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Warum Clemens Pig gratis für den ORF arbeitet

Christina Traar
Chefredakteurin Wien
© KLZ/Georg Aufreiter
Pig im Gespräch in der Wiener Redaktion der Kleinen Zeitung

Der designierte ORF-Chef werkelt bereits „24/7“ im Konzern, bezahlt wird er dafür aber noch nicht. Warum das auch mit dem verstaubten Bestellvorgang seines Hauses zu tun hat.

Clemens Pig darf man durchaus als erfolgreichen Manager bezeichnen. Unternehmensgründung noch während des Studiums und Verkauf an die Austria Presse Agentur, die er viele Jahre später als Geschäftsführer übernahm. Ab 1. Jänner steht nun also ORF-Generaldirektor auf seiner Visitenkarte. Für das Haus arbeitet er schon jetzt „24/7“ voller Enthusiasmus, wie er beteuert. Zweifellos kommt dem ORF dieser Einsatz aber vor allem eines: günstig. Denn Pig erhält aktuell nicht nur kein Gehalt, er ist nicht einmal versichert.

Wie fühlt sich das an, gratis für den ORF zu arbeiten? Das haben mein Innenpolitik-Kollege Walter Hämmerle und ich Pig gefragt, der in dieser Woche beim „Wiener Salon“ der Kleinen Zeitung im Hauptstadtbüro zu Gast war. Alle Infos zur Veranstaltung und das gesamte Gespräch im Video finden Sie übrigens hier. Was das anwesende Publikum amüsiert, beantwortet der Geladene durchaus mit Pathos. Freilich sei es „ein komisches Gefühl, entgeltfrei zu arbeiten“, sagt er. Aber er verspüre „eine ganz tiefe Mission“, den ORF „eben nicht als Schönwetterkapitän“ zu übernehmen. „Und das trägt mich durch diese Phase.“ Er fühle sich damit wohl und er ergänzt mit tirolerischer Färbung in der Stimme: „Für mich passt’s.“

Weniger Gehalt als Weißmann

Was er an diesem Abend nicht beantworten will, ist die Frage nach der Höhe seines künftigen Gehalts. Denn noch hat Pig seinen Vertrag nicht einmal bekommen, geschweige denn unterschrieben. Am Tag nach dem abendlichen Gespräch in der Redaktion reicht er schriftlich nach und kündigt an, neben dem vollumfänglichen Gehalt des frühzeitig entlassenen Vorgängers, Roland Weißmann, auch auf Bonuszahlungen verzichten zu wollen. Damit solle „der Grundstein für eine neue Gehaltspyramide“ gelegt werden. Weißmann verdiente zuletzt 427.000 Euro brutto pro Jahr.

Man kann Pig für sein temporär-prekäres Arbeitsverhältnis bedauern oder nicht, es zeigt auf, wie verstaubt die Bestellungsmodalitäten rund um die ORF-Führung sind. Neben dem diesmal zwar deutlich weniger, aber am Ende immer noch sehr politischen Bestellungsverfahren zeigt das zwischenzeitliche Nicht-Angestellt-Sein auf, dass die Formalitäten schlicht darauf ausgerichtet sind, dass der nächste Chef oder die nächste Chefin aus dem eigenen Haus kommt. Denn dann entsteht ein solcher Konflikt erst gar nicht. Quereinsteiger-freundlich ist das nicht.

140 Millionen weniger

Die Frage nach dem lieben Geld wird Pig in den kommenden Jahren auch abseits seiner eigenen Person intensiv beschäftigen. Die Politik hat dem ORF massive Einsparungen auferlegt. Zuerst war von 93 Millionen die Rede, Stiftungsratschef Heinz Lederer sprach zuletzt von 100 Millionen. Pig selbst rechnet offenbar mit noch deutlich mehr und spricht im Interview mit der Kleinen Zeitung gar von 140 Millionen Euro, die einzusparen seien. Inwieweit die zu ihrem Glück gezwungenen Gebührenzahlerinnen und -zahler die Einsparungen im Programm spüren werden, wollte er noch nicht konkret ausführen.

Gänzlich leer geht Pig übrigens schon jetzt nicht aus. Neben temporärem Büro und Assistenz bei der Terminkoordination hat ihm sein künftiger Arbeitgeber bereits etwas anderes zur Verfügung gestellt – eine Handyhülle, auf der das ORF-Logo prangt. „Das Handy in der Hülle ist aber mein privates“, sagt Pig und grinst.

Der „Wiener Salon“ mit Clemens Pig zum Nachschauen