ab......2025 bzw. Private dürfen es eh nicht mehr verwenden aber die Bauern spritzen es nach wie vor damit sie kein Unkraut mehr bearbeiten müssen - da werden lieber die Böden auf Jahrzehnte verseucht und wir Menschen krank.

W a r u m bitte nicht sofort oder mit Jahres Beginn des kommenden Jahres. Was ist da so schwer und warum machen sich unsere Politiker da alle ins Hemd.

mobile49
0
9
Lesenswert?

da wird wieder einmal etwas als großer erfolg gefeiert , was

augenauswischerei ist -
da haben die multis und ihre handlanger dann ja noch 9 jahre zeit , um aus dem letzten urwaldbaum grillkohle zu köhlern und auf diesen freiwerdenden flächen das fleisch für den dazugehörigen rost zu züchten
ironie off

tomtitan
3
17
Lesenswert?

Und das Hauptproblem, die Bevölkerungsexplosion wurde

wieder einmal ausgeklammert.

Mensch
24
2
Lesenswert?

Ach niedlich

Wenn wir kein Fleisch essen würden, hätten wir genug Essen für alle Menschen. Bitte behalten Sie ihre faschistoide Meinung besser für sich.

mobile49
0
4
Lesenswert?

@Mensch

mit diesem nick - diese zeilen

"ad absurdum"

erstdenkendannsprechen
0
18
Lesenswert?

sry - hier ging es nicht um die ernährung (und es hungern millionen!)

hier ging es ums klima. und ja: die bevölkerungsentwicklung ist ein riesenproblem. und zwar in erster linie in den ländern, die von einem starken bevölkerungswachstum betroffen sind. was ist mit ihnen los, wenn man das anspricht und sie dann mit "faschistoid"kommen? wissen sie übrigens, was faschistoid wirklich ist?
solche kommentare wie der ihre kotzen mich schön langsam an: das ist ein riesenproblem, das wird auch in den betroffenen ländern von vielen so gesehen (nona - die leben mit den auswirkungen) - aber ansprechen darf es keiner? was ist mit ihnen?

Ifrogmi
0
5
Lesenswert?

sie superschlauer plauderer

und dann, wenn es auf 15 milliarden zugeht und nicht einmal mehr gras essen genügend ressourcen bietet??????
aber wichtig die faschismuskeule schwingen.
ein tipp: bildung bringt's!
p.s.: faschistoid wäre zwangssterilisation und massenhafte tötung von menschen um das gleichgewicht herzustellen. der ruf nach verhütung zeugt von mitdenken und hirn.

ichbindermeinung
3
15
Lesenswert?

regenwaldschädliches Palmöl und EU-Mercosur verbieten

einfach mal das regenwaldschädliche Palmöl für alle in Ö in Verkehr gebrachten Produkte verbieten u. ebenso das von der EU ausverhandelte klimaschädliche EU-Mercosurabkommen für Ö verbieten; Kostet nichts u. bringt viel....

erstdenkendannsprechen
2
4
Lesenswert?

das wären einmal zwei maßnahmen.

wäre was - ist aber viel zu wenig.

huckg
3
22
Lesenswert?

Da wird uns eingeredet: Heizen mit Holz ist CO2 neutral

Technisch gesehen ist jeder Verbrennungsprozess (von Kohlenstoffverbindungen) mit CO2 Ausstoß verbunden. Holz ist nur auf längere Frist gesehen CO2 neutral weil beim Nachwachsen wieder CO2 gebunden wird. Heißt aber, dass jedes einzelne Pellet das heute verfeuert wird erst Mal zur negativen CO2 Bilanz beiträgt. Was müsste also geschehen? Es müsste mehr Wald angelegt werden, versiegelte Flächen rückgebaut und aufgeforstet werden. Ein "Stoppen der Entwaldung" ist zuwenig. Nur Holz das NICHT verfeuert wird, hilft uns da weiter: Der Bau von Holzhäusern müsste gefördert, der Bau von Betonburgen bestraft werden.

Natur56
0
4
Lesenswert?

@huckg

Bin vollkommen ihrer Meinung. Haben ein Holzhaus gebaut und heizen mit Luftwärme.
Förderung nichts da. Eh klar das entspricht ja nicht dem Modell unserer Umweltministerin.

Es ist eine Schande dass die TU-Graz einen Betonbunker mit XPS-Platten ummantelt nach dem anderen Hochzieht und diese Schanddenkmäler nicht einmal begrünt. Da sollte man denken die müßten es besser wissen.

Pablo63
1
4
Lesenswert?

Holzbau ist ein wesentlicher Teil der Lösung.

Dabei fallen immer auch ausreichend untaugliche Sortimente an mit denen ein Beitrag zur energetischen Verwertung zu leisten. Jede andere Behauptung ist Propaganda der Zellstoff Industrie die ebenfalls um den Rohstoff rittert.

lilith73
0
3
Lesenswert?

Wald

genau aus diesem Grund ist es vielleicht sinnvoller mehr Wald nachwachsen zu lassen und Erdöl zu verfeuern, denn es hat einen höheren Brennwert und produziert genauso CO2. Ein gefällter Baum kann kein CO2 mehr aufnehmen. So lange das CO2 nur vom Auto auf das Kraftwerk verlagert wird hat das alles keinen Sinn. Wald muss man nicht aufforsten, er wächst von selbst, man muss ihn nur lassen, dann werden genau die Bäume wachsen, die mit den neuen Bedingungen fertig werden.
Leider geschieht das Gegenteil, nur für den Profit.

Ifrogmi
3
5
Lesenswert?

Blödsinn

Durch nicht- Bewirtschaftung verwaldet in österreich jedes Jahr eine fläche welche den jährlichen holzbedarf österreichs beinhaltet.
Das ergibt, auf Waggons geladen, einen Zug von Paris bis Moskau.

Flogerl
1
13
Lesenswert?

Lustig .........

Nur schade, dass es 2030 längst zu spät sein wird !!! Wenn die Abholzung so weiter geht, gibt es bis 2030 keine nennenswerten Wälder mehr.

deCamps
0
15
Lesenswert?

Eine schöne Geschichte für die Vorweihnachtszeit.

.
Bis 2030? Wer das glaubt, wird selig und dann ins Himmelreich kommen. (wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden) unabhängig davon werden sich unzählige Staaten generell nicht daran halten, der kann man mit Sicherheit davon vorausgehen, dass sich das Volumen der Abholzung in einigen Länder weltweit dadurch um ein Vielfaches erhöhen werden. Eine grundsätzlich logische Verhaltensweise von Menschen. Man beendet also in diesen Staaten mit Ende 2030 die Abholzungen?
.
Eine schöne Gute Nacht Geschichte für die nächsten Generationen. Es war einmal .......

deCamps
1
7
Lesenswert?

Der Holzverbrauch bis dato: Resultiert aus 85 % dieser Waldflächen.

Die beteiligten Länder, darunter die gesamte EU, repräsentieren 85 Prozent der weltweiten Waldfläche, also etwa 34 Millionen Quadratkilometer.