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Onlinehändler: Ärger im Inland, dafür mehr Chancen im Ausland

Während die Paketabgabe Onlinehändler aufbringt, baut die Post ihr E-Commerce-Geschäft in Südosteuropa aus. Davon sollen auch heimische Händler profitieren.

© Niceshops/ Werner Krug
E-Commerce-Spezialist Niceshops kommt auf 88 Prozent Exportquote
Hannes Gaisch-Faustmann
Stv. Ressortleiter Wirtschaft

Die nationale Paketabgabe bringt Onlinehändler auf die Barrikaden. Doch außerhalb Österreichs tun sich neue Absatzchancen für heimische Betriebe auf. Denn die österreichische Post verstärkt ihr Engagement in Südosteuropa. Das passiert zum Beispiel über ihre Tochter euShipments, an der die Post seit März 2026 70 Prozent der Anteile hält.

Der bulgarische E-Commerce-Dienstleister ist ein junger, stark wachsender Fulfillmentanbieter, übernimmt also die Prozesse nach einer Bestellung in einem Onlineshop – Versand, Zustellung, Retouren. Im August wuchs euShipments durch den Kauf eines weiteren Fulfillmentspezialisten, der slowakischen FHB-Group.

Die beiden Unternehmen werden gerade zusammengeführt, erklärt Peter Umundum, Logistikvorstand der Post, und sollen zu einem „starken Anbieter von E-Commerce-Logistik in Zentral- und Osteuropa“ aufgebaut werden. Die Zielgruppe sind Händler, die allein zu klein sind, um internationale Onlinemärkte zu erschließen – und davon gibt es in Österreich viele.

Chance für Händler aus Österreich

Ihnen verspricht man Wachstum über Anbindungen an unterschiedliche Portale und ein Netz an 60 Zustellpartnern quer durch Europa. Beim Volumen (16 Millionen Sendungen 2025) erwartet die Konzernmutter jährlich zweistellige Zuwachsraten.

Bei der Fusion von euShipments und FHB geht es um eine Größenordnung von derzeit jährlich 100 Millionen Euro Umsatz, 1500 kleine und mittlere Handelsbetriebe als Kunden und zwölf Fulfillment-Standorte in neun Ländern Europas. Im Juli kam ein Standort auch in Österreich dazu, um heimischen Händlern den Einstieg zu erleichtern. Umundum: „Es ist eine Chance, den Export im E-Commerce anzukurbeln.“ Hier besteht viel Aufholpotenzial. Im Onlinehandel ist Österreich ein großes Importland, nur etwa fünf Prozent der von der Post umgeschlagenen Pakete gehen ins Ausland.

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Peter Umundum, Vorstand für Paket & Logistik der Österreichischen Post
Peter Umundum, Vorstand für Paket & Logistik der Österreichischen Post © Österreichische Post AG

E-Commerce-Spezialist Niceshops im steirischen Paldau zählt mit 88 Prozent Exportquote zu den Ausnahmen. Mit euShipments arbeiten die Niceshops bereits seit 2025 zusammen, erklärt Geschäftsführer Christoph Schreiner. „Seither haben wir unser Volumen in den südosteuropäischen Raum um 20 Prozent steigern können.“ In absoluten Zahlen heißt das: Pro Monat wickelt euShipments rund 15.000 Sendungen für Niceshops ab. „Wir verfolgen einen Local-Hero-Ansatz und arbeiten dadurch in den Auslandsmärkten mit den regionalen Versanddienstleistern zusammen“, sagt Schreiner.

Auch für die österreichische Post hat das eine strategische Bedeutung – sie kann über die klassische Paketzustellung hinaus entlang der gesamten E-Commerce-Wertschöpfungskette wachsen.

Neuer Marktführer in Serbien

In Serbien stieg die börsennotierte teilstaatliche österreichische Post übrigens zum Marktführer auf dem Paketmarkt auf. Mit ihrer Tochter City Express ist sie seit 2007 in Serbien tätig, im vergangenen Juli übernahm sie außerdem den Mitbewerber D Express – und damit 1300 Beschäftigte, ein Logistikzentrum in Belgrad, 27 Zustellbasen, 35 Paketshops, über 300 Paketstationen, ein Volumen von 14 Millionen Paketen und 36 Millionen Euro Umsatz. Anfang Oktober gab die serbische Wettbewerbsbehörde grünes Licht. D Express und City Express, bisher die Nummer zwei und drei auf dem serbischen Markt, übernehmen zusammen die Spitze. Langfristig werden sie fusionieren.

In Summe bearbeitet die Österreichische Post 15 Auslandsmärkte, der mit Abstand größte ist die Türkei: rund 200 Millionen Pakete, eine knappe halbe Milliarde Euro Umsatz (2025), das sind etwa 16 Prozent der gesamten Konzernerlöse.