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DauertestSo war unser halbes Jahr mit dem VW Touareg

Für viele geht er gar nicht. Jene, die einen Touareg fahren, halten ihn für das beste SUV dieser Tage. Wir hatten ein halbes Jahr Zeit, um uns eine Meinung über das VW-Flaggschiff zu bilden.

Der VW Touareg ist Volkswagens aktuelles Flaggschiff © OLIVER WOLF
 

Tobias Moretti spricht im grandiosen TV-Spot von Volkswagen gerade einmal einen Satz, bringt es aber im breiten Tirolerisch auf den Punkt: "Scheen is er.“ Nach einem starken halben Jahr und exakt 40.000 Kilometern mit einem VW Touareg TDI 4Motion wollen wir es aber nicht bloß bei dem Schönheitspreis belassen.

Im finalen Befund folgen wir inhaltlich ziemlich uneingeschränkt den treffsicheren Ausführungen von Walter Röhrl, der sich zwischendurch unseren Dauerläufer geschnappt hatte und im Profitest in die Tiefe gegangen war. Röhrl: "In dem, was er kann, zu leisten vermag und an technischen Raffinessen bietet, legt der Touareg die Latte. An seinen Qualitäten muss sich der Wettbewerb messen. Einer muss immer der Chef sein.“

Modellvorstellung: VW Touareg

Im Vergleich zum Vorgänger ist der neue VW Touareg moderat breiter und länger, aber um bis zu 106 Kilo leichter geraten. Die neuen Dimensionen lauten: 4878 Millimeter Länge (plus 77 mm), 1984 Breite (plus 44 mm) und 1702 Höhe (minus 7 mm). Das SUV ist auf Anhängelasten von bis zu 3,5 Tonnen ausgelegt.

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VW wird den neuen Touareg 2018 zuerst für China mit einem Plug-in Hybridantrieb (367 PS Systemleistung) anbieten. Der Starttermin für Europa ist noch offen.

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Bei uns eröffnen den Reigen zwei V6-Diesel mit 231 und 286 PS (500/600 Nm). Folgen werden zudem ein V6-Benziner (340 PS, 450 Nm) und ein V8-Turbodiesel (421 PS, 900 Nm).

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Allrad und eine Acht-Gang-Automatik sind serienmäßig. Optional kann man ein Offroad-Paket oder eine Luftfederung ankreuzen.

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Einiges getan hat sich im Innenraum: Überall dort, wo es sinnvoll ist, ersetzen digitale Flächen herkömmliche Anzeigen und Bedienelemente. Das Gros aller Tasten ist beim „Innovision Cockpit“ in den 15 Zoll großen und zum Fahrer hin gebogenen Screen des Top-Infotainmentsystems „Discover Premium“ integriert.

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Dazu gehören auch die Steuerung der Vier-Zonen-Klimaanlage sowie die Betätigung der Sitzheizung, -lüftung und -massage. Bewusst analog ausgeführt sind indes intuitiv und sehr häufig genutzte Schalter wie die Lautstärkeregelung. Seitlich zum Fahrer hin ist das Display optisch an das ebenfalls glasüberbaute „Digital Cockpit“ angeschlossen – die 12,0 Zoll großen Digitalinstrumente.

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Um 160 Millimeter in der Länge kann zudem die Rücksitzanlage verschoben werden, um noch mehr Raum im Fond zu schaffen. Damit fünf Personen auf langen Reisen oder dem kurzen Trip zum nächsten Flughafen ausreichend Raum für ihre Koffer haben, wurde das Stauvolumen des neuen Touareg gegenüber dem Vorgänger um 113 auf 810 Liter vergrößert (bei aufgestellter Rückbank).

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Ein Highlight ist das größte bislang von Volkswagen realisierte Panorama-Schiebedach: Der transparente Dachausschnitt ist 1270 Millimeter lang und 825 breit. Über einen Vierwegeschalter kann die vordere Dachhälfte stufenlos geöffnet und elektrisch um 495 Millimeter nach hinten geschoben sowie aufgestellt werden. Ein elektrisch betätigtes Stoffrollo reduziert die Sonneneinstrahlung.

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Auch bei den Assistenzsystemen sind wir im Bereich der Superlative – mehr hatte ein VW noch nie zu bieten. Dazu gehören Technologien wie die Nachtsichtunterstützung (erkennt per Wärmebildkamera Personen und Tiere in der Dunkelheit) oder der Stau- und Baustellenassistent (bis 60 km/h teilautomatisiertes Lenken und Spurhalten, Gasgeben und Bremsen).

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Mit von der Partie ist auch ein Kreuzungsassistent (reagiert auf Querverkehr), die LED-Scheinwerfer (interaktiv per Kamera gesteuertes Abblend- und Fernlicht) und ein direkt in die Windschutzscheibe projiziertes Head-up-Display.

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An die Grenzen, die Röhrl auslotete, gingen wir die ganze Zeit über nicht. Besser gesagt: Wir kamen kaum in die Nähe von dem, wozu das Technik-Genie imstande ist. Dabei hätten wir uns durchaus auf einen grimmigen Winter mit Schnee und Eis gefreut.

Weitgehend unangetastet blieb auch das Thema Gelände. Zu welchen Taten der Touareg abseits von befestigten Straßen fähig wäre, hatten wir zuvor bei Testfahrten im marokkanischen Atlas-Gebirge erfahren dürfen. Den Vorwurf, in der dritten Auflage zu einem SUV-Softie verkommen zu sein, widerlegte der Zweitonner über alle Fahrmodi eindrucksvoll.

Unser bevorzugtes Terrain war die Langstrecke. Sie erwies sich als die eigentliche Spezialdisziplin des edlen Flaggschiffs. Der Komfort ist ein Hammer, es begeistert, wie geschmeidig und leise der große Wagen abrollt, wie er präzise lenkt und verzögert. Das geht freilich auf das Konto der Luftfederung und Allradlenkung, den Aufpreis sollte man in Kauf nehmen.

VW Touareg Elegance TDI 4Motion

Preis: 71.890 Euro (Preis Testwagen: 83.866 Euro).
Motor: V6-Turbodiesel, 2967 ccm, 231 PS bei 3800 U/min, max. Drehmoment 500 Nm bei 1750 U/min.
Kraftübertragung: Achtgang-Automatik, Allradantrieb.
Testverbrauch: 7,8 Liter/100 km.
Fahrleistungen: 0-100 km/h in 7,5 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 235 km/h.
Abmessungen/Gewichte: 4878/1984/1717 mm L/B/H, Radstand 2904 mm, Gewicht 2070 kg,
Kofferraumvolumen 810–1800 l, Tankinhalt 75 l.
Ausstattung: Sechs Airbags, elektrische Stabilisierungskontrolle ESC, automatische Distanzregelung ACC, Berganfahr- und Bergabfahrhilfe, Regensensor, Spurhalteassistent, automatisches Sperrdifferenzial.
Mehrausstattung: Innovision-Cockpit (3614 Euro), Luftfahrwerk und Allradlenkung (3411 Euro).

Nur Feines können wir auch über die Maschine berichten. Wir fahren immer noch gerne Diesel, und der V6 mit 231 PS erwies sich als guter Griff. In Verbindung mit der Achtgang-Automatik managt das Dreiliter-Triebwerk den Zweitonner tadellos. Respektabel: Über die Testphase blieben wir im Schnitt unter acht Liter, da ist nicht zu klagen.
Leicht überfordert hat uns das imposante Digital-Cockpit mit dem 15-Zoll-Hauptschirm, da haben wir bis zuletzt nicht alles auf die Reihe bekommen. Auch bei den Assistenzsystemen hat man es vielleicht zu gut mit uns gemeint.

Bis zur Zielflagge machte der Touareg keine Faxen, eine Reifendruckwarnung erwies sich als Schwächeanfall der Software. Abseits vom Service forderte der Touareg zwei Liter Motoröl extra und zwei Ladungen Adblue ein. Zuletzt: der Preis. Ja, er ist stolz, aber nicht unverschämt.

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