Jobs für Ältere: Neos gegen Bonus-Malus-System für Unternehmen
Laut Neos-Sozialsprecher Gasser sind oft gesundheitliche Einschränkungen der Grund, warum Ältere arbeitslos bleiben. Er fordert individuelle Unterstützung und eine „Teilarbeitsfähigkeit“.

Wer Ende 50 seinen Job verliert, hat oft Schwierigkeiten, wieder Beschäftigung zu finden. Sie kenne vor allem Frauen, die würden aus Sorge vor Diskriminierung ihr Alter im Lebenslauf aussparen, hatte ÖVP-Senioren-Präsidentin Ingrid Korosec Anfang September kritisiert. Korosec und Birgit Gerstorfer, Präsidentin des SPÖ-nahen Seniorenbundes, sehen die Unternehmen in der Pflicht, vermehrt Ältere anzustellen. Als Option schwebt den beiden ein Bonus-Malus-System vor: Betriebe, die ausreichend Menschen über 60 beschäftigen, könnten etwa für alle Angestellten geringere Sozialversicherungsbeiträge entrichten, wer unterhalb der Schwelle liegt, müsste mehr zahlen. Ein ähnlicher Vorstoß war davor bereits von Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) gekommen.
Strikt gegen ein solches System sind die Neos. Tatsächlich würden Ältere, die ihren Job verlieren, oft in die Langzeitarbeitslosigkeit rutschen, sagte Sozialsprecher Johannes Gasser bei einem Pressegespräch am Dienstag. Doch einer der entscheidenden Gründe dafür seien gesundheitliche Einschränkungen vieler älterer Arbeitssuchenden. Es sei deshalb „nicht das Ziel, dass wir Unternehmen bestrafen, sondern dass wir als Politik unsere Hausaufgaben machen“.
Zu krank zum Arbeiten, zu gesund für die Pension
Konkret fordert Gasser, dass bei Menschen in einem Langzeitkrankenstand künftig ein „Case-Management“ zum Tragen kommt – also Betroffene individuell bei der gesundheitlichen und beruflichen Rehabilitation unterstützt werden sollen. Idealerweise würde dieses bereits zum Tragen kommen, noch bevor jemand überhaupt arbeitslos wird.
Ansetzen möchte Gasser damit auch bei jener Gruppe, „die zu krank zum Arbeiten ist, aber zu gesund, um in Pension zu gehen“. Diese Menschen würden heute oft zwischen Krankenkassen, Pensionsversicherungsanstalt und AMS hin- und hergeschickt werden, einmal Reha-Geld und dann wieder Arbeitslosengeld beziehen und häufig nicht mehr im Arbeitsmarkt Fuß fassen können, bemängelt Gasser. Er will deshalb eine „Teilarbeitsfähigkeit“ schaffen: Die Betroffenen sollen in einem bestimmten Ausmaß arbeiten und dafür ein Gehalt bekommen, darüber hinaus eine Form von Unterstützung beziehen. Wie genau diese aussehen soll, müsse erst ausgearbeitet werden. Die Teilarbeitsfähigkeit sei auch im Regierungsprogramm verankert, betonte Gasser, im Gegensatz zu einem Bonus-Malus-System für Unternehmen.
Das letzte Wort dürfte in Sachen Bonus-Malus-System aber nicht gesprochen sein. Die Seniorenvertreterinnen haben das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) beauftragt, ein Anreizsystem für die Beschäftigung Älterer auszuarbeiten. Bis Jahresende soll ein Ergebnis vorliegen.