Neuer Kages-Chef: „Mit mir wird es auch nicht immer einfach sein“
Das größte steirische Unternehmen hat einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Erich Schaflinger wurde zwar schon im Sommer bestellt, aber nach seinem Amtsantritt am 1. Oktober nun bei einem Pressetermin vorgestellt.

Erich Schaflinger, der neue Vorstandsvorsitzende der Steiermärkischen Krankenkassengesellschaft, wurde zu seinem Dienstantritt mit Vorschusslorbeeren seitens der Politik überhäuft. Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl zog dabei den Vergleich zu Schaflingers Vorgänger: „Gerhard Stark hinterlässt große Fußstapfen, in die Erich Schaflinger nun tritt. Aber ich bin überzeugt, dass er Erfolg haben wird.“ Schaflinger hat am 1. Oktober von Stark übernommen, am heutigen Freitag stellt er sich in einer Pressekonferenz vor. Und auch er bezog sich auf seinen Vorgänger: „Du, Karlheinz, hast gesagt, mit Stark war es nicht immer einfach, mit mir wird es auch nicht immer einfach sein.“
Denn einfach ist auch Schaflingers Aufgabenstellung nicht. Die Kages, eine „20.000-Menschen-Firma“, wie der Neo-Vorstandsvorsitzende es nannte, müsse die bestmögliche medizinische Versorgung für die steirische Bevölkerung gewährleisten, dabei aber mit einem engen und tendenziell kleiner werdenden budgetären Rahmen haushalten. Neben 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat Schaflinger gemeinsam mit seinem Vorstand für Finanzen und Technik, Ulf Drabek, ein Budget von 1,8 Milliarden Euro zu verantworten. Ein ausgeglichenes Budget zu erwirtschaften, könne nur gelingen, indem Strukturen weiter verändert werden, betonte denn auch Drabek. Oder wie Kornhäusl sagte: „Jeder, der heute behauptet, dass jeder Standort alles anbieten muss, streut den Menschen Salz in die Augen.“
Neue (Geschäfts-)Modelle
Mit strukturellen Weiterentwicklungen sei die jährliche Evaluierung des Regionalen Strukturplanes Gesundheit gemeint. Dieser legt fest, wie die medizinische Versorgung im niedergelassenen Bereich sowie in den Krankenhäusern künftig regional organisiert und weiterentwickelt wird. Man sehe, dass besonders in den Regionen der niedergelassene Bereich „schwächle“, sagte Schaflinger. Aus diesem Grund gehe es darum, neue (Geschäfts-)Modelle zu erarbeiten, in denen auch die Kages ebendort Leistungen übernimmt. Ein Beispiel ist etwa die Kindergesundheit Liezen, die „Kinderambulanz“ wurde 2022 eröffnet, weil sich keine Ärztin, kein Arzt gefunden hatte, der die Kassenstelle übernehmen wollte.

Den Weg zur Wahl Schaflings skizzierte der Aufsichtsratsvorsitzende der Kages, Peter Umundum, bei der Pressekonferenz. Mithilfe einer Personalberatung sei der Ausschreibungs- und Bestellungsprozess von Jänner bis Juni 2026 gelaufen. Schaflinger war eine von vier Kandidatinnen und Kandidaten, die sich in der letzten Runde einem Hearing unterziehen mussten. Am Ende stand ein einstimmiger Beschluss für Schaflinger.
Schaflinger kennt die Kages
Schaflinger steigt in einem Haus auf, das er lange kennt. Der gelernte Internist hat in Graz Humanmedizin studiert und war ab 1998 Primarius der Abteilung für Innere Medizin am LKH Mürzzuschlag. Ab 2005 war er ärztlicher Direktor des heutigen LKH Hochsteiermark (Bruck/Mur, Leoben, Mürzzuschlag). Zudem ist Schaflinger seit 2020 Vorsitzender des Landessanitätsrates. Sein Ziel sei es, die Kages-Mitarbeitenden in Entscheidungen einzubinden, das sei eine große Herausforderung. Und in Richtung Politik sagte er: „Ich habe eine hohe Erwartungshaltung an die Politik, wie die Politik auch an mich.“ Seinen Erfolg messe er schließlich an der Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten sowie kürzeren Wartezeiten.
Zur Person
Erich Schaflinger war ab 1998 Primarius der Abteilung für Innere Medizin am LKH Mürzzuschlag und ab 2005 Ärztlicher Direktor des Krankenhausverbundes Mürzzuschlag-Mariazell bzw. des heutigen LKH Hochsteiermark.
Er studierte Humanmedizin an der Medizinischen Universität Graz und ist Facharzt für Innere Medizin mit den Additivfächern Kardiologie, Gastroenterologie und Hepatologie sowie Geriatrie. Nach seiner Ausbildung war er von 1987 bis 1998 als Assistenz- und Oberarzt an der Medizinischen Universität Graz tätig.