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Historisch belastet: Was das Bezirksgericht Fürstenfeld einst war

Wo heute demokratisches Recht und Ordnung umgesetzt werden, waren früher Nationalsozialisten zuhause. Doch die Geschichte der Schillerstraße 9 hält noch mehr parat.

© Museumsverein Fürstenfeld/Archiv
Bewegte Geschichte der Schillerstraße 9: Damals Konditorei und Café, während der NS-Zeit Büro des Reichsarbeitsdienstes, heute Bezirksgericht und Polizeistation
Moritz Weinstock
Regionalredaktion Hartberg-Fürstenfeld

„Während zentrale Orte des Verbrechens, wie das Konzentrationslager Mauthausen, im öffentlichen Gedenken präsent sind, gibt es noch immer große Forschungslücken bei Gebäuden, die das NS-Regime als Verwaltungsgebäude genutzt hat“, schreibt die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) auf ihrer Website. Gemeinsam mit dem Ludwig-Boltzmann-Institut für Kriegsforschung verfolgt man daher seit geraumer Zeit das Ziel, Licht in die dunklen Kapitel österreichischer Verwaltungsgebäude zu bringen.

Für den Bezirk Hartberg-Fürstenfeld lokalisierte das siebenköpfige Team um Barbara Stelzl-Marx das heutige Bezirksgericht in Fürstenfeld. „Wir haben einen historischen Geigerzähler an die Gebäude gehalten und geschaut, wo er ausschlägt“, erklärte die Wissenschaftlerin bereits Ende September in einem Gespräch mit der Kleinen Zeitung.

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Auch in Fürstenfeld waren die Nationalsozialisten aktiv
Auch in Fürstenfeld waren die Nationalsozialisten aktiv © Museumsverein Fürstenfeld/Archiv

Hinweise auf die NS-Vergangenheit des Gebäudes in der Schillerstraße 9 finden sich vor Ort allerdings nicht. Umso wichtiger die Arbeit des Instituts, das mit einer Landkarte nun einen interaktiven Überblick über das „kontaminierte Erbe“ in Österreich liefert.

Auch Fürstenfelder Historiker dokumentieren Zeitgeschichte

Wichtig aber auch die Arbeit von Bürgern wie Karl Amtmann vom Museumsverein Fürstenfeld und Gabriele Jedliczka, Leiterin des Museums in der Pfeilburg. Auch sie archivieren und dokumentieren die Geschichte der Gebäude in Fürstenfeld, in denen die Nationalsozialisten beheimatet waren.

© Franz Brugner
Obmann des Museumsverein Fürstenfeld, Karl Amtmann, kennt die Geschichte des heutigen Bezirksgerichts genau

Denn: Es sind weitaus mehr, als nur das heutige Bezirksgericht. 23 Positionen weist etwa die Liste belasteter Gebäude von Jedliczka auf – von der Kreisleitung des NS-Regimes (heute Rathaus) bis hin zur SA-Sturmbannabteilung (heute HTL, Polytechnische Schule). Aber, hebt Jedliczka mit Blick auf andere Bezirksstädte hervor, „da ist Fürstenfeld sicher keine Ausnahme“.

Doch zurück zum Bezirksgericht. Gebaut 1924, befand sich in der Schillerstraße 9 ursprünglich die „Zuckerbäckerei & Café Alfred Kirchner“, weiß Amtmann, der vor einigen Jahren die Geschichte des Gebäudes anlässlich der 150-Jahr-Feier der Bezirkshauptmannschaft groß ausrollte.

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Rund zehn Jahre lang war die Schillerstraße 9 als Konditorei und Café bekannt
Rund zehn Jahre lang war die Schillerstraße 9 als Konditorei und Café bekannt © Museumsverein Fürstenfeld/Archiv

Café ohne Nachfolger an Wehrmacht verkauft

„Der Sohn des Cafés hat zwar die Konditorlehre gemacht, den Betrieb dann aber nicht übernommen“, erklärt Amtmann die Entwicklung, die am 28. März 1939 zum Verkauf des Cafés Kirchner an die Wehrmacht führte. In der Zeit der NS-Herrschaft, als Landesgrenzen aufgelöst und politische Bezirke abgeschafft wurden, zog dann das Meldeamt für den Reichsarbeitsdienst ein.

Mit Ende des Zweiten Weltkrieges erhielt der steirische Teil des Landkreises Fürstenfeld eine Bezirkshauptmannschaft mit 42 Gemeinden zurück. Infolge der Gemeindezusammenlegung von 1968 schrumpfte deren Wirkungsbereich jedoch auf 14 Gemeinden, bevor die Aufgaben durch die Bezirkszusammenlegung 2013 zwischen Hartberg und Fürstenfeld aufgeteilt wurde.

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Mit dem Neubau aus den 1970er-Jahren hat sich das Erscheinungsbild der Liegenschaft in der Schillerstraße 9 komplett gewandelt
Mit dem Neubau aus den 1970er-Jahren hat sich das Erscheinungsbild der Liegenschaft in der Schillerstraße 9 komplett gewandelt © KLZ / Moritz Weinstock

Heute erinnert nichts mehr an das ehemalige „Kirchnerhaus“, weil es 1971 einem Neubau weichen musste: „Ein Gebot der Notwendigkeit“, umschrieb die Zeitung „Fürstenfelder Grenzlandecho“ 1973 die Neugestaltung, die letztlich zum Einzug des heutigen Bezirksgerichts und der Polizei (damals Gendamerie) führte.