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Wie Weitblick den Weißensee zum gefragten Juwel machte

Wolfgang Fercher
Chefredakteur Kärnten & Osttirol
© Wolfgang Fercher
Der Weißensee gilt als Inbegriff des sanften Tourismus

Die tägliche Morgenpost aus der Redaktion. Heute: Warum der Weißensee zum Naturpark des Jahres gewählt wurde und welche weitblickenden Entscheidungen dem vorausgehen.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!

Von A wie Almenland bis Z wie Zirbitzkogel-Grebenzen, von B wie Blockheide bis Y wie Ybbstal reicht die Palette. 47 sogenannte Naturparke gibt es insgesamt in Österreich (sieben davon in der Steiermark, zwei in Kärnten), sie machen eine Fläche von knapp 6200 Quadratkilometern aus – das sind immerhin 7,4 Prozent der gesamten Staatsfläche. 1962 wurde mit dem Naturpark Sparbach im Wienerwald der erste gegründet, seit 1995 sind diese Gebiete im Verband der Naturparke Österreichs (VNÖ) gebündelt. Seit damals hat sich ihre Zahl beinahe verdoppelt. Das Prädikat Naturpark gibt es für Natur- und Kulturlandschaften, die ein Schutzgebiet umfassen und in denen das typische Landschaftsbild einer Region bewahrt wird sowie eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt geschaffen und gesichert wird. Raum für Erholung und Bildung soll es auch geben.

Warum ich Ihnen das erzähle? Weil der Kärntner Weißensee am Montag vom Dachverband VNÖ offiziell als Österreichs „Naturpark des Jahres 2026“ ausgezeichnet wurde. Eine unabhängige Fachjury hatte dafür unter anderem die Bereiche Schutz der Kulturlandschaft, Bildung, Erholung, Regionalentwicklung und Marketing bewertet. Verbandspräsident Johann Thauerböck bezeichnet den Naturpark Weißensee als „Vorzeigebeispiel dafür, wie Naturschutz, Lebensqualität und regionale Entwicklung im Einklang gelingen können“. Der Naturpark umfasst 7640 Hektar in den Gemeinden Weißensee und Stockenboi. „Naturnahe Wälder, hochwertige Feuchtwiesen, der fjordartige, klare See und die geringe Lichtverschmutzung prägen die Landschaft.“

Seit 20 Jahren ist die Region Weißensee offiziell ein Naturpark, die Basis für diese Entwicklung und auch die Prosperität der Region wurde aber schon viel früher gelegt – mit vorausschauenden Entscheidungen und der Erkenntnis, dass man Ressourcen und Landschaft schonend behandeln muss. So sorgte das 1987 als Verordnung in Kraft getretene „Entwicklungsprogramm Raum Weißensee“ dafür, dass die Ufer des Sees nicht so zugebaut wurden wie an manch anderen Seen. Im Zuge dieser Entwicklung wurden sogar 25 Hektar Bauland in Grünland zurückgewidmet, mehr als 60 Grundbesitzer stimmten nach jahrelangen Gesprächen freiwillig zu – und verzichteten so auf viel Geld aus möglichen Grundstücksverkäufen. Alle haben sie Gemeinschaftsinteressen über Einzelinteressen gestellt. Zwei Drittel des 22 Kilometer langen Seeufers sind unverbaut. Der Naturschutz wurde früh als Chance statt als Hindernis erkannt.

© Wolfgang Fercher
Der Weißensee ist seit 20 Jahren ein offizieller Naturpark

Bereits 1967 wurde auf dem Weißensee ein Motorbootverbot verfügt, im Jahr darauf begann der Bau der Ringkanalisation, mit der die Trinkwasserqualität des Sees gesichert wurde. In den 1970er-Jahren gab es Überlegungen, von Villach über Stockenboi an der Ostseite des Sees eine Straße entlang des Nordufers zu bauen, um so den Tourismus anzukurbeln. Für die sturen Weißenseer kam das überhaupt nicht infrage. „Das war nie ein großes Thema, wir hätten so eine Durchzugsstraße sowieso abgelehnt. Wir wollten die Ruhe für unsere Gäste. Eine solche Verbauung wäre sündhaft schade gewesen“, sagte mir der 2019 verstorbene, legendäre Ex-Bürgermeister Alfred Knaller (er führte von 1964 bis 1997 die Geschicke der Gemeinde) einmal.

Heute zieht man den Hut vor so viel seltenem Weitblick von Politikern, Touristikern, Hoteliers und Landwirten sowie vielen anderen. Die Region gilt seit Jahren als Inbegriff des sanften, naturnahen Tourismus – auch wenn es rund um das Holländer-Eislauf-Spektakel im Jänner schon ordentlich rundgeht, der touristische Druck generell zunimmt und die Preise immer mehr nach oben gehen. In diesem Kontext werden die Weißenseer auch nächste Woche schon wieder Grund zum Feiern haben, wenn der neue Gault&Millau-Restaurantguide für 2027 präsentiert wird. Schon im Vorjahr gab es sieben ausgezeichnete Restaurants mit insgesamt 18 Hauben rund um den Weißensee. Gut möglich, dass noch weitere dazukommen. Preiswerter wird die Kulinarik am See dadurch nicht werden.

Wie sehen Sie die Entwicklung am Weißensee? Und welche Plätze empfehlen Sie? Schreiben Sie mir.

Einen diskussionsfreudigen Dienstag wünscht

Wolfgang Fercher