DauertestIst der Škoda Octavia zu Recht das meistverkaufte Auto Österreichs?

Ein halbes Jahr auf Achse mit einem Škoda Octavia, dem beliebtesten Auto der Österreicher. Eine Bilanz.

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Der Škoda Octavia Combi ist der meistverkaufte Hinterlader in Europa © OLIVER WOLF
 

Der Schneider von Škoda ist ein Steirer – und wieder einmal auf Heimatbesuch. Akkurat an dem Tag, an dem wir Design-Ass Karl Neuhold an der südsteirischen Weinstraße treffen, haben wir uns nach 22.383 Kilometern von unserem Dauerläufer getrennt. "Und?", fragt Neuhold neugierig, "Wie war's?“

Die nächsten Minuten zaubern ein Lächeln in das Gesicht der Skoda-Stylisten. Schließlich haben wir nur Worte des Lobs und Nettigkeiten übrig für den Wagen, dem wir ein halbes Jahr lang einen Dauerlauf verordnet hatten. Um auszuloten, was nun wirklich dran ist am Bestseller und wie gut er wirklich ist.

Fazit: Wir haben verstanden. Und wissen jetzt, warum der Škoda seit geraumer Zeit der Auto-Darling in Österreich ist und was ihn so begehrenswert macht. Außerdem: 7967 Menschen – so viele schafften sich im Vorjahr einen neuen Octavia an - können nicht irren. Auch heuer fährt der Topseller übrigens vorne weg, von Jänner bis Juni fand er hierzulande bereits 3316 Käufer.

Meister der Skoda-Linien: Designer Karl Neuhold, ein gebürtiger Steirer Foto © KK

Wir fassen zusammen: der Škoda Octavia ist ein Paradestück an Stil, Komfort, Praktikabilität und Wirtschaftlichkeit. Das trifft besonders auf den Octavia Combi zu, der uns im Dauerlauf zur Verfügung stand. Nicht umsonst ist der Hinterlader aus Tschechien der meistverkaufte Kombi Europas, in Österreich macht er gut zwei Drittel des Octavia-Volumens aus.

Wesentlich: In der vierten Generation hat Škoda sein wichtigstes Modell an allen Ecken und Enden auf ein Niveau gehoben, das so manchem Premium-Modell zur Ehre reichen würde. Das protokollierte auch Walter Röhrl, der sich den neuen Octavia genauer angeschaut hatte. Röhrl hält das Upgrade beim Platzangebot zu den großen Stärken der Neuauflage, das speziell im Fond spürbar ist.

Modellvorstellung: Skoda Octavia

Die vierte Generation des Skoda Octavia ist in allen Dimensionen gewachsen und bringt einen nochmals größeren Kofferraum mit.

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Mit 4689 Millimetern Länge überragt der Octavia als Combi – in Mlada Boleslav traditionell mit C geschrieben – seinen Vorgänger um 22 Millimeter. In der Breite hat er um 15 auf 1829 Millimeter zugelegt. Der Radstand liegt bei 2686 Millimetern.

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Warum hier zuerst vom Hinterlader die Rede ist? Er ist nicht weniger als der meistverkaufte Kombi Europas und bekommt deshalb zum ersten Mal in der Startaufstellung den Vorzug vor der Limousine.

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Die Garage kann man aber auch hier schon ausmessen: Sie streckt sich mit einem Plus von 19 auf 4689 Millimeter bei gleicher Breite wie das Schwestermodell.

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Die gewachsenen Abmessungen verraten es bereits – im Innenraum gibt es wieder ein Alzerl mehr Platz und das Volumen des Kofferraums ist beim Kombi auf 640 und bei der Limousine auf 600 Liter angewachsen.

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Fix ist auch, dass der Octavia auch wieder als hemdsärmeliger Scout und sportlicher RS an den Start geht.

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Äußerlich erkennt man den neuen Jahrgang an Heckleuchten mit LED-Technik. In der Top-Version sogar mit Matrix-System, das beim Fernlicht einzelne Segmente automatisch ausblendet, um den Gegenverkehr nicht zu blenden.

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Und zum Abschluss winken die im Volkswagen-Konzern derzeit überaus beliebten dynamischen Blinker.

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Die Aufstellung der Ottomotoren beginnt mit dem dreizylindrigen 1-Liter-TSI mit 110 PS und dem 1,5-Liter-Vierzylinder mit 150 PS. Wenn sie mit dem Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe kombiniert sind (Standard ist eine manuelle Sechs-Gang-Box), ist ein Mild-Hybrid-System mit von der Partie. Stets mit Allrad und DSG tritt der 2-Liter-Benziner mit 190 PS an.

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Dieselseitig tritt ein aufgeladener 2-Liter auf den Plan. Und zwar mit 115, 150 und 200 PS – wobei man bei den stärkeren beiden auch Allradantrieb ankreuzen kann.

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Darüber rangiert der Plug-in-Hybrid bestehend aus einem 1,5-Liter-Benziner und einem Elektromotor mit einer Systemleistung von 204 und 245 PS, jeweils in Zusammenarbeit mit einem sechsstufigen Doppelkupplungsgetriebe.

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Zudem ist wieder eine bivalente Erdgasversion im Programm: Der 1,5 TSI mit 130 PS zieht seine Energie entweder aus drei CNG-Tanks 17,7 Kilogramm oder dem Benzintank mit 9 Litern Fassungsvermögen.

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Werfen wir einen Blick in den Innenraum: Das neue Lenkrad kommt jetzt mit zwei Speichen aus und auch die Mittelkonsole, die Türverkleidungen und die Instrumententafel wurden ganz neu entworfen. Der Bildschirm der digitalen Anzeigen hat eine Diagonale von 10 Zoll, genauso wie das zentrale Display in der Mitte des Armaturenbretts, über das sich auch die Klimaanlage bedienen lässt.

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Als erstes Modell von Škoda bekommt der Octavia ein Head-up-Display. Auch die Mittelkonsole wurde komplett aufgeräumt: Statt des bekannten Wählhebels bei Automatikversionen befindet sich ein neues Bedienmodul mit einer kleinen Wippe für die Auswahl der Fahrstufen.

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Weitere Extras: Die Infotainmentsysteme spielen von Streaming-Diensten für Radio und TV sowie drahtlose Smartphone-Einbindung alle Stückln. Analog aber angenehm sind die Sport- oder die rückenfreundlichen Ergo-Sitze, die beheizen, kühlen und auch massieren können. Zudem findet sich eine Drei-Zonen-Klimaanlage auf der Aufpreisliste.

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Neben dem Serienfahrwerk stehen zwei weitere Fahrwerke im Katalog Auswahl: ein Sportfahrwerk das 15 Millimeter tiefer liegt und eines für Schlechtwege, das 15 Millimetern mehr Bodenfreiheit bietet. Auf Wunsch gibt es auch eine adaptive Fahrwerksregelung.

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Kommen wir zu den alltagsfreundlichen „Simply Clever“-Lösungen, für die Škoda berühmt ist: Dazu zählt erstmals ein Schlafpaket, das auf der Rückbank zwei bequeme, größere Kopfstützen und eine Decke bietet.

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Neu sind auch ein verbessertes komfortabel nutzbares Netzpaket im Kofferraum sowie die automatische Rolloentriegelung im Kombi. Eine Multifunktionstasche unter der Gepäckraumabdeckung bietet weiteren Stauraum.

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Und schließlich zu den Assistenzsystemen: Eines unterstützt den Fahrer mit einer aktiven Verstärkung des Lenkmoments bei einer drohenden Kollision mit einem Fußgänger, Radfahrer oder anderen Fahrzeug dabei, durch ein kontrolliertes Ausweichen den Unfall im Idealfall zu verhindern.

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Der Ausstiegswarner zeigt dem Fahrer vor dem Öffnen seiner Tür an, wenn sich von hinten ein anderes Fahrzeug oder ein Radfahrer nähert.

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1/20

Auf der Reise mit dem 150 PS starken Octavia Combi TDI DSG in der Premium-Ausstattung fehlte es uns freilich an nichts. Das Dieselaggregat erwies sich in Verbindung mit dem Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe als ausreichender Kraftspender, das Techno-Angebot im modischen Cockpit erfüllt alle Wünsche und die skodatypischen Simply-Clever-Lösungen waren uns oft mehr als ein Schmunzeln wert. Bloß der er in der Türtasche versteckte Schneebesen blieb im mickrigen Winter arbeitslos.

Škoda Octavia Combi

Preis: ab 35.756 Euro
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum 1968 ccm, Leistung 150 PS bei 3000 U/min, 360 Newtonmeter ab 1600 U/min.
Kraftübertragung: Vorderradantrieb, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Fahrleistungen: 0-100 km/h in 8,5 Sekunden, Spitze 222 km/h
Abmessungen und Gewichte: 4689/1829/1468 mm L/B/H, Radstand 2686 mm, Ladevolumen 640 bis 1700 Liter, Gewicht 1473 kg, Tankinhalt 45 Liter
Testverbrauch: 5 Liter/100 Kilometer
Ausstattung: Neun Airbags inklusive Fahrer-Knie-Airbag, Frontradar-Notbremsassistent, Spurhalteassistent, Fernlichtassistent, Licht- und Regensensor, Parksensor vorne/hinten, Rückfahrkamera, LED-Licht, Adaptiv-Tempomat plus Ausweich-Assistent, 2-Zonen-Klima, Navigation, 10-Zoll-Touchsreen, Virtual Cockpit, digitales Radio mit 8 Lautsprechern, Sitzheizung etc.

Kritik? Am ehesten lässt sich über die Bedienbarkeit des Infotainmentsystems meckern, die einige Fingerfertigkeit erfordert und ablenkt. Die Dichte der Assistenten beeindruckt zwar, mit den Warnungen kann man es aber auch übertreiben. Was wir zurücknehmen: zum Start der Dauertests waren wir der Meinung, dass ein Octavia Combi Allrad haben muss. Falsch: Man ist auch mit zwei angetriebenen Rädern bestens bedient. Nicht zuletzt durch ein Fahrwerk, das man nicht besser machen kann.

Der Mittelklasse-Kombi leistete sich bis zuletzt keinen Huster und bescherte uns sechs völlig sorgenfreie Monate. Beim ersten Service waren gerade einmal 282,47 Euro zu berappen. AdBlue mussten wir zweimal bunkern, der Verbrauch pendelte sich im Schnitt bei fünf Liter ein. Mit dem Preis kommen wir klar: kein Sonderangebot, aber extrem guter Gegenwert.

Karl Neuhold hat genug gehört. Den Beifall für das elegante zeitlose Design nimmt er mit. Unser Mann in Mladá Boleslav schmunzelt, genießt und schweigt.

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