Special-Olympics-Sportlerin des Jahres: „Sonnenschein Bianca kennt jeder bei uns im Ort“
Bianca Maier kam schon nach der 26. Schwangerschaftswoche auf die Welt, sie gewann den Kampf ums Überleben. Mit 34 gewann die begeisterte Schwimmerin die Wahl zu Österreichs Sportlerin des Jahres
Sie ist Jahr für Jahr einer der Höhepunkte der Sporthilfe Gala in Wien: Die Ehrung der beiden Special-Olympics-Sportler. So wie dieses Jahr, in dem beide Nikis in die Steiermark gingen: Bianca Maier und Silvio Gorsche durften auf der Bühne ihre Trophäen in Empfang nehmen und traten noch dort den Beweis an, wie emotional eine solche Ehrung sein kann.
„Ich hab‘ den Niki g‘wonnen“, sagte Maier ins Mikrofon und hatte auch auf die Frage, wo sie denn die Trophäe aufbewahren wird, eine klare Antwort: „In meinem Zimmer!“ Maier hatte Lacher und Applaus auf ihrer Seite. Und Mama Luisa, die die 34-Jährige auf die Bühne begleiten durfte, wusste: „Es war in diesem Moment Überraschung, Freude, Glückseligkeit, Stolz – alles in einem. Ihre Augen haben geglänzt, die Freude war überschwappend, als sie den Niki von Stephanie Venier bekam“, erzählt sie und unterstreicht, dass das mit dem eigenen Zimmer durchaus Ernst gemeint war: „Das ist ihr Preis, den wird sie hüten wie ihren Augapfel. Und da ist sie sehr gewissenhaft und rücksichtsvoll und weiß, dass das ihr gehört “, erzählt die Mama.
Es sind Momente wie diese, die die Sonnenseiten des Lebens mit Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung hervorbringen. Und ein Sonnenschein, das ist Bianca Maier meist. „Wir kommen aus St. Lorenzen bei Knittelfeld, da kennt jeder die Bianca. Sie ist so lebensfroh, kann Menschen mitreißen mit ihrer herzlichen, liebevollen Art.“ Was sie nicht kann: sich verstellen. Spontanität und Ehrlichkeit sind Programm, gerade deswegen ist die Ehrung der Kategorie jedes Mal so ein Erlebnis. „Sie hat den Tag genossen, sie wusste, es geht um sie. Und sie hat sich was wünschen dürfen.“ Bianca wählte eine Fahrt im Riesenrad und einen Besuch im Stephansdom, wo sie eine Kerze anzünden und beten durfte.
Dabei war Biancas Geschichte keine einfache: Sie kam schon in der 26. Schwangerschaftswoche zur Welt, wog da gerade einmal 52 Dekagramm, wie Luisa Maier erzählt. „Sie kam in den Inkubator, ein paar Wochen später trat eine starke Gehirnblutung auf, die gesamte linke Gehirnhälfte stand unter Blut.“ Als Folge war die rechte Körperhälfte gelähmt, „Eine Hemiplegie nennt man das“, erzählt Luisa Maier. Zudem war auch die Lungen-Hauptader nicht ausgebildet, die Fahrt der Eltern ins Krankenhaus nach Leoben war keine einfache, weil keiner wusste, ob Bianca alle Hindernisse überwinden könnte. „Ich habe aber immer positiv gedacht: Wir schaffen das“, sagt Mama Maier.

Bianca erwies sich als Kämpferin, überwand auch die Phase, als man ihre Achillessehne strecken musste – und fand Gefallen am Element Wasser. In Wien war sie diesen Sommer zum zweiten Mal bei den Special Olympics Sommerspielen dabei, diesmal schaffte sie es nach der Arbeit in Knittelfeld mit Trainerin Daniela Rosenkranz auch schon über die 50 Meter. „Und als wir hingefahren sind, hat sie dem Papa voll Ehrgeiz versprochen: ‚Ich komme mit einer Goldmedaille nach Hause.‘ Sie schaffte nicht nur eine, sondern drei, gewann über 25 und 50 Meter Freistil und mit der Staffel. Und doch weiß sie auch mit Niederlagen umzugehen: „Sie versteht, dass dabei sein alles ist, aber sie ist ehrgeizig“, sagt die Mutter. Einmal pro Woche geht es zum Training nach Knittelfeld, in der Sommerpause vermisst Bianca das Schwimmtraining schon meist sehnlichst.
Der steirische Gewinner Silvio Gorsche
Was sie aber auch ohne den wichtigen Sport bleibt: Der Sonnenschein der Familie, auch für ihre zwei Brüder. Zur Zeit ist Bianca Maier nicht mehr bei „Jugend am Werk“, sondern daheim, „Familienentlastung“ nennt sich das Programm, das die Familie in Anspruch nimmt, um ihrer Arbeit nachgehen zu können. Währenddessen kommt Unterstützung nach Hause. Und bleibt, was sie auch vor dem Gewinn der Wahl war: „Unser Sonnenschein, wir alle lieben sie über alles“, sagt Luise Maier, die zur Schwimmleidenschaft ihrer Tochter meint: „Wir haben ihr am Meer das Schwimmen beigebracht, auf einmal hat sie die Schwimmhilfe auch weggetan. Sie ist wie ein Fisch im Wasser.“ Und nun auch „Sportlerin des Jahres“.
