Seit 130 Jahren werden in dieser Familie die Zügel weitergegeben
Seit vier Generationen ist der Wernhof in Glanegg in Familienhand. Silvester und Heidi Kanatschnig verbinden dort Bio-Landwirtschaft, Westernreiten und Urlaub am Bauernhof.

Im Glantal bricht der Tag auf dem Land an. Kleine Nebelschwaden lösen sich langsam auf und die Sonne blinzelt durch die Wolkendecke und versucht komplett durchzukommen. Der Blick von Silvester Kanatschnig ist auf seine Pferdeweide über seinem Stallgebäude gerichtet. „Wenn ich jetzt pfeife, glauben sie, sie müssen arbeiten und kommen nicht runter“, sagt der Landwirt mit einem Lächeln, gemeint sind damit die braunen und schwarzen Punkte, die man in der Ferne sieht – seine American Quarter Horse-Pferde.
Kanatschnig ist der Landwirt in Glanegg. Er betreibt mit seiner Familie den Wernhof, der Hof ist seit vier Generationen im Familienbesitz. „Meine Urgroßeltern haben 1896 den Betrieb erworben. Mein Großvater kam dann am 31. Dezember 1900 auf die Welt, daher der Name. Mein Vater hieß auch Silvester, sowie unser Sohn und unser Enkelsohn. Der kleinste Silvester ist drei Monate alt“, sagt Kanatschnig mit einem Lächeln.
Der Wernhof ist nicht nur bei Reitern beliebt, sondern auch bei Urlaubern. Dass wir ein Ferienhof sind, entstand aber eher durch Zufall. „Vor beinahe 60 Jahren war eine Wiener Familie auf der Durchreise nach Italien und fragte, ob sie nicht eine Nacht hier schlafen dürfen. Unser Haus wurde gerade ausgebaut und es gab große Kinderzimmer. Diese wurden für eine Nacht bereitgestellt. Es gefiel ihnen aber so gut, dass sie ihren kompletten Urlaub hier verbringen wollten. Mein Vater fuhr nach Feldkirchen, kaufte Vorhänge und Spiegel für die Zimmer und die Gäste blieben drei Wochen. So begann unsere Zimmervermietung. 70 Übernachtungen konnten wir dann im ersten Jahr verzeichnen. Das war ein nettes Nebeneinkommen für damalige Zeit. Ebenso waren wir Gründungsmitglieder von Urlaub am Bauernhof“, erzählt der 59-Jährige. Mittlerweile sind Silvester und seine Frau Heidi seit 30 Jahren für die Gäste da, vor Kurzem wurden sie daher von der Wirtschaftskammer Feldkirchen geehrt.

100 Hektar gehören zum landwirtschaftlichen Betrieb. Wofür die Kanatschnigs bekannt sind, ist das Westernreiten, was auch den Gästen beigebracht wird. „Wir hatten immer drei Pferde und einen Esel am Hof.“ Heute umfasst die Herde 15 Tiere. 1987 lernten sich Silvester und Heidi kennen und lieben. Vor 33 Jahren heiratete das Paar, drei Kinder runden das Glück der Familie ab. „Ich komme aus dem Gurktal und war immer ein bisschen pferdeverrückt. Silvester und ich sind immer mehr ausgeritten, es kam dann eine Zeit, als er nur noch am Pferd war. So wurde es sukzessive mehr.“

1997 wurde dann das Reit-Eldorado gegründet. Eine Initiative mit dem Ziel, den Tourismus in der Region durch ein attraktives Zusatzangebot für Pferdeliebhaber zu stärken. Zu Beginn schlossen sich 18 Kärntner Gemeinden zusammen und kooperierten mit privaten Grundbesitzern und Forstverwaltungen, um die ersten rechtlich abgesicherten Reitwege freizugeben. Die Rasse Quarter Horse fand am Hof Einzug. „Wir waren einfach Freizeitreiter, die nicht englisch reiten wollen. Wir haben den ersten Westernsattel gekauft, machten Ausbildungen in diese Richtung und so ist das Angebot dafür entstanden“, erklärt Heidi. Doch was macht das Westernreiten aus? „Es ist ein freieres Reiten und die Pferde galoppieren lockerer und sind weniger schreckhaft“, sagt Heidi.

Es wird umgebaut
Die Saison für die Urlauber startet immer rund um Ostern und geht bis Anfang September. Derzeit werden die Bäder komplett erneuert. „Das muss bis Ende des Jahres fertig sein. Wir haben viele Stammgäste. Es wird jedoch schwieriger in der heutigen Zeit, neue Gäste zu gewinnen. Die Welt ist beinahe zu klein geworden, viele Urlauber wollen Fernreisen auf sich nehmen. Früher standen Leute vor der Tür und fragten einfach, ob was frei ist, das hat sich geändert. Die Gäste kommen vor allem wegen der Mundpropaganda. Wir sind sehr familiär und das ist wichtig.“ Die Zielgruppe der Kanatschnigs sind Familien und Reitinteressierte. Die Gäste kommen aus Deutschland, Österreich und aus den Niederlanden. Am Hof findet sich, wie es im Wilden Westen so typisch ist, auch ein Saloon. „Mit einer Theke und Selbstbedienung. Es ist sehr heimelig. Im Sommer veranstalten unsere Gäste vor dem Saloon auch Grillabende. Ebenso gibt es einen Volleyballplatz, einen Badeteich und viele Tiere.“
Neben den Pferden gibt es am Wernhof auch 25 Mutterkühe, einen Stier und drei Pustertaler Sprinzen. „Eine von Aussterben bedrohte Rasse, die mein Mann zum 50. Geburtstag geschenkt bekommen hat. Seit 1996 sind wir auch ein kompletter Bio-Betrieb“, betont die 56-Jährige.

Doch wie jeder landwirtschaftliche Betrieb stehen auch die Kanatschnigs vor einer Herausforderung. „Der Klimawandel hat uns sehr zu schaffen gemacht. Wir versorgen uns mit einer eigenen Quelle, wegen der Trockenheit hatten wir in diesem Sommer beinahe kein Wasser für die Gäste mehr. Das Futter, das wir sonst verkaufen, brauchen wir in diesem Jahr selbst.“
In rund fünf Jahren steht ein Generationenwechsel an. Silvester Junior, der seit fünf Jahren ein Landmaschinentechnik-Unternehmen betreibt, wird den Betrieb weiterführen. „Sobald mein Mann in Pension gehen kann. Wir wollen uns dann zurückziehen und vermehrt verreisen“, sagt Heidi mit einem Lächeln.
