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Wie hätten Sie reagiert?Experiment: Das selbstfahrende Auto als "Moral Machine"

Wie sollen sich selbstfahrende Autos in Unfallsituationen verhalten? Eine Untersuchung mit Millionen Probanden zeigt, wie Menschen weltweit entscheiden würden.

© FOTOLIA
 

Auch autonome Fahrzeuge können in ein Entscheidungsdilemma kommen. Wie sollen sie vor einem Unfall lenken, wenn es auf jeden Fall zu einem Schaden kommt. Antworten haben US-Forscher mit einer weltweiten Umfrage gefunden. Demnach würde eine Mehrheit eher Kinder als Ältere verschonen sowie eher Menschen als Tieren ausweichen.

Das Ergebnis weise allerdings größere kulturelle Unterschiede auf, schreiben die Forscher um Iyad Rahwan vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge im Journal "Nature". Die Internet-Umfrage mit dem Titel "Moral Machine" sorgte weltweit für Schlagzeilen. Die große Beteiligung machte es den Forschern möglich, fast 40 Millionen Entscheidungen in Dilemma-Situationen zu analysieren. Allerdings war die Befragung nicht repräsentativ; so waren etwa junge Männer überproportional vertreten. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Mehrheit der Teilnehmer eher Kinder als Ältere verschonen würde sowie eher Menschen als Tieren ausweichen.

 Rahwan und Kollegen begründen ihre Befragung mit der Bedeutung für die Akzeptanz autonomer Fahrzeuge in der Bevölkerung: "Selbst wenn sich die Ethiker einig wären, wie autonome Fahrzeuge moralische Dilemmata lösen sollten, wäre ihre Arbeit nutzlos, wenn die Bürger ihrer Lösung nicht zustimmen würden."

In einem konkreten Fallbeispiel versagten die Bremsen des Fahrzeugs. Die Befragten mussten sich entscheiden, ob drei ältere Menschen, die bei Rot über die Straße gehen, überfahren werden sollen oder ob der Wagen gegen eine Betonwand gelenkt werden soll. Dies hätte den Tod der Insassen, darunter ein Bub, zur Folge. Insgesamt mussten die Teilnehmer neun Entscheidungen in unterschiedlichen Situationen treffen, darunter: Fahrzeuginsassen oder Fußgänger, Männer oder Frauen, Jüngere oder Ältere, Sportliche oder Unsportliche, Menschen mit höherem oder niedrigerem sozialen Status.

Drei große Gruppen

Bei der Auswertung nach Ländern ergaben sich drei große Gruppen: westliches, östliches und südliches Cluster. Die Entscheidungen in vielen asiatischen Ländern (östliches Cluster) weichen von den anderen Gruppen dadurch ab, dass sie nicht die jüngeren Menschen verschonen würden. Stattdessen gilt in diesen Ländern der Respekt vor den älteren Mitgliedern der Gemeinschaft. Das südliche Cluster (Mittel- und Südamerika) unterscheidet sich vom westlichen Cluster (Europa, Nordamerika) unter anderem dadurch, dass die Mittel- und Südamerikaner sehr viel öfter eingreifen würden als auf das Lenken zu verzichten.

Die Ergebnisse der "Moral Machine" weichen teilweise von den Regeln ab, die die deutsche Ethik-Kommission in ihrem Bericht "Autonomes und vernetztes Fahren" im Juni 2017 niedergelegt hat. So heißt es in Regel 9: "Bei unausweichlichen Unfallsituationen ist jede Qualifizierung nach persönlichen Merkmalen (Alter, Geschlecht, körperliche oder geistige Konstitution) strikt untersagt." In derselben Regel steht drei Sätze weiter: "Die an der Erzeugung von Mobilitätsrisiken Beteiligten dürfen Unbeteiligte nicht opfern." Den Ergebnissen der Studie zufolge hat ein Großteil der Befragten weltweit andere moralische Vorstellungen.

