Graz gibt Wärmeabnahmegarantie für Sonnenspeicher Süd ab
Beschluss im Gemeinderat: Energie Graz nutzt Wärme aus dem Mega-Projekt „Sonnenspeicher Süd“, um die Fernwärme möglichst unabhängig vom Gas zu bekommen.
Es ist ein wichtiger Schritt am Weg, die Fernwärme in Graz einerseits sauber zu bekommen, andererseits unabhängig von Gas zu machen. Dekarbonisierungsplan nennt sich das in der Fachsprache, und es wird mit unterschiedlichen Großprojekten daran gearbeitet. Eines davon ist der „Sonnenspeicher Süd“, wo in Weitendorf nahe Wildon ein alter Steinbruch mit 1,5 Millionen Kubikmetern Wasser geflutet werden soll. Das Wasser wird durch Solarkollektoren, Wärmepumpen und ein Biomasseheizwerk erhitzt, die Wärme wird durch eine Abdeckung gespeichert und ins Fernwärmenetz eingespeist.
Dass das wirklich passiert, soll nun ein Vertrag zwischen der Energie Steiermark und der Energie Graz garantieren, der kommenden Donnerstag im Gemeinderat beschlossen werden soll. Die Energie Steiermark transportiert die Wärme bis Mellach und von dort weiter in die Puchstraße, wo sie dann in Graz verteilt wird. Ein Drittel der Wärme braucht die Energie Steiermark für eigene Kunden, zwei Drittel nimmt die Energie Graz.
Sonnenspeicher Süd kann gut ein Fünftel des Grazer Fernwärmebedarfs abdecken
Damit können rund 20 Prozent des Fernwärmebedarfs in der Landeshauptstadt gedeckt werden, der gesamt mit rund 1200 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr angegeben wird. Es handelt sich um eine Take-or-Pay-Verpflichtung, also eine verpflichtende Abnahme einer Mindestmenge aus dem Projekt. Als Preis wird von 112 Euro pro Megawattstunde ausgegangen. Der Vertrag gilt für 27 Jahre und beginnt, sobald der Sonnenspeicher in Betrieb geht. Bis 2034 muss die Energie Graz mindestens 220 GWh abnehmen, danach reduziert sich die Menge auf 170 GWh.
Da rechnen wir mit einer ersten behördlichen Entscheidung im ersten Halbjahr 2027, aber auch mit Beschwerden dagegen.
— Heimo Ecker-Eckhofen, Kopf hinter „Sonnenspeicher Süd“
Im dazugehörigen Gemeinderatsbeschluss ist von einem Start mit Ende 2029 die Rede. Da ist Heimo Ecker-Eckhofen aber vorsichtig. Er ist mit Gilbert Fritzberg jener Kopf, der das 270-Millionen-Euro-Projekt vorantreibt. „Wir haben jetzt vor Kurzem vom Verwaltungsgerichtshof die fixe Entscheidung bekommen, dass wir keine Umweltverträglichkeitsprüfung brauchen“, so Ecker-Eckhofen. Jetzt wird gerade alles für die Einreichung zu den Einzelmaterienverfahren vorbereitet, die es etwa beim Wasser-, Gewerbe- oder Naturschutzrecht trotzdem braucht. „Da rechnen wir mit einer ersten Entscheidung im ersten Halbjahr 2027, aber auch mit Beschwerden dagegen.“ Bis wann die behördlichen Entscheidungen dann Rechtskraft bekommen, traut er sich aus heutiger Sicht nicht zu sagen.
Widerstand durch Anrainer gegen den Sonnenspeicher
Tatsächlich gab und gibt es unter Anrainern Widerstand, weil das Biomasseheizwerk mit 135-GWh-Wärmeerzeugung groß ausfällt und riesige Flächen für die Solarkollektoren benötigt werden.
Sollte bis zum 30. Juni 2030 der Sonnenspeicher Süd nicht in Betrieb sein, hat die Energie Graz das Recht, die Abnahmegarantie zu kündigen.
Wie die Grazer Fernwärme sauber und unabhängig vom Gas werden soll
Neben dem Sonnenspeicher sollen noch weitere Großprojekte die Fernwärme sauber machen: die Geothermie, die Müllverbrennungsanlage und die Klärschlammverwertungsanlage. So ist es im verbindlichen Dekarbonisierungspfad festgehalten. „Mit der verbindlichen Dekarbonisierungsstrategie wollen wir den Anteil grüner Wärme an der Fernwärmeversorgung im Jahr 2030 auf über 60 Prozent bringen“, so Finanzstadtrat Manfred Eber (KPÖ), der das entsprechende Stück im Gemeinderat einbringt.
Das größte Projekt ist die Geothermie, in die OMV und Energie Steiermark 500 Millionen Euro investieren, um heißes Wasser aus rund vier Kilometern Tiefe zu holen. Damit sollen auf Sicht gut die Hälfte des Grazer Fernwärmebedarfs gedeckt werden. Die Probebohrungen in St. Marein bei Graz werden gerade vorbereitet, die Inbetriebnahme ist für 2030 vorgesehen.
Für das Energiewerk vulgo Müllverbrennungsanlage, gegen das mittlerweile die ÖVP und einzelne Industrieunternehmen mobil machen, laufen gerade die Ausschreibungen. Die Energie Graz ist hier direkt Projektträger und treibt das 250-Millionen-Euro-Projekt in der Sturzgasse voran. Geht alles nach Plan, soll es ab 2029 gut 15 Prozent des Fernwärmebedarfs decken.
Bleibt noch die Klärschlammverwertung. Mit gut 75 Millionen Euro wird hier – ebenfalls von der Energie Graz – kalkuliert. Seit Kurzem ist der positive Bescheid zur Umweltverträglichkeit da, der Vollbetrieb soll 2030 starten und gut fünf Prozent zur sauberen Fernwärme beisteuern.