Werden die Schienen im Görtschitztal bald wieder genutzt?
Die Görtschitztalbahn hat eine lange Geschichte hinter sich. Seit Jahren will man sie wiederbeleben, jedoch erfolglos.

Es war eigentlich ein spannendes Projekt, welches wohl wieder verstummte. Seit 2015 wollte man die Görtschitztalbahn revitalisieren. Eine Bahnstrecke, die in Launsdorf beginnt und in ihren Höchstzeiten bis nach Hüttenberg führte. Als 1979 der Bergbau in Hüttenberg eingestellt wurde, nahm die Bedeutung der Bahn ab. 1995 wurde der Personenverkehr eingestellt, mittlerweile gibt es nur noch Güterverkehr, der auf der Strecke fährt und das auch nur ein paar Mal pro Woche. 2023 gab es eine Resolution der Bürgermeister entlang der Strecke, es wurde verlangt, den Personenverkehr wieder aufzunehmen. Im Parlament wurde die Petition zur Elektrifizierung der Strecke eingebracht.
Federführende Kraft dahinter war die Bürgermeisterin von Klein St. Paul, Gabriele Dörflinger (SPÖ): „Uns wurde damals von Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) zugesichert, dass der Bahnverkehr forciert wird. Die Strecke sollte mit einer Hybridlok getestet und die Bahnhöfe sollen wieder positiv belebt werden. Aber ja, mittlerweile ist man von dem Projekt wieder abgekommen, jedoch sind die Schienen noch da und es könnte was passieren. Ausgeschlossen ist nichts.“ Jedoch betont die Bürgermeisterin auch, dass man im Tal die Rufbussysteme „Ruf:Mi“ und „Ruf:Zu“ eingeführt hat und damit Anbindungen zu den Bahnhöfen Althofen und Launsdorf geschaffen wurden. Auch eine Pflegenahversorgung, wo betagte Bürger kostenlos zum Arzt gebracht werden, wurde eingeführt.

2023 hat man noch gehofft, dass man durch die Einführung der Koralmbahn auch die Schienen im Tal wiederbeleben kann. Fehlanzeige. „Jedoch gibt es seitdem eine direkte Busverbindung nach St. Kanzian, wo man auf die Koralmbahn oder die Westbahn umsteigen kann“, erklärt die Gemeindechefin und lässt aufhorchen: „Es soll jedoch zu einer größeren wirtschaftlichen Nutzung der Schiene kommen. Da möchte ich aber den Unternehmen nicht vorgreifen.“
Alpacem nutzt Gleise verstärkt
Das Zementwerk Alpacem hofft auf eine Revitalisierung. Geschäftsführer Bernhard Auer sagt: „Die Görtschitztalbahn ist für unser Zementwerk in Wietersdorf von großer Bedeutung. Eine leistungsfähige Schienenanbindung ist eine wesentliche Voraussetzung, um Rohstoffe und Produkte effizient und umweltschonend transportieren zu können. Die langfristige Absicherung und Revitalisierung der Bahnstrecke ist daher ein wichtiges Signal für die Industrie und den Wirtschaftsstandort Görtschitztal. Sie schafft Planungssicherheit und eröffnet uns die Möglichkeit, künftig mehr Transporte von der Straße auf die Schiene zu verlagern.“

Brückl und Eberstein dafür
Vom Brückler Bürgermeister Harald Tellian (Wir für Alle) kommt kein Widerspruch gegen das Projekt. „An und für sich wäre ich nicht dagegen. Jedoch haben wir das GoMobil eingeführt, welches gut angenommen und vom Land gefördert wird, deshalb kann ich mir nur schwer vorstellen, dass die Bahnstrecke wiederbelebt wird.“ Und für den Bürgermeister von Eberstein, Andreas Grabuschnig (ÖVP), wäre die Direktverbindung nach St. Veit wichtig: „Ich bin dem Projekt gegenüber positiv eingestellt. Eine Belebung wäre wünschenswert, da man mit den Rufsystemen nicht direkt in die Bezirksstadt kommt, mit der Bahn schon. Aber es wäre auf jeden Fall eine Überlegung wert. Die Gleise sind immerhin da und das Konzept Gailtalbahn funktioniert auch, wieso sollte dann nicht die Görtschitztal funktionieren?“

Wiederaufnahme des Personenverkehrs nicht in Aussicht
Somit liegt der Ball zur Reaktivierung der Bahn definitiv beim Staat. Auf Anfrage antwortete das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur: „Die Görtschitztalbahn wird weiterhin als regionale Zubringerstrecke für den Güterverkehr betrieben. Seit 2023 wurden insbesondere die Planungen und Behördenverfahren zur langfristigen Sicherung des Güterverkehrs sowie zur Anpassung der Eisenbahnkreuzungen an die geltenden rechtlichen und technischen Vorgaben weitergeführt. Die erforderlichen Maßnahmen werden dabei von der ÖBB-Infrastruktur AG gemeinsam mit dem Land Kärnten, den betroffenen Gemeinden und weiteren Beteiligten abgestimmt und schrittweise umgesetzt.“
Personenverkehr wird es aber wahrscheinlich nicht mehr geben: „Auch mögliche Entwicklungsperspektiven der Strecke wurden bereits untersucht. Eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs ist auf Basis der vorliegenden Untersuchungen nicht in Aussicht genommen“, heißt es vom Kabinett des Bundesministers Peter Hanke.