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Ältere Arbeitslose: Seniorenrat sieht Unternehmen in der Pflicht

Mit der laufenden Erhöhung des Pensionsalters steigt auch die Zahl älterer arbeitsloser Frauen. Ingrid Korosec und Birgit Gerstorfer fordern Anreize für Unternehmen, Menschen über 60 zu beschäftigen.

Die Vorsitzende des Pensionistenverbands, Birgit Gerstorfer, und Seniorenbund-Obfrau Ingrid Korosec
© APA / Hans Klaus Techt
Die Vorsitzende des Pensionistenverbands, Birgit Gerstorfer, und Seniorenbund-Obfrau Ingrid Korosec
Vilja Schiretz
Innenpolitik

Sie wisse von Frauen, die würden aus Angst vor Diskriminierung bei Bewerbungen ihr Geburtsdatum aussparen, sagt Ingrid Korosec, Präsidentin des ÖVP-Seniorenbundes. Wer mit über 60 seinen Job verliere, habe kaum Chancen auf einen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt, bemängeln Korosec und Birgit Gerstorfer, Präsidentin des SPÖ-nahen Pensionistenverbandes, am Freitag bei einem gemeinsamen Pressetermin. Ihren Blick haben die beiden Seniorenvertreterinnen dabei vor allem auf Frauen gerichtet – immerhin wird deren gesetzliches Pensionsantrittsalter aktuell in Halbjahresschritten dem der Männer angeglichen. Ab 2033 soll es für alle 65 Jahre betragen. Um die Chancen dieser Altersgruppe auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen, sehen Korosec und Gerstorfer die Unternehmen in der Pflicht.

Aktuell zeigt sich, dass mit der schrittweisen Anhebung des Antrittsalters auch jeweils die Beschäftigungsquