Irgendwannnachschierendlosensätzenohnezwischenpause muss Martin Ullrich selbst lachen: „Ich rede schon wieder viel zu lang.“ Man kann dem Vorstand der Grazer Messe (MCG) jedenfalls nicht mangelnde Leidenschaft vorwerfen – und auch nicht fehlenden Optimismus: Ullrich glaubt an „seine“ Messe, obwohl diese bekanntlich wirtschaftlichen Herausforderungen ausgesetzt ist. Und obwohl der Chef selbst zugibt, dass es „halt Höhen und auch kleinere Tiefen gibt“.

Nach massiven Verlusten der städtischen Tochter, die zuletzt neun Millionen Euro betrugen, sprach gar Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) Klartext: „Bleibt die Messe ein derart massiver Zuschussbetrieb, muss man hier wohl einen klaren Schnitt machen.“ So weit wollten es MCG-Chef Ullrich und der zuständige Stadtrat Manfred Eber (KPÖ) aber nicht kommen lassen –­ und skizzierten heuer im März, wie aus ihrer Sicht ein Neustart gelingen könne und sich der Umsatz bis 2035 auf rund 22 Millionen Euro im Idealfall fast verdoppelt.

Ullrich (rechts) und Eber mit einer Computervorschau zur Steiermarkh...  Pardon, zum Plenarsaal
Ullrich (rechts) und Eber mit einer Computervorschau zur Steiermarkh... Pardon, zum Plenarsaal © KLZ / Bernd Hecke

Drei Monate später fragten wir nach, wie der Stand der Dinge bei den größten Puzzleteilen dieses Neustarts ist:

Padel-Center: Die ehrwürdige Halle D sollte im ersten Stock fremdvermietet und zum Center für die Trendsportart „Padel-Tennis“ werden. Erledigt, so Ullrich: „Das ist unter Dach und Fach, wir haben einen Investor dafür gefunden.“ Tatsächlich steigt die Grazer Firma „Tapedesign“ ein, die ja gerade viele Stars bei der Fußball-WM mit Anti-Rutsch-Socken austattet (wir berichteten): Bei der Messe will man einen „Premium-Standort“ für Padel-Fans etablieren.

Halle D: Hier spielt es künftig Padel-Tennis
Halle D: Hier spielt es künftig Padel-Tennis © Saria

Messeturm: Auch Büroflächen im Messeturm sollten vermietet und so zu Geld gemacht werden. Der MCG-Chef hat hier ebenfalls schon zwei Haken darunter gemacht: Das hauseigene Verwaltungsteam sei bereits umgezogen und habe so drei Etagen im Messe-Turm freigemacht, „zwei Stockwerke haben wir schon vermietet“, so Ullrich.

Wirtschaftlichkeit: „Das erste Quartal 2026 ist wirklich gut gelaufen, die Motion-Expo und die Gründermesse sogar besser als budgetiert“, verrät der Vorstand ­– der insofern hofft, dass die Wirtschaftskammer „ein starker Partner“ bei der Gründermesse bleibt. Letztere will die WKO ja aus Spargründen hinterfragen. Zugleich gesteht Ullrich, „dass die Häuslbauermesse nicht ganz so erträglich war wie geplant. Aber wir haben auch bewusst mehr Geld in die Hand genommen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Aber insofern muss die Häuslbauermesse 2027 gut laufen.“

Steiermarkhalle: Auch beim „Herzstück“ des Neustarts blickt Ullrich auf 2027 ­– und auf die neue Grazer Stadtregierung. Von dieser erhofft sich der Messe-Vorstand jedenfalls im nächsten Jahr grünes Licht für die „Steiermarkhalle“ samt Planungsgeld und Architektenwettbewerb. Wie berichtet, will man ­– im Innenhof an die Stadthalle und den Saal 5 andockend – einen neuen Raum für Kongress- und Tagungsgäste schaffen. Mit Platz für 1200 Besucher und um 25 Millionen Euro, wobei das Land im Idealfall einsteigt . „Dass wir sie ,Steiermarkhalle‘ genannt haben, war rückblickend ein Fehler. Halle klingt für viele nach Messe, und Messe für viele nach einem bekanntlich schwierigen Umfeld. Also sag ich ab jetzt lieber ,Plenarsaal‘, es geht ja in Wahrheit um eine Erweiterung des Kongresszentrums.“