So schmeckt Oberkärnten: Eine Reise durch die Getränkewelt
Vom Bier bis zum Edelbrand: Zahlreiche Produzenten in den Bezirken Spittal und Hermagor setzen auf eigene Spezialitäten und regionale Zutaten.
Von hausgebrautem Bier über Fruchtsäfte bis zu Whisky, Rum und Edelbränden. In den Bezirken Spittal und Hermagor sitzen zahlreiche kleine Produzenten, die ihre eigenen Getränke herstellen. Dahinter stehen Menschen, die aus regionalen Rohstoffen, alten Rezepten und viel Experimentierfreude ihre ganz eigenen Spezialitäten machen.
Familientradition seit mehr als 90 Jahren
Seit 1934 gibt es Getränke Schober in Spittal an der Drau. Heute führt Jacqueline Schober den Familienbetrieb als Geschäftsführerin und Biersommelière. Neben dem Getränkehandel produziert das Unternehmen eigenes Sodawasser und Limonaden. Das Sortiment reicht von Säften, Mineralwasser und alkoholfreien Getränken über Bier und Wein bis zu Spirituosen, Schnäpsen und Edelbränden. Das Sodawasser wird bereits seit der Firmengründung hergestellt.
Sie setzten auf Saft und Quellwasser
In Gössering bei Millstatt produziert APO Fruchtsäfte. Das 1952 gegründete Familienunternehmen wird heute von den Brüdern Wolfgang und Alexander Unterlerchner in dritter Generation geführt. Zum Sortiment zählen Fruchtsäfte, Apfelsaft, Limonaden sowie Wellness- und Vitalgetränke. Dazu kommt Carinthia Wasser aus der firmeneigenen Quelle in den Nockbergen, das still, prickelnd und in verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich ist. Für den Apfelsaft verarbeitet APO unter anderem Äpfel aus Oberkärntner Obstgärten.

Bier direkt an der Lieser
In der Bogengasse in Spittal an der Drau wird im Lieserbräu Bier gebraut. Christoph Ertl, der auf 24 Jahre Berufserfahrung in Brauereien zurückblickt, gründete die Privatbrauerei vor sieben Jahren gemeinsam mit dem inzwischen verstorbenen Braumeister Gernot Linder. Heute wird das Lieserbräu mit einem Braustüberl mit Gastgarten direkt an der Lieser ergänzt. Unterstützt wird Ertl dabei unter anderem von seinem Sohn Raphael Feichter, der eine Kochlehre absolviert hat. Neben dem selbstgebrauten Bier gibt es herzhafte Jausen, Wildspezialitäten und Produkte regionaler Produzenten. Auch einen eigenen Leberkäse im Glas hat das Team entwickelt.
Bier aus dem Gailtal
In Mauthen bei Kötschach-Mauthen wird Bier dort gebraut, wo bereits der Urgroßvater von Alois Planner bis 1903 Bier herstellte. Die Biermanufaktur Loncium kehrte damit bewusst an den historischen Familienstandort zurück. Heute stehen Alois Planner und Klaus Feistritzer hinter der Brauerei: Feistritzer ist Diplombiersommelier und Brauer, Planner ist für die Biermanufaktur verantwortlich. Im 20-Hektoliter-Sudhaus entstehen rund 16 Biersorten ganzjährig, darunter Bio-Helles, Gailtaler Weisse, Austrian Amber Lager, Schwarze Gams, Royal Dark, Carinthipa, Juicy NEIPA und das alkoholfreie FreePA. Dazu kommen saisonale Spezialitäten. Die Brauerei setzt bewusst auf unterschiedliche Bierstile und entwickelt laufend neue Rezepturen. Führungen, Verkostungen und Brauseminare machen die Bierproduktion auch für Besucher erlebbar.
Hochprozentige Experimentierfreude
In Untertschern bei Bad Kleinkirchheim wird es hochprozentig: In seiner Destillerie verbindet der ehemalige Skirennläufer Wolfram Ortner traditionelle Brennkunst mit ungewöhnlichen Ideen. Neben dem Nock-Land Whisky und klassischen Destillaten entstehen Gin, Rum, Wodka und Kräuterbitter, aber auch Kaffee- und Zigarren-Destillate, Essenzen und die WOB Shots. Mit Kreationen wie Rum Mania, dem Kräuterbitter KGB oder im Barrique ausgebauten Spezialitäten lotet Ortner immer wieder neue Geschmacksrichtungen aus. Auch optisch geht der Brenner eigene Wege: Viele seiner Spirituosen werden in aufwendig gestalteten, handgefertigten Flaschen präsentiert.
Aus der Streuobstwiese ins Glas
Am Brandhof in Döbriach verbinden Heiner Burgstaller und Birgit Maier Landwirtschaft und Brennkunst. Auf der eigenen Streuobstwiese wachsen zahlreiche alte Obstsorten, die zu Most und Edelbränden verarbeitet werden. Für ihre Produkte wurde die Brennerei bereits mehrfach ausgezeichnet, darunter für den Maiwipfel-Brand und einen im Holzfass gereiften Apfelbrand. Zum Sortiment gehören außerdem Gin, Kräuterprodukte und Liköre. Der besondere Reiz des Brandhofs liegt in der Nähe zu den eigenen Rohstoffen und dem Zusammenspiel von traditioneller Landwirtschaft und neuen Ideen.

Der Granat kommt ins Glas
Mitten in Radenthein hat Nicolas Brugger mit LIQUET eine Destillerie aufgebaut, die eng mit der Geschichte der Granatstadt verbunden ist. Den Einstieg machte der Granat Dry Gin, der seinen Namen dem charakteristischen Mineral der Region verdankt. Der 43-prozentige Gin wurde von Falstaff mit 91 Punkten bewertet. Inzwischen umfasst das Sortiment weitere Destillate und Kreationen wie den Feldhase Dry Gin. Eine Besonderheit: Der Granat Gin wurde auch im Stollen des Granatiums gelagert. Verkostung und Ab-Hof-Verkauf gibt es direkt in der Destillerie in der Hauptstraße 51.

Bier aus der Nockregion
In Untertweng bei Radenthein braut Uli Bacher seit 2013 sein Shilling Bier. Die Brauerei ist an die Gartenrast angeschlossen und setzt auf Bier mit regionalem Bezug: Das Brauwasser stammt aus der Kirchergartenquelle am Priedröf, Hopfen und Malz kommen aus Österreich. Zum Sortiment gehören unter anderem Shilling Hell, Shilling Granat und Nock Ale, dazu kommen saisonale Spezialitäten. Bacher absolvierte die Braumeisterschule in München und entwickelte die kleine Brauerei zu einer festen Größe in der regionalen Bierszene. Besonders ist auch der Name: „Shilling“ ist an die traditionelle Bezeichnung schottischer Bierstile angelehnt.
Vom Bierkalender zur Kellerbrauerei
In Seeboden am Millstätter See braut Hannes Grasser seit 2017 eigene Spezialbiere: Hannes Bier. Seine Leidenschaft begann mit einem India Pale Ale und einem Bier-Adventkalender. Gemeinsam mit Brauer Erwin Zupancic kaufte er seine erste Anlage, heute wird im Keller seines Wohnhauses auf einer 80-Liter-Anlage gebraut. Zum Sortiment gehören unter anderem Schluck-Ale, HA-IPA, See-Bock, Hanness, Blondi und Himpa. Zwei seiner Biere wurden bei der Austrian Beer Challenge ausgezeichnet. Für Seebodner Gastronomen braut Grasser zudem eigene Hausbiere. Sein Etikett gestaltete sein verstorbener Vater, der Künstler Roland Grasser, mit Motiven von Salzkofel, Gmeineck und Millstätter See.
Noch viel mehr aus Oberkärntens Getränkewelt
Auch abseits dieser Betriebe gibt es in Oberkärnten einiges zu entdecken: Liane Adenberger in Seeboden brennt Schnäpse, Liköre, Whisky und Rum, aus Steinfeld kommt das OQUA-Quellwasser der Drautaler Quellenbetriebe. ANNO 1940 in Großkirchheim steht für regionale Schnäpse und Liköre, am Katschberg wird Katsch Beer gebraut und auch Bierix bereichert die heimische Bierszene. Sie alle tragen ihren Teil zur vielfältigen Getränkelandschaft Oberkärntens bei.