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38,5 Grad und bis zu 52 Tropentage: Das war der Grazer Sommer 2026

Was wir alle wochenlang gespürt haben, nun in Zahlen: die Bilanz zum Hitzesommer in Graz. Wie hoch die Anzeige am Thermometer geklettert ist, wie viele Tropennächte uns quälten, wie es ums Grundwasser steht.

Frei nach Rainhard Fendrich war die Hitze der Stadt „im Sommer brutal”
© Przemyslaw Iciak
Frei nach Rainhard Fendrich war die Hitze der Stadt „im Sommer brutal”
Michael Saria
Redakteur Steiermark-Ressort | Graz

Es ist quasi das Abbilden unserer Schweißtropfen in Zahlen, also die Statistik zu den vielen schlaflosen Nächten: Was wir alle heuer im Sommer wochenlang gespürt haben, lässt sich nun auf Punkt und Komma und Balkengrafik genau belegen – die Bilanz zu diesem Hitzesommer 2026. Auf Anfrage der Kleinen Zeitung haben Friedrich Wölfelmaier, Meteorologe bei der „Geosphere Austria”, und Sebastian Wiesmair, Grundwasser-Experte beim Land Steiermark, die Monate von Juni bis Ende August ausgewertet. Das blieb vom Sommer 2026 übrig:

Temperaturen: 38,5 Grad war die höchste heuer in Graz gemessene Temperatur, aufgezeichnet am 4. August bei der Messstation in Straßgang. Damit musste sich die Landeshauptstadt im „Wettrennen“ um die heißeste Stadt des Bundeslandes nur knapp geschlagen geben: Fürstenfeld und Leibnitz belegten mit jeweils 38,6 Grad ex aequo den ersten Platz. So schweißtreibend es auch war – ein neuer Rekordwert für Graz ist es nicht geworden: Dieser liegt nach wie vor bei 38,9 Grad aus dem Jahr 2013.

Tropentage: So werden Tage bezeichnet, die eine Temperatur von 30 Grad oder mehr mit sich bringen. Und davon gab es heuer reichlich in Graz – wenn auch mit großen Unterschieden je nach Standort: So wurden bei der Messstelle auf dem ziemlich „versiegelten” Lendplatz 52 Tropentage gemessen, rund um die Grazer Uni waren es 45.

Tropennächte: Wenn man sich vor lauter Hitze auch im Bett schlaflos hin und her wälzt, sprechen Meteorologen von „Tropennächten” – weil es nicht kühler als 20 Grad wird. Auch in diesem Punkt werden lokale Unterschiede deutlich: Während beim Grazer Lendplatz 28 solcher Tropennächte verzeichnet wurden (im Vorjahr waren es 18), waren es bei der Uni neun. Zweigeteilt zeigte sich auch das Grazer Umland: Während die Bewohner in Laßnitzhöhe in 16 Nächten völlig verschwitzt Schafe zählten (im Vorjahr „nur“ sieben Mal), war es in St. Radegund heuer „nur“ an fünf Nächten nicht kühler als 20 Grad.

Friedrich Wölfelmaier ist Meteorologe bei der „Geosphere Austria“
© KLZ/Jürgen Fuchs
Friedrich Wölfelmaier ist Meteorologe bei der „Geosphere Austria“

Niederschlag: Im Großraum Graz war es heuer im Sommer deutlich trockener als in den vergangenen Jahrzehnten. So fielen zwischen Juni und Ende August in Graz exakt 277 Liter pro Quadratmeter vom Himmel – im langjährigen Mittel (1991 bis 2020) waren es jedoch 371 Liter. Noch markanter ist der Unterschied in St. Radegund am Fuße des Schöckls: Während es bislang im Mittel 431 Liter pro Quadratmeter waren, kamen heuer im Sommer nur 278 Liter an Niederschlag zusammen.

Fazit: Heißt all das nun, dass wir uns ab sofort auf derartige Hitzesommer einstellen müssen – und die Sonne in jedem Jahr noch ein paar Grad draufpackt? Schwer zu sagen, schickt Meteorologe Friedrich Wölfelmaier voraus. „Dass es in unseren Breiten wärmer wird, ist jedenfalls unbestritten.“ Ob aber auch der Niederschlag weiter und weiter zur Mangelware wird, lasse sich seriöserweise nicht vorhersagen – doch eine Prognose stimme schon nachdenklich, so Wölfelmaier: „Angesichts der zunehmenden Wärme wird die Verdunstung steigen und damit die Trockenheit am Boden, es wird weniger Bodenfeuchte geben. Ein Umstand, der für viele Pflanzen und damit auch für die Landwirtschaft bestimmt zur Herausforderung wird.“

Sebastian Wiesmair ist Landesexperte in Sachen Grundwasser
© Privat
Sebastian Wiesmair ist Landesexperte in Sachen Grundwasser

Grundwasser: Nein, wir sitzen nach diesem Hitzesommer 2026 nicht quasi auf dem Trockenen, kann Sebastian Wiesmair gleich einmal vorausschicken: „Im Großraum Graz sind wir noch halbwegs gut davongekommen, ganz im Gegensatz zum Murtal oder dem Ennstal“, so der Referent beim Land Steiermark. Denn nach einem vergleichsweise feuchten Winter seien die Grundwasserwerte in Graz und den Umlandgemeinden heuer im Frühjahr „nur“ knapp unter dem langjährigen Mittel gestartet – um anschließend im Laufe dieses Sommers halbwegs gut die Stellung zu halten. Wiesmair: „Erst in den letzten Wochen des Sommers haben wir uns im Großraum Graz langsam in Richtung Minima bewegt. In den Monaten davor haben die Niederschläge Ende Februar und dann noch einmal im Juni trotz allem geholfen.“

Wenn also weniger Niederschlag fällt, sickert weniger Wasser in tiefe Bodenschichten ein – in Kombination mit der höheren Verdunstung werden so die „Grundwasserspeicher“ schlechter gefüllt. Dabei ließ etwa die Holding Graz wiederholt wissen: „Graz deckt seinen Wasserbedarf ausschließlich aus Grundwasser aus zwei Millionen Jahre alten Schotterfüllungen. Das Grazer Leitungswasser, wohlbehütet in Schutz- und Schongebieten, kommt zum Großteil aus den Wasserwerken Friesach, Andritz und Feldkirchen und zu 30 Prozent aus dem südlichen Hochschwabgebiet.“ Und dennoch: Sowohl seitens der Holding als auch seitens des Landes Steiermark betont man, dass die Trinkwasserversorgung aktuell gesichert sei.

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