Warum ausgerechnet ein Bauträger für weniger Parkplätze kämpft
Einsprüche gegen die Bebauungspläne in der Grazer Idlhofgasse kamen nicht nur von Anrainern und Aktivbürgerinnen – auch von einem Bauträger selbst.

Die Bebauungspläne, die Wohnbauten am früheren Industrieareal entlang der Idlhofgasse in Gries ermöglichen sollen, wurden hitzig diskutiert – nicht nur bei einer Informationsveranstaltung, sondern auch schon davor. „Mit diesem einseitigen Amtsentwurf vergibt das Stadtplanungsamt leider die Chance auf eine bestmögliche Entwicklung des Stadtquartiers im Interesse aller“, meint Architektin und Aktivbürgerin Elisabeth Kabelis-Lechner begleitend zu ihren Einwendungen, die sie an das Stadtplanungsamt zum Bebauungsplan-Entwurf für das Geviert Prankergasse – Kindermanngasse – Lidlsdorfgasse – Ungergasse und Idlhofgasse erhoben hat. Eine ihrer vielen Befürchtungen: dass die neue Bebauung mit Wohnungen die vorhandenen Probleme wie Lärm und schlechte Luft noch verstärken würde.
Bauträger wendet gegen eigenen Bebauungsplan ein
Was dabei aber überrascht: Einwendungen gegen die Pläne kommen auch von einem der Bauträger selbst, für dessen Projekt die Bebauungspläne ja erstellt wurden. Die gemeinnützige ÖWG ist Eigentümer der 6.350 Quadratmeter großen südlichen Hälfte des Areals und möchte hier Wohnungen errichten. Sie hat neben dem ÖSW, das den Rest des Geländes um- und bebauen möchte, auch die ausführliche Bebauungs- und Freiraumstudie „Gries Nord“ der Stadtbaudirektion mitfinanziert, die als Grundlage für die Entwicklungsüberlegungen dienen soll. Das massive Problem, das man mit dem vorgelegten Entwurf nun aber hat: Die geforderte Anzahl der Tiefgaragen-Stellplätze ist der ÖWG viel zu hoch.

„Die Vorschreibung überbordender Stellplatzverpflichtungen konterkariert leistbares Wohnen“, sagt ÖWG-Vorstandsdirektor Hans Schaffer. Vorgeschrieben sind ein Parkplatz pro 70 bis 80 Quadratmeter Wohnnutzfläche, das ist dem Bauträger zu viel – würden sich doch hohe Tiefgaragen-Baukosten zwangsweise auch auf die Wohnungspreise niederschlagen. Die eigene Vorstellung wäre – je nach Variante – ein Stellplatz pro 90 bis 110 oder sogar 110 bis 140 Quadratmetern.
Eigenes Verkehrsgutachten
Parallel zur Einwendung über eine Anwaltskanzlei ließ man ein verkehrstechnisches Gutachten von „verkehrplus“ zum Stellplatzschlüssel erstellen. Die Meinung der Verkehrsexperten: Das Gebiet weise die höchstmögliche Qualität auf, was Öffi-Anbindung und Infrastruktur angeht. Der Vorschlag: die Erstellung eines Mobilitätskonzepts (kostenlose Klimatickets, Tim-Guthaben, Scooter-Abstellplätze und dergleichen), wie das auch schon bei anderen Bebauungsplänen im Nahbereich umgesetzt wurde – mit einem empfindlich niedrigeren Stellplatzschlüssel als Ergebnis.
Mobilitätsverträge hätten auch in der Vergangenheit immer wieder zu geänderten Stellplatzschlüsseln geführt, etwa in Reininghaus, heißt es aus der Stadtbaudirektion. Und dass sich ein Bauträger weniger statt mehr Parkplätzen gewünscht habe, sei auch schon vorgekommen. Zum laufenden Bebauungsplan könne man keine Auskünfte erteilen, grundsätzlich sei es aber so, dass man sich bei der Erstellung der Pläne nach Erhebungen der städtischen Verkehrsplanung richtet. Im Gegensatz zum steirischen Baugesetz, das grundsätzlich einen Parkplatz pro Wohneinheit vorsieht, seien es in Graz ohnehin weniger – allein schon aufgrund der infrastrukturellen Erschließung. Und: Der Stellplatzschlüssel sei hier nicht anders als in vergleichbaren Gebieten.
Ein Kompromiss scheint also durchaus nicht unwahrscheinlich, ÖWG-Vorstand Schaffer schüttelt dennoch den Kopf, dass sich bei der Informationsveranstaltung ausgerechnet eine KPÖ-Vertreterin gegen geförderten, leistbaren Wohnbau ausgesprochen habe. Ausgerechnet ein Bauträger muss sich in einer Stadt mit grün geführtem Stadtplanungs- und Verkehrsressort zudem um weniger Parkplätze bemühen.
Wie es nun weitergeht? Derzeit läuft die Erfassung der Einsprüche im Stadtplanungsamt. Nach der Prüfung werden die Bebauungsplan-Entwürfe gegebenenfalls überarbeitet und anschließend dem Gemeinderat zum Beschluss vorgelegt.


