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Wirtshaussterben? Nicht bei Familie Seiger in St. Lorenzen

In St. Lorenzen bei Knittelfeld bewirtet die Familie Seiger seit 100 Jahren Gäste. Ein Blick auf die besondere Geschichte des Hauses.

Vier Generationen Seiger: Uroma Maria (Mitte) mit Raphael, Hilde, Rupert, Sonja, Miriam und Robert (von links) sowie Hund Sky
© KLZ / Bettina Reiter
Vier Generationen Seiger: Uroma Maria (Mitte) mit Raphael, Hilde, Rupert, Sonja, Miriam und Robert (von links) sowie Hund Sky
Bettina Reiter

Das Wirtshaussterben ist in aller Munde – aber es gibt sie doch noch, die steirischen Wirtshäuser mit langer Familientradition und den besten Zukunftsperspektiven. Das Restaurant und Gästehaus Seiger in St. Lorenzen bei Knittelfeld, direkt am Murradwanderweg gelegen, ist eines davon.

Bei strahlendem Oktobersonnenschein sitzen wir im gemütlichen Gastgarten und erfahren von Robert Seiger, dem Inhaber in vierter Generation, mit wie viel Leidenschaft und Enthusiasmus dieses Murtaler Restaurant in den letzten 100 Jahren von der Familie weiterentwickelt wurde.

1926 betrieben seine Urgroßeltern eine Landwirtschaft und Poststation, wo die Pferde gewechselt und Postangestellte bewirtet wurden. Früh verstarben die Vorfahren – und der minderjährige Sohn Rupert durfte den Besitz erst nach seiner Heirat übernehmen. So heiratete er seine Angestellte Maria, die sich heute im 91. Lebensjahr bester Gesundheit erfreut. Das blutjunge Paar trieb mit viel Fleiß und den hervorragenden Kochkünsten der inzwischen zweifachen Mama die erfolgreiche Wirtshausgeschichte voran.

Die erste Speisekarte

Ihr gemeinsamer Sohn Rupert (71) tat es den Eltern gleich, machte seine Lehre in der Gastronomie und lernte in Graz seine Herzdame kennen: Mit Hildegard Seiger baute er 1978 das Wirtshaus aus. Man stockte von 8 auf 16 Tische auf und es gab die erste Speisekarte. Das Geschäft florierte, bereits 1985 erfolgte die nächste Vergrößerung. Die heutige Urli Maria und ihre Schwiegertochter arbeiteten sieben Tage die Woche in der Küche, also ohne Ruhetag. Zugesperrt wurde lediglich, wenn die Feldarbeit angesagt war.

Die jugendliche Frische der fast 91-jährigen Maria Seiger ist unglaublich und „rührt vielleicht von der vielen Arbeit her“, wie sie selbst meint, aber die bewerkstelligte sie gerne und mit Herzblut. Ansteckend muss diese Lebensphilosophie jedenfalls sein, denn Robert Seiger, der aktuelle Inhaber des steirischen Familienunternehmens, tat es auch wieder seinen Vorfahren gleich.

Gut investiert

Nach der Koch-Kellner-Ausbildung im Schlosshotel Pichlarn und einigen Jahren auf Saison in Ischgl, Luzern, Wien und am Wörthersee kehrte er 2009 ins Murtal zurück. Mit Gattin Sonja, die er in Ischgl kennengelernt hatte, übernahm er 2012 das Wirtshaus und das seit dem Jahr 2000 bestehende Gästehaus. Im Frühling dieses Jahres tätigte der 45-Jährige eine enorme Investition und sanierte die Toiletten, das Gastzimmer und Extra-Stüberl. Bereits im Mai feierte man das 100-Jahr-Jubiläum.

Die nächste Seiger-Generation ist jetzt im Teenager-Alter und der 14-jährige Raphael liebäugelt mit der Gastronomie-Ausbildung. Bis zur nächsten Übergabe fließe aber noch ein wenig Wasser die Mur runter, schmunzelt der stolze Papa. Jetzt freue man sich, die Gäste aus der Region, die ihnen viele Jahre die Treue halten, mit Wildspezialitäten aus dem eigenen Wald zu verwöhnen, denn „abwechslungsreiche saisonale Küche ist eine Herzensangelegenheit“, wie Robert Seiger betont.

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