Wenn Tee bei Lieferdiensten zum Trend wird, muss man Dampf ablassen

Gewöhnlicher Tee trendet bei den Lieferdiensten. Das sollte uns wirklich zu denken geben.
Falls man den Glauben an die Zukunftsfähigkeit der Menschheit verlieren will, lohnt sich ein Blick in die aktuelle Statistik eines Essenslieferanten. Im September stieg die Zahl der Bestellungen von Tee um 52,1 Prozent an. Jetzt sind Prozentzahlen nicht immer aussagekräftig, aber alleine wenn es zuvor zwei Personen waren und dann drei, die diesen Service in Anspruch nahmen, muss man sich ernsthaft Sorgen machen. Denn da geht es nicht um den lustigen Bubble Tea, den die Kinder gerne trinken, weil es im Mund erst so schön platzt und dann nach Chemie schmeckt. Es geht auch nicht um den lässigen Mate-Tee, der einem das Gefühl vermittelt, als Rucksack-Tourist demnächst nackt im Nahuel Huapi See zu baden. Es geht wirklich um Tee, der in der Regel aus heißem Wasser und einem Beutel mit getrockneten Kräutern oder Früchten besteht. Wo sogar die Kochanleitung so simpel ist, dass sie mit einem Piktogramm, zwei Ziffern und drei Buchstaben auskommt – also etwa „10 Min“ und einer gezeichneten Tasse, um die Brühzeit zu erklären. Damit ist – sofern man nicht eine japanische Teezeremonie abhält – das ganze Geheimnis der Zubereitung erzählt.
Um jetzt – im Sinne des konstruktiven Journalismus – nicht nur zu schimpfen, sondern auch einen Mehrwert zu hinterlassen: Sollten Sie an trockenem Husten leiden, meiden Sie Kamillentee. Der greift bei häufigem Konsum die Schleimhäute an. Dann können sie nicht einmal über jene Menschen schimpfen, die Tee beim Lieferdienst bestellen.