Was will er? Die e-Mobilität von der Nische in das Volumen bringen, wie es VW-Elektro-Vorstand Thomas Ulbrich ausdrückt. Passend zu diesem Anspruch wurde im Vorfeld das Drehbuch so verfasst: Käfer, Golf, und jetzt ID.3. Also ein Auto, das ein Fahrzeugsegment und Generationen prägen soll. Deshalb wurde im Vorfeld jedes Problem zur Staatsaffäre hochgejazzt, weil der Paradigmen-Wechsel Richtung E-Mobilität Milliarden verschlingt und zum Erfolg verdammt ist. Software, Verzögerungen, Coronakrise – der Start für den ID.3 war alles andere als einfach. Aber jetzt: bitte einsteigen.

Was kann er? Erstaunlich viel: drei Batteriegrößen (330 km, 420 km, 550 km Reichweite). Es gibt enorm viel Platz für die Länge von 4,26 Metern, die Kniefreiheit im Fond ist exzellent. Das Besondere aber: Volkswagen hat es geschafft, ein Elektroauto zu bauen, das sich anfühlt wie ein echtes Auto, also ohne synthetisches Fahrgefühl. Wie die Lenkung reagiert, wie man schnelle Bewegungsänderungen vollzieht (Ausweichmanöver) – das ist die große Klasse dieses Autos.

Das digitale Cockpit ist angesichts der neuen Konkurrenz und deren Bildschirm-Orgien ein guter, unaufgeregter Zugang. Passt ins Konzept, alles wurde auf Touchbedienung umgestellt. Gute Menüführungen, einige Funktionen werden nachgereicht. Die Sprachsteuerung wird durch Updates und Cloud-Technik verbessert. Jetzt funktionieren Standardsätze gut: „Zeig mir die Sterne“ öffnet etwa das Dachrollo.

Die acht Jahre Garantie auf die Batterie/160.000 km (70 Prozent Kapazität) sind Standardgrößen. Geladen wird maximal zwischen 100 und 125 kWh (77 kWh-Batterie). Interieur? Gut verarbeitet, aber auch plastikintensiv.

Was macht der ID.3 besser als die anderen? Die absolute Ruhe, die Unaufgeregtheit, das Brückenbauen zum „normalen“ Auto in Sachen Fahrgefühl. Das Head-up-Display ist perfekt. Die versprochene CO2-Neutralität bei Übergabe des Fahrzeugschlüssels will man jetzt durch den TÜV noch „neutral zertifizieren lassen“, so E-Mobilitäts-Vorstand Ulbrich.

Thomas Ulbrich, VW-Markenvorstand für E-Mobilität
© (c) Volkswagen AG

„Sie fahren anders, Sie überlegen anders“

Im Interview: Thomas Ulbrich, VW-Markenvorstand für E-Mobilität, über CO2-Neutralität, Fahrerlebnis E-Auto und Heckantrieb auf Schnee.

Der Start für den ID.3 war eine zähe Geschichte.

THOMAS ULBRICH: Ich kann nur sagen: Endlich ist der ID.3 da. Ich hatte das Privileg, seit Anfang des Jahres den ID.3 zu fahren. Es macht tierisch Spaß, es geht um flexible Fahrdynamik. Ich fahre auch viel Langstrecke. Es ist leise, relaxed – genauso wie Sie schnell an der Ampel losfahren können. Aber elektrisch zu fahren ist kein Rasen, Sie fahren anders, Sie überlegen anders. Wenn man verstanden hat, wie relaxed man ankommt, weiß man: Das macht Spaß.

Sind 420 km Reichweite mit der mittleren Batterie ausreichend?

ULBRICH: Das hat sich aus einer Auswertung der Kunden-Fahrprofile ergeben. Richtig ist: Sie brauchen etwas planerische Unterstützung auf längeren Strecken. Ab November haben die Fahrzeuge einen Multistopp-Routenplaner. Sie geben dann Start und Ziel ein und wie Sie fahren wollen. Dann macht das Navisystem Vorschläge, wo Sie laden können, wie lange Sie laden – bis hin zu den Kosten.

Bilanziell soll der neue ID.3 CO2-neutral sein: Was heißt das?

ULBRICH: Wenn ich Ihnen Ihren ID.3 übergeben darf, dann hat das Fahrzeug keine CO2-Belastung.

Zu 100 Prozent?

ULBRICH: Bei der Übergabe ist der ID.3 CO2-reduziert. Wir kompensieren den Rest als Hersteller mit Waldaufforstung oder Windkraftprojekten. Wir haben bei der Konzeptionierung auf CO2-Armut geachtet. Bei den Batteriezellen verwenden Produzenten auch regenerative Energie. Das Werk in Zwickau ist auf Grünstrom umgestellt.

Es heißt, E-Autos seien kein Geschäft für viele Hersteller. Aber teurer seien die Strafen beim Nichterreichen der CO2-Ziele. Zahlt Volkswagen damit drauf?

ULBRICH: Das wäre ein schlechtes Geschäftsmodell. Wir gehen davon aus, dass wir über die erste Laufzeit von sechs bis sieben Jahren positiv sind.

Erreichen Sie auch die CO2-Ziele?

ULBRICH: Mit den ID.3-Stückzahlen gehen wir davon aus.

Noch eine vorausschauende Fahrerfrage: Schnee und Heckantrieb verstehen sich nicht so gut...

ULBRICH: Mit einem tiefen Schwerpunkt wie mit dem ID.3 ist das Klasse. Sie werden sehen.

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