Buch zu Klimakatastrophe, die die Welt fast untergehen ließ
Alexander Lukeneder vom Naturhistorischen Museum Wien beschäftigte sich mit der „Karnischen Krise“, einer Klimakatastrophe vor 233 Millionen Jahren – mit Blickpunkt auf die Obersteiermark.

Er stammt aus Steyr, ist Paläontologe im Naturhistorischen Museum Wien und beschäftigt sich mittlerweile seit zehn Jahren ganz intensiv mit der Geologie der Obersteiermark – und besonders mit den Gegebenheiten im Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen in Großreifling.
Es sei eine richtige Liebe zur Region entstanden, meint Alexander Lukeneder, der einst als wissenschaftlicher Berater des Unesco-Natur- und Geoparks Steirische Eisenwurzen geholt worden war. Es gebe nicht allzu viele Experten, die sich mit dem Thema der Erdzeitalter Trias, Jura und Kreide – dem „Zeitalter der Dinos“ und deren Fossilien beschäftigen würden.
„Gar nicht am Radar gehabt“
So sei man auf ihn gestoßen und er habe sich im Laufe eines Jahrzehnts immer tiefer in die regionalen Besonderheiten versenkt. Bis dahin habe er weltweit zusammen mit vielen internationalen Kolleginnen und Kollegen geforscht: „Die Gegend um Großreifling habe ich allerdings bis dahin gar nicht am Radar gehabt.“
Bei vielen Exkursionen mit seinem Geologen-Hammer und anderer Ausrüstung in der Region habe er sich immer weiter in das Thema „hineingewühlt“ und sich vor allem die Auswirkungen der sogenannten Karnischen Krise angesehen. Dabei handle es sich um eine Klimakatastrophe, die vor etwa 233 Millionen Jahren die Welt fast untergehen habe lassen, sagt Lukeneder.
Auf 600 Seiten und in 24 Kapiteln rollt Lukeneder mit Forscherkollegen vieler verschiedener Fachrichtungen die Kettenreaktionen auf, die sich durch die damalige Erderwärmung ergeben haben. Zwei Millionen Jahre habe die Karnische Krise angedauert. Dabei sei auf der Erde kein Stein auf dem anderen geblieben – eine Veränderung habe die nächste mit sich gebracht.
Zusammenarbeit mit Montanuni Leoben
Ganz intensiv hat Lukeneder mit Reinhard Sachsenhofer, einem mittlerweile emeritierten Geologie-Professor an der Montanuniversität Leoben, zusammengearbeitet: „Auch mit seinem Nachfolger David Misch und Johannes Weitz habe ich zwei Montanisten für eine Zusammenarbeit für das Buch gewinnen können“, so Lukeneder.

Das Buch ist im Springer-Verlag erschienen, aber nicht nur als physisches Produkt, sondern auch digital erhältlich. Und vor allem: „Es ist für jedermann im Internet zugänglich. Alles ist Open Access. Mich freut besonders, dass die Resonanz riesig groß ist. Schon im ersten Monat der Veröffentlichung haben wir mehr Klicks und Downloads als andere Fachbücher nach 15 Jahren.“
„Weiß nicht, wohin das noch führt“
Ob man die Karnische Krise mit dem aktuellen Klimawandel vergleichen könne? „Ich bin kein heutiger Klimaforscher und habe auch keine Glaskugel. Aber dass sich die Bedingungen verändern, ist unbestritten. Wir müssen auf jeden Fall auf die Bremse steigen, weil ich weiß zwar nicht, wohin das alles noch führt – aber der Zeitraum der Veränderungen ist jetzt viel viel kürzer als damals.“
Man müsse also jedenfalls agieren, um die Entwicklungen beeinflussen zu können: „Und das sehr schnell. Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass sich schon in wenigen Jahren etwas dreht, wenn wir heute etwas ändern.“ Das bedeute, dass man umso schneller an verschiedenen Stellschrauben drehen müsse.