Walter Röhrl testetWas VWs neues Flaggschiff Arteon als Kombi kann

Walter Röhrl, Doppel-Rallye-Weltmeister und Kleine-Zeitung-Cheftester, über den Volkswagen Arteon Shooting Brake.

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Walter Röhrl testet den VW Arteon Shooting Brake © OLIVER WOLF
 

Der Phaeton, Sie erinnern sich? Das exzellente Luxusauto war das Vermächtnis von Ferdinand Piëch als Vorstandschef. Doch irgendwie schien die Zeit noch nicht reif gewesen zu sein für einen großen, pompösen Volkswagen. In 15 Jahren wurden nur 84.000 Stück verkauft, 2016 wurde der Phaeton eingestellt.

Die Rolle einer repräsentativen Limousine übernahm der Arteon, der sich als Edel-Passat – er steht auf der Plattform des Mittelklasse-Bestsellers – gut schlägt. Jetzt verpasste Volkswagen dem Arteon ein Facelift und stellte dem größten Modell zugleich eine Kombivariante mit der klingenden Bezeichnung Shooting Brake zur Seite.

Modellpflege: VW Arteon

Volkswagen hat das Tuch vom überarbeitetem Feschack-Ableger des Passat gezogen. Und die Wolfsburger stellen der coupéhaften Limousine Arteon jetzt auch einen Lifestyle-Kombi namens Shooting Brake zur Seite.

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Auch der Arteon stromert Anfang 2021 an die Steckdose – als Teilzeitelektriker. Für den Plug-in namens eHybrid tun sich ein 1,4-Liter-Turbobenziner (156 PS) und ein Elektromotor (85 kW) zusammen, die eine Systemleistung von 218 PS stemmen. Angaben zum elektrischen Aktionsradius machen die Wolfsburger noch nicht, aber im verwandten Passat GTE stehen mehr als 50 Kilometer im Datenblatt.

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Was das analoge wie digitale Innenleben angeht, hebt VW den Arteon auf den aktuellen Stand im Konzern. Bedeutet: Tasten und Knöpfe weichen Touchflächen, wie etwa bei der Bedienung der Klimaanlage oder auf dem Multifunktionslenkrad. Serienmäßig sind die digitalen Instrumente im Format von 10,25 Zoll an Bord, genauso wie kabellose Schnittstellen für „Apple CarPlay“ und „Android Auto“ oder eine Ambientebeleuchtung, die bis zu 30 Farben spielt.

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Sowohl Limousine als auch der Kombi messen in der Länge 4866 Millimeter. Auch was die Breite angeht, liegen die ungleichen Geschwister mit 1871 Millimetern gleich auf. In der Höhe allerdings übertrifft der Shooting Brake den Fastback mit 1447 Millimetern um 19 Zähler.

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Der Radstand liegt bei 2840 Millimetern, was neben dem Platz für die Passagiere folgendes Ladevolumen ergibt: 563 bis 1557 Liter beim Fünftürer, 565 bis 1632 Liter beim Hinterlader.

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Erstmals gibt es vom Arteon eine R-Version, die im Dezember an den Start geht. Was bedeutet: Der 2-Liter-Turbobenziner mit vier Brennräumen verteilt mit Hilfe des siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebes bis zu 320 PS und 420 Newtonmeter Drehmoment auf alle viere – serienmäßig ist ein Allradantrieb mit Torquesplitter mit von der Partie. Er verteilt die Kraft nicht nur variabel zwischen den Achsen, sondern auch situativ zwischen den Hinterrädern.

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Neben den Topmodellen finden sich in der Startaufstellung zwei weitere aufgeladene Benziner: ein 1,5-Liter (150 PS) und ein 2-Liter (190 PS). Der 2-Liter-TDI wird mit 150 und 200 PS angeboten.

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Vom bisherigen Arteon kann man die Modellpflege am besten an der Front unterscheiden. Etwa am neuen Tagfahrlicht, dessen Streifen nicht nur unterhalb der serienmäßigen LED-Scheinwerfer integriert sind, sondern optional auch mittig im Kühlergrill.

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Mit „Travel Assist“ kann der Arteon erstmals bis 210 km/h assistiert gefahren werden. Das bedeutet: Die automatische Distanzregelung reagiert auf Tempolimits, Ortschaften, Kurven, Kreisverkehre und Kreuzungen mit entsprechenden Geschwindigkeitsanpassungen, während einen der Spurhalteassistent in der Bahn hält und der Notbremsassistent unter anderem Fußgänger im Auge behält.

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Und eines gleich vorweg: der Shooting Brake, der sich auf stattliche 4,86 Meter streckt, macht seine Sache verdammt gut. Da wäre gleich einmal zu vermerken, dass sich die Leute auf der Straße nach dem schnittigen Edel-Kombi mit der modischen geduckten Dachlinie umdrehen.

Doch mit der Schönheit und Dynamik allein hat es sich beim Lifestyle-Kombi noch lange nicht getan. Der Hit beim neuen Flaggschiff ist fraglos das generöse Platzangebot und der Komfort, der im langen Radstand – üppige 2,84 Meter – zu begründen ist. So erweist sich der Viertürer als regelrechtes Raumwunder und geht als Chauffeurswagen durch. Im Fond ist man besonders gut aufgehoben, der Shooting Brake bietet sogar fünf Zentimeter mehr Innenhöhe als die ohnehin schon luftige Limousine.

Plus & Minus

+ Design. Eyecatcher, modische/dynamische
+ Hecklinie. Imposanter Auftritt.
+ Platz. Das Raumangebot ist die wohl größte Stärke.
+ Fahrkomfort. Dem langen Radstand sei Dank. Rollt schön ab, Held der Langstrecke.

- Bedienung. Softtouch-Tasten sind schön und gut, aber man kann es übertreiben.
- Übersicht. Eingeschränkter Ausblick nach hinten.

Der Komfort zieht sich wie ein roter Faden durch den Arteon. Das aufpreispflichtige Adaptiv-Fahrwerk ist eine Empfehlung, der 1,8-Tonner-macht auch in der Sporteinstellung nicht auf Rambo. Lenkung, Bremsen – alles präzise und tadellos. Der Shooting Brake lässt sich federleicht dirigieren, man hat keine Sekunde das Gefühl, ein fast fünf Meter langes Auto in der Hand zu haben.

Ich war mit dem stärksten Diesel mit Allradantrieb und Sieben-Gang-DSG unterwegs – eine famose Kombination. Der 200-PS-Selbstzünder ist zwar kein Dampfhammer, hat aber ordentlich Drehmoment und schiebt kraftvoll an. Ich oute mich unverändert als Diesel-Fan, auch wenn man dafür schief angeschaut wird.

VW Arteon Shooting Brake

Preis: ab 59.536 Euro; Testwagen: 78.794,40 Euro.
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel, 1968 ccm, 200 PS bei 3600 bis 4100 U/min, 400 Newtonmeter von 1750 bis 3500 U/min.
Antrieb: Allradantrieb, Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe.
Verbrauch: 5,8 l/Schnitt, Testverbrauch: 6,5 l.

Im klar strukturierten digitalen Cockpit weht ein starker Hauch von Luxus. Bei den Materialien liefert man feinste Ware. Abends ein Blickfang: die durchleuchteten Dekorflächen in Armaturen und Türverkleidungen.
Mit einem halben Dutzend Paketen, einer Heerschar von Assistenten und Komfort-Schmankerln an Bord schnalzt der Basispreis von 59.536 Euro auf 78.794 Euro. Das ist ein Haufen Geld für einen Volkswagen. Ob der Arteon Shooting Brake ein gutes Geschäft ist, soll jetzt ein sechsmonatiger Dauerlauf klären. Schauen wir einmal.

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Danke für Ihr Verständnis.

RonaldMessics
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Und wie alle....

....Autos trägt er bei zur Klimaerwär.ung. Hurra.

Stratusin
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6
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Nicht nur Autos,

auch das Internet. Somit auch ihr und mein Kommentar. Beschäftigen diese doch zig Server usw.