Junge Osttirolerin zählt weltweit zu den besten Friseurinnen
Von Dölsach auf die Weltbühne: Angelina Rainer (19) vertrat Österreich bei der Berufsweltmeisterschaft in China. Obwohl sie nur im Mittelfeld landete, blickt mit Stolz auf ihre Leistung.
Zwölf Tage China, vier Tage Wettbewerb, unzählige Stunden Training – und dazwischen ein Abenteuer, das für Angelina Rainer kaum größer hätte sein können. Die Friseurin aus Dölsach ist mittlerweile wieder zurück in Osttirol. Was bleibt, ist weit mehr als eine Platzierung bei den WorldSkills in Shanghai. Denn mit gerade einmal 19 Jahren gehört Rainer bereits zur Elite ihres Berufs und hat sich als Österreichs einzige Friseurin bis auf die größte berufliche Bühne der Welt gearbeitet.
„Wenn man noch nie in China war, kann man sich die Dimensionen gar nicht vorstellen“, erzählt Rainer. Besonders beeindruckt hat sie der Blick auf die internationale Konkurrenz. Rund 1400 Teilnehmer aus aller Welt traten in Shanghai in 64 Berufen gegeneinander an. Vier Tage lang hieß es für Rainer schneiden, färben, stylen – und dabei möglichst keinen Fehler machen.

Mehr als nur ein Wettbewerb
„Man arbeitet mehr oder weniger vier Tage durch. Den Druck, den man da hat, erwartet man sich im Vorhinein nicht“, sagt sie. Nervös sei sie natürlich gewesen. In solchen Momenten versucht sie aber, sich wieder herunterzubringen und ruhig zu bleiben. Das dürfte ihr auch geholfen haben, denn Rainer ließ sich von der großen Bühne nicht aus der Ruhe bringen. Ihre Erwartungen an das Ergebnis waren ohnehin realistisch: „Ich habe gewusst, dass ich sehr starke Konkurrenz habe.“ Am Ende landete die Dölsacherin im Mittelfeld und blickt mit viel Stolz auf ihre Leistung.
Viel wichtiger als eine Zahl auf der Ergebnisliste ist für sie das, was sie während der monatelangen Vorbereitung und in Shanghai gelernt hat. Rainer: „Man lernt so viele verschiedene Techniken kennen, bekommt durch das Training und die Erfahrung viel mehr Selbstbewusstsein und merkt, dass man sich selbst etwas zutrauen kann.“ Auch abseits des Wettbewerbs hat die Reise Spuren hinterlassen. Drei Tage blieben für Sehenswürdigkeiten. Shanghai lernte Rainer gemeinsam mit dem österreichischen Team kennen, von der Stadt bis zu einer Einkaufsstraße. Und das ganz anders, als sie es sich vorgestellt hatte. „Es ist alles extrem riesig und ich habe mir gedacht, dass vielleicht öfter schönes Wetter ist. Aber es regnet irgendwie immer“, so Rainer weiter.
Ausruhen ist für sie keine Option
Zurück in Dölsach ist vom internationalen Trubel wenig übrig. Hier kennt man sie und spricht sie mittlerweile regelmäßig auf ihr Abenteuer an. „Jeden Tag mindestens drei, vier Mal“, sagt Rainer. Mit 19 Jahren zählt sie zu den besten jungen Friseurinnen der Welt – und trotzdem ist sie in ihrer Heimat die Bodenständige geblieben. Viel Aufsehen um ihre Leistung macht sie nicht. Am Friseurstuhl geht es schließlich nicht nur um sie, sondern um die Kundinnen und Kunden: „Ich darf mit Menschen arbeiten und kann ihr Selbstbewusstsein verändern. Innerhalb von Stunden kann ich ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Wie viel man aus meinem Beruf machen kann, ist für mich das Spannende.“
Und Stillstand ist ohnehin nicht geplant. Zunächst arbeitet Rainer weiter im Friseursalon Manuela in Lienz. Im kommenden Jahr möchte sie voraussichtlich bei den EuroSkills antreten. Danach soll der Meister folgen und schließlich der Schritt in die Selbstständigkeit. Die Weltmeisterschaft in China war für die 19-Jährige damit kein Endpunkt. Eher ein besonders großes Kapitel in einer noch jungen Laufbahn.