Grundsätzlich finde sie das Ziel der Autoren richtig, eine Debatte über die "ethische Programmierung" von selbstfahrenden Autos anzustoßen, bevor diese auf den Straßen fahren, kommentiert Silja Vöneky von der Universität Freiburg die Studie. "Wir sollten aber nicht glauben, dass wir alle Normen und Prinzipien neu erfinden oder ändern müssen, nur weil es um eine neue Technik geht." Dilemmasituationen habe es schon vorher gegeben und mit den Menschenrechten existierten bereits rechtlich bindende ethische Prinzipien.

Armin Grunwald vom Karlsruher Institut für Technologie warnt sogar vor den Schlussfolgerungen der Studie: "Weder aus Spielen noch aus Umfragen kann etwas über die ethische Zulässigkeit von Normen gelernt werden. Ansonsten könnte nach jedem schweren Verbrechen eine Umfrage gemacht werden, die mit ziemlicher Sicherheit für die Einführung der Todesstrafe ausgehen würde." Grunwald gehörte der Ethik-Kommission an, die den Bericht "Autonomes und vernetztes Fahren" verfasst hat.

Kommentare (5)

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DukeNude
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mehr Sicherheit

Wenn Autos schon autonom fahren sollen, dann sollte vielleicht ein Mega-Airbag rund ums Auto auslösen, sobald ein unvermeidbarer Unfall erkannt wird. Die Autos untereinander kommunizieren, dass auch das 7. Auto hinter mir schon bremst, bevor es vorne kracht. Betrunken oder unangegurtet gar nicht starten lassen, nicht schneller als erlaubt fahren dürfen, natürlich angepasst an Fahrbahnsituation und Verkehrsaufkommen. Dann wären zB auch 180 auf der Autobahn überhaupt kein Problem.
Sollte es dann dennoch soweit kommen, dann sollten alle gleichberechtigt sein und der geringstmögliche Schaden zählen. Ob eine(r) Präsident oder Reinigungskraft ist, sollte doch egal sein. Und bei all meiner Tierliebe: da zählt dann doch ein Menschenleben mehr, auch wenns der Trump wär.

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paulrandig
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Woran anscheinend keiner denkt:

Das Fahrzeug, das den Schaden anrichten wird, fährt aus einem bestimmten Grund: Um seine Insassen zu transportieren. Deshalb sollten im Falle der Unausweichlichkeit von Personenschaden jene am ehesten geschützt werden, die kausal überhaupt nichts mit dem Fahrzeug und dem System Verkehr zu tun haben.
Muss also eine Prioritätenliste gesetzt werden, sollten zu allererst diejenigen Personen "geopfert" werden, die das Fahrzeug benutzen, also die Profiteure der Fahrt sind. In zweiter Linie diejenigen, die das System "Autoverkehr" benutzen, in dritter Linie jene, die das System "Straßenverkehr" nutzen und zu allerletzt jene, die möglichst nichts mit dem System zu tun haben, das die Gefahr erst hervorbringt.

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steirablut
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Grundsätzlich richtig

Aber noch bevor die Insassen "geopfert" werden würde ich noch die "opfern" die sich widerrechtlich verhalten (bei rot über Zebrastreifen oÄ).
Also:
1.) Widerrechtliches Verhalten
2.) Profiteure der aktuellen Fahrt
3.) Profiteure des Autoverkehrs
4.) alle anderen

Im Idealfall muss natürlich niemand geopfert werden.

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paulrandig
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steirablut

Ebenfalls grundsätzlich nachvollziehbar.
Doch dann hätten wir den Fall, dass das eine Art Lynchjustiz wäre. Immerhin darf weder von Laien noch von Computern bestimmt werden, wer sich widerrechtlich verhält. Das ist einzig und allein Aufgabe der dafür zuständigen Organe.

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steirablut
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Da haben Sie recht

Das stimmt. Aber eine rechtskräftige Entscheidung abzuwarten ist nicht möglich. Daher bleibt im Zweifel wirklich die nur von Ihnen vorgeschlagene Reihenfolge.

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