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Mittelkärntner Kartoffelbauern mit blauem Auge davongekommen

Der Sommer ist vorbei, die Folgen waren für die Landwirte teils verheerend. Ein Blick auf die heimischen Kartoffelproduzenten zeigt die Folgen des Hitzesommers.

Ein älterer Herr mit grauen Haaren steht neben einer großen Kiste voller Kartoffeln
© Wilfried Gebeneter
Berthold Pichler aus Kappel baut Biokartoffeln an

Vertrocknete Wiesen, ausgedörrte Felder und verdunstete Quellen prägten den heurigen Sommer. Teils massive Ernteausfälle, starker Futtermangel und eine schwere körperliche und psychische Belastung für die Landwirte waren die Folge. Wer, zumindest teilweise, mit einem blauen Auge davongekommen ist, waren die Kartoffelbauern.

Teilt man Mittelkärnten auf, so gibt es im Bezirk St. Veit eine Speisekartoffelanbaufläche von 134 Hektar, 13 davon Bio. In Feldkirchen wird auf 16 Hektar, davon drei Hektar biologisch, angebaut. In Kärnten werden auf rund 500 Hektar Kartoffeln angebaut, davon etwa 80 Hektar im biologischen Anbau. Zum Vergleich: in Niederösterreich sind es zirka 20.000 Hektar. „Es haben alle Defizite aufgrund der Niederschlags- und Wasserdefizite eingefahren. Die Qualität ist aber gut“, erklärt Erich Roscher, Pflanzenbaudirektor der Landwirtschaftskammer Kärnten. Konkret werde in ganz Kärnten „mit bis zu 20 bis 30 Prozent weniger Ernte gerechnet“. Gerade für kleinere landwirtschaftliche Betriebe sei der Kartoffelanbau ein wichtiges wirtschaftliches Standbein. Bei schlechteren Böden könne der Verlust höher ausfallen. Vereinzelt wird auch von Problemen mit dem Drahtwurm berichtet, die ebenfalls zu Ernteausfällen geführt hätten.

Erich Roscher, Pflanzenbaudirektor der Landwirtschaftskammer Kärnten
© Markus Traussnig
Erich Roscher, Pflanzenbaudirektor der Landwirtschaftskammer Kärnten

Berthold Pichler vom Biohof Pichler ist Kartoffelbauer aus Kappel am Krappfeld. Seine Familie baut auf 7,5 Hektar Biokartoffeln an. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Es war zum Glück nicht so drastisch, wie wir vermutet haben“, sagt Pichler. Man sei zwar unter dem gewohnten Ernteniveau, es sei aber kein „existenzbedrohender Einschnitt“. Bis zu 35 Tonnen werden in einem normalen Jahr pro Hektar geerntet – heuer waren es rund 28 Tonnen. „Schuld war die Kombination. Die Feuchtigkeit hat gefehlt und die Hitzetage waren nicht förderlich.“

Was dem Landwirt besonders auffällt: „In den letzten Jahren weht immer mehr Wind. Sowas sind wir nicht gewöhnt und das macht uns zusätzlich Sorgen.“ Durch den Wind trockne die wenige Feuchtigkeit, wenn sie zu Boden fällt, noch schneller aus.

„Dürfen uns nicht beschweren“

In St. Ulrich bei Feldkirchen befindet sich der Hof von Barbara Rauter. Angebaut wird auf zwei Hektar. „Wir dürfen uns nicht beschweren – die Ernte war nicht schlecht“, sagt sie. Das, obwohl sie vor einigen Wochen noch Schlimmeres ahnte. „Wir ahnten Schlimmes, doch es war keine schlechte Ernte. Wir haben auch tiefe Böden. Bei Schotterboden hingegen sind die Kartoffeln kleiner. Man sieht also, dass es bodenbedingt ist“, erklärt die Feldkirchnerin. Zusätzlich zu den tiefen Böden wurde auch recht früh angesetzt. Somit konnten die Knollen wachsen, ehe die Trockenheit über das Land fegte.

Wir brauchen keine Zuschüsse. Die Produkte sollten lieber fair und angemessen bezahlt werden.

— Franz Schaller-Anderwald, Kartoffelbauer

Einer von Kärntens Großproduzenten ist Franz Schaller-Anderwald. Seine Schaller-Anderwald KG mit Sitz in Mühlboden bewirtschaftet rund 180 Hektar in mehreren Kärntner Bezirken – darunter auch St. Veit. „Ganz ohne ist es auch bei uns nicht vorbeigegangen“, sagt der Großproduzent. Die Ernte fiel um rund 30 Prozent weniger aus, zirka 25 weitere Prozent wiesen Schäden, wie etwa Wachstumsrisse, auf. Doch nicht die Schäden oder die Ernteausfälle sind es, die Schaller-Anderwald beklagt. „Wir brauchen keine Zuschüsse. Die Produkte sollten lieber fair und angemessen bezahlt werden. Das ist leider überall das Gleiche.“