Eine „wilde“ Idee wurde für diese Lobmingtaler Familie Wirklichkeit
150 Stück Rotwild leben im Gatter der Familie Brandl in Kleinlobming. In Handarbeit entstehen hochwertige Lebensmittel, die im eigenen Hofladen und Café verkauft werden.

Es war eine im wahrsten Sinne des Wortes wilde Idee von Andreas Brandl: Anfang der 2000er-Jahre steht der Milchviehbetrieb seiner Familie im Hausergraben in Kleinlobming vor einer Richtungsentscheidung. „Eine große Sanierung war nötig. Und schon damals hat sich der Milchpreis so entwickelt, dass ich mir gedacht habe: Wir sollen etwas anderes versuchen.“ 2008 eröffnet das „Wildgehege Hauser“. Eine Eingebung sei das gewesen: „Wenn du alles auf den Kopf stellst, brauchst du nicht nur Durchhaltevermögen, sondern musst auch einiges an Gegenwind aushalten.“
Gemeinsam mit Ehefrau Elke hat Andreas Brandl durchgehalten. Heute leben 150 Stück Rotwild am Hof, dazu 5000 Hühner. Seit Februar 2025 betreibt die Familie auch das Café „Zum Hauser“ in Großlobming, angeschlossen ist ein kleiner Hofladen. „Wir verarbeiten die Tiere selbst, das Wild wird stressfrei bei uns geschlachtet“, schildert Andreas Brandl. Daraus entstehen Spezialitäten wie Leberkäse, Käsekrainer oder Würstel – alles aus Wildfleisch, versteht sich. Besonders begehrt ist die Wildbretteljause, die man im kleinen Kaffeehaus bestellen kann. Warme Snacks aus der eigenen Produktion gibt es täglich, am Wochenende wird dazu ausgekocht. Wildgulasch steht dabei je nach Verfügbarkeit ebenso auf der Karte wie Wildleber oder -beuschel.
„Spinnerei, vielleicht Vision“
Geöffnet hat der Familienbetrieb Dienstag bis Sonntag täglich ab 7.30 Uhr. „Dann gibt es erstmal Frühstück, zum Beispiel mit meinen hausgemachten Marmeladen“, so Elke Brandl. In ihrer Küche zaubert sie jeden Tag hausgemachte Mehlspeisen. Torten, Platten und Brötchen gibt es auf Vorbestellung. Die Nachfrage ist riesig: „Ob Jause oder Mehlspeise, es wird alles gut angenommen.“

Im Hofladen gibt es neben den eigenen Wildprodukten sowie Eiern vom Hof auch Wein, Geschenksartikel, Säfte, Nudeln und Kernöl von Partnerbetrieben. Eine „Spinnerei, vielleicht eine Vision“ sei der Umstieg auf Wild einst gewesen. „Aber es hat sich gelohnt, es war die richtige Entscheidung“, sagt das Paar heute. Durch das gestiegene Ernährungsbewusstsein sei Wildfleisch (das übrigens auch roh bezogen werden kann) immer gefragter: „Wir sind langsam, aber stetig gewachsen.“
Advent am Hof
Wichtig ist der Familie der Schutz der Tiere (die auch am Hof gezüchtet werden), besonders in der sensiblen Brut- und Setzzeit sind Besuche am Gehege nicht erlaubt. „Dafür laden wir heuer wieder zum Adventmarkt am Hof in Kleinlobming, mit Lagerfeuer und kleinen Ständen – so, wie es früher einmal war.“ Das genaue Datum wird erst festgelegt. Einen Adventmarkt wird es auch im Schablhof geben, so heißt das Gebäude, in dem das Café untergebracht ist. Gemeinsam mit Melitta Schweiger, die direkt nebenan ihre „Naturwerkstatt“ führt, gibt es am 13. und 14. November eine Adventausstellung.

Zwischen der Arbeit am Bauernhof, dem Gastrobetrieb, dem Backen frischer Mehlspeisen, dem Schlachten der Tiere und der Verarbeitung der Produkte – bleibt da eigentlich noch Freizeit? „Das ist kein Job, das musst du leben“, schmunzeln die Landwirte. „Wir tun es gerne und mit Herz!“