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Herbstmesse: Traditions-Event bringt Erfolg für gebeutelte Messe

120 Jahre nach der ersten Ausgabe lockte die Herbstmesse immer noch Besucher an. Wie es künftig weitergeht und wie die geplante Neuausrichtung der wirtschaftlich gebeutelten MCG läuft.

© Christof Hütter
Michael Suntinger
Bundesland Steiermark | Graz

Ein Schaukampf zwischen zwei massiven Männern in einem Boxring, geprägt durch jede Menge Theatralik. Auf der diesjährigen Grazer Herbstmesse fanden zur Unterhaltung des Publikums Wrestling-Matches statt. Die „Game Fusion“ bot zudem einen Mix aus Retro- und aktuellen Videospielen. Zum Vergleich: Bei der ersten Austragung vor 120 Jahren lockten heute unvorstellbare Attraktionen wie einen Liliputanerzirkus Besucher an. Die Messe geht mit der Zeit. Veranstalter MCG verbucht das diesjährige Event als Erfolg in einer schwierigen Zeit.

„Uns ist es gelungen, mit neuen Publikumsmagneten wie der TasteFactory eine völlig neue Zielgruppe für die Grazer Herbstmesse zu begeistern. Aber auch das junge Publikum ließ sich heuer in einer bisher noch unerschlossenen Dimension mit der GamesFusion abholen“, freut sich MCG-Vorstand Martin Ullrich. Diese gelte es zu erhalten und auszuweiten.

71.630 Menschen besuchten 370 Ausstellerinnen und Aussteller. Beide Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr leicht gewachsen. Für den Veranstalter MCG war die Herbstmesse also ein Erfolg. Während sich die Frühjahrsmesse immer noch in einer Pause befindet, in der sie ein neues Konzept bekommen soll, ist die Herbstmesse auch für das kommende Jahr wieder geplant.

Stadt stellt Ultimatum

Die positive Bilanz der Herbstmesse vermag nicht darüber hinwegzutäuschen: Der Messe Graz insgesamt geht es schlecht. Die Stadt muss ihrer städtischen Tochter laufend unter die Arme greifen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. In den vergangenen beiden Jahren lagen die jährlichen Abgänge zwischen acht und neun Millionen Euro. Anfang des Jahres spricht Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) ein Machtwort: Schafft es die Messe nicht, sich selbst zu erhalten, müsse die Stadt einen klaren Schnitt machen, so Kahr.

Martin Ullrich und Manfred Eber präsentieren gemeinsam ein Bild der geplanten Steiermarkhalle
© KLZ / Bernd Hecke
Im März stellten MCG-Vorstand Martin Ullrich und Finanzstadtrat Manfred Eber ihren Plan zur wirtschaftlichen Neuausrichtung der Messe vor

Daraufhin erarbeitete die MCG gemeinsam mit der Stadt Ideen zur wirtschaftlichen Neuausrichtung der Messe. Unter anderem wurde die Halle D zum Paddel-Court. Herzstück des Plans ist aber eine neue Steiermarkhalle anstelle der baufälligen Halle C, die abgerissen werden soll. Sie soll Platz für Veranstaltungen und Kongresse bieten und so wirtschaftliche Impulse in Graz setzen. Einzig die Finanzierung ist derzeit noch der Knackpunkt. 25 Millionen soll die Steiermarkhalle kosten.

Finanzierung steht in den Sternen

Die MCG ist genossenschaftlich organisiert. Mit 81 Prozent hält die Stadt den Großteil der Anteile. Die übrigen Genossen sind die Steiermärkische Sparkasse, die steirische Wirtschaftsförderungsgesellschaft sowie die Landwirtschafts- und Wirtschaftskammer.

Weil die Stadt Graz die Messe schon laufend mit Millionen stützt, will Wirtschaftsstadtrat Manfred Eber (KPÖ) für die Finanzierung der Steiermarkhalle die anderen Genossenschafter in die Pflicht nehmen. Die sehen das naturgemäß anders. „Wenn es ein Gesamtkonzept gibt, übernehmen wir einen Anteil, aber nicht massiv überproportional“, kommentiert Oliver Kröpfl, Vorstand der Steiermärkischen Sparkasse. Als Mehrheitseigentümer sieht er die Stadt in der Hauptverantwortung.

Oliver Kröpfl spricht am Podium bei einer Veranstaltung
© KLZ / Martin Huber
Oliver Kröpfl ist Vorstandsmitglied der Steiermärkische Sparkasse, die an der MCG beteiligt ist.

Ein solches Konzept zur Finanzierung der Halle gibt es bisher nicht. Insofern steht die Finanzierung zurzeit noch in den Sternen. „Es gibt Ambitionen und Visionen, die muss man dann aber runterbrechen auf etwas Tragfähiges“, meint Kröpfl. „Es wird nicht leicht sein, diese Vorhaben und Ambitionen auf die Straße zu bringen“, sagt er. Grundsätzlich sei man ständig im Gespräch, derzeit liege aber nichts Konkretes auf dem Tisch.

Laut Plan will die MCG ihren Umsatz bis 2035 von elf auf 22 Millionen Euro verdoppeln. 2032 soll erstmals ein ausgeglichener operativer Cashflow erreicht werden, der dann nachhaltig positiv bleiben soll. Allerdings ist hier nach wie vor ein jährlicher Zuschuss von zwei Millionen Euro von der Stadt eingepreist. Möglich soll das der Infrastrukturausbau machen. Man erwartete sich einen Anstieg der Besucherzahlen von bisher rund 800.000 um rund 130.000 Besucher pro Jahr. Sofern die Finanzierung geklärt werden kann, soll die Steiermarkhalle 2029 eröffnet werden, so der Plan.