Suche
Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Kärntner Traditionsgasthof verabschiedet sich mit Afrika-Party

40 Jahre war Walter Scheiber der „Kreuzwirt“, doch nun ist Schluss. Am 17. Oktober schließt er für immer. Davor gibt es noch eine Afrika-Party für den guten Zweck.

Ein älteres Paar steht in einem großen Speisesaal eines ländlichen Gasthauses.
© KLZ / Dorian Wiedergut
Heidi und Walter Scheiber schließen ihren Kreuzwirt
Dorian Wiedergut
Redakteur Regionalredaktion St. Veit/Feldkirchen

Die kleine Ortschaft St. Ulrich, drei Kilometer nördlich von Feldkirchen, wird bald auf eine wichtige soziale Säule verzichten müssen. Der Kreuzwirt wird sein Lokal zum letzten Mal am 17. Oktober für seine Gäste öffnen.

„Wir haben Firmung in St. Ulrich und ich glaube, dies ist ein guter symbolischer Anlass für den Rückzug ins Privatleben, nachdem sich meine Familie seit vier Generationen maßgeblich am sozialen Leben in St. Ulrich beteiligt hat“, sagt Kreuzwirt Walter Scheiber. Sein Urgroßvater Alois Scheiber war seinerzeit der Gründer der St. Ulricher Feuerwehr und finanzierte den Bau des Rüsthauses. Der Urenkel selbst war auch 37 Jahre bei der Feuerwehr. „Mehrere Perioden hatte ich auch die Ehre, beim Pfarrgemeinderat unter Pfarrer Engelbert Hofer zu arbeiten“, erinnert sich Scheiber und ergänzt: „Die Kirche war damals immer voll und auch das übrige gesellschaftliche Leben im Dorf hat bestens funktioniert.“

Der Kreuzwirt in St. Ulrich schließt am 17. Oktober
© KLZ / Dorian Wiedergut
Der Kreuzwirt in St. Ulrich schließt am 17. Oktober

Jetzt sieht er mit Bedauern eine immer stärker werdende Veränderung in der Gesellschaft, verursacht zum größten Teil durch die sozialen Medien. „Ein Zusammensitzen und Reden, wie es früher üblich war, kennen die Jungen nicht mehr. Das Gesellschaftsleben wird kurzatmig und oberflächlich und alle folgen sofort den Impulsen, die das Handy vorgibt.“ Früher wurde im Gasthaus diskutiert und viele Missverständnisse wurden aufgeklärt. Da war der Wirt dann geduldiger Zuhörer, Ratgeber und Schlichter, oft bis in die frühen Morgenstunden. „Diese prosoziale Rolle ist nicht mehr gefragt, damit verliert das Gasthaus auch seine Aufgabe als Ort des Ausredens und des Versöhnens. Vielleicht ist das politisch auch nicht mehr erwünscht. Auf jeden Fall zeigen die vielen Kebabläden und McDonald’s, wohin die gastronomische Reise in Zukunft führt“, klagt der Wirt. 

Außerdem sind ständiger Personalmangel, Kostensteigerungen, vor allem im Energiesektor, und der hohe persönliche Arbeitseinsatz auch wesentliche Argumente zur Schließung. „Gastronomie ist oft wie Spitzensport und ab einem gewissen Alter wird es einfach mühsamer. Als ich das Gasthaus vor vierzig Jahren von meinen Eltern übernommen habe, war das Dorf noch ein richtiges Feriendorf.“ Häuser stellten den Gästen aus Deutschland und den Niederlanden Zimmer zur Verfügung. „Die Kinder verbrachten die Ferienmonate dann am Dachboden oder im elterlichen Schlafzimmer. Mit dem Rückgang des Tourismus musste ich mich dann betrieblich neu aufstellen.“

Alois Scheiber gründete die St. Ulricher Feuerwehr
© Helmuth Weichselbraun
Alois Scheiber gründete die St. Ulricher Feuerwehr

Er erweiterte sein Speiseangebot auf italienische Spezialitäten, vor allem Pizza. „Die traditionelle österreichische Küche wurde aber nie vernachlässigt.“ Die Jugend und alle Junggebliebenen fanden bei der legendären Kreuzwirt-Disco ein Zuhause. „Das Dorf platzte freitags immer aus allen Nähten beim Andrang der Tanzwütigen. Wir waren eine große Disco-Familie und es hat nie Probleme gegeben, die ich nicht selbst lösen konnte“, erinnert sich der Kreuzwirt. Die Discojugend von früher kommt jetzt mit ihren Enkeln zum Kreuzwirt auf eine Pizza.

Das Dorf platzte freitags immer aus allen Nähten beim Andrang der Tanzwütigen.

— Walter Scheiber, Kreuzwirt

Zum Abschluss möchte sich der Kreuzwirt bei all seinen Gästen für die jahrzehntelange Treue und Freundschaft bedanken und fügt hinzu: „Ohne meine fleißige Frau Heidi hätte ich das nie geschafft. Sie war für die innere Ordnung der betrieblichen Abläufe verantwortlich. Ich war dafür Außenminister und Geschichtenerzähler.“

Kongo-Kärnten-Fest

Fehlen wird im St. Ulricher Kulturleben bestimmt die Freitags-Sommerkonzertreihe im Juli und August, bei der immer Musik aus allen Genres geboten wurde. „Diesen Sommer spielten alle Bands unter dem Motto ‚Musik für Mabiala‘ und stellten ihre Gagen unserem Freund und Pfarrer Dieudonné Mavudila-Bunda und seinem Dorf im Kongo für die Errichtung einer Wasserversorgung zur Verfügung“, berichtet der Kreuzwirt. Als kleines Dankeschön an die Bands findet deshalb am Samstag, 3. Oktober, ein KoKä-Fest (Kongo-Kärnten Fest) statt.

„Wir beginnen um 10.30 Uhr mit einer Heiligen Messe in unserer Kirche und setzen anschließend die Feier im Kreuzwirt-Innenhof fort.“ Angeboten wird eine typische Spezialität aus dem Kongo und Kärntner Ritschert. „Daneben gibt es noch einen Basar und natürlich Multikultimusik. Ich habe keine Ahnung, was da auf mich zukommt, aber es wird sicher spannend“, meint er mit einem Lächeln abschließend.