ORF-Sparplan: Bis zu 300 Kündigungen und Landesstudio Wien soll weichen
Bis zu 300 Kündigungen sind im ORF bis 2029 geplant. Dazu kommen Nulllohnrunden und weniger Führungsfunktionen.
Das harte Sparprogramm des ORF für das kommende Jahr nimmt konkrete Formen an. Bei einer Sondersitzung des Finanzausschusses am Donnerstagabend präsentierten der designierte Generaldirektor Clemens Pig und die amtierende Chefin Ingrid Thurnher Optionen für die Budgets ab 2027. Und die sehen einige harte Einschnitte vor.
Allen voran steht ein umfangreicher Personalabbau. Bis 2029 sollen bis zu 300 Stellen gestrichen werden. Der ORF hat derzeit rund 4000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das werde man auch im Programm merken, so Thurnher. Weiters fix: die Einstellung des ORF-Shops, die weitgehende Auflösung der Marketingtochter OMC und die Aussetzung von Zahlungen an Pensionskassen.
Das Landesstudio Wien soll weichen
Darüber hinaus denkt man nun auch bei den Landesstudios an weitreichende Schritte. So könnte als erstes der neun Landesstudios jenes in Wien seinen eigenen Standort in Heiligenstadt verlieren und in die Zentrale auf dem Küniglberg integriert werden. Der Standort in Heiligenstadt, in den erst 2023 beim Umzug aus dem Funkhaus einiges investiert wurde, soll aufgegeben werden. Im Ausschuss sollen einige Stiftungsräte auch die Frage aufgeworfen haben, ob das nicht ebenso ein Modell für St. Pölten und Eisenstadt sein könnte – beide Standorte sind von der Zentrale bekanntlich nur wenige Dutzend Kilometer entfernt.
Wiener Salon mit Clemens Pig
Weiters bereitete Thurnher die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf mögliche Nulllohnrunden vor. Einsparungen soll es auch beim mittleren Management geben. Pig will die Zahl der Führungsebenen deutlich reduzieren. Das bedeutet die Zusammenlegung beziehungsweise Auflösung ganzer Hauptabteilungen. So wurde kürzlich ein Ö1-Chef nur provisorisch bestellt, die Funktion könnte 2027 wegfallen. Auch im Archiv wurde die Hauptabteilungsleitung vorerst nicht nachbesetzt.
Was passiert mit ORF III?
Weiters auf dem Sparplan steht die Auflösung der ORF-III-Tochtergesellschaft. Der Kultur- und Informationssender soll nach bisherigen Überlegungen allerdings innerhalb des ORF weiterbetrieben werden. Damit erhält eine ältere Forderung der ÖVP neue Aktualität: Die Volkspartei hatte bereits bei den Regierungsverhandlungen Ende 2024 eine Zusammenlegung von ORF1 und ORF III verlangt. Eine Eingliederung der Tochtergesellschaft wäre zwar noch keine Fusion der beiden Sender. Zuletzt war allerdings sogar von einer vollständigen Einstellung von ORF III als radikaler Sparvariante die Rede.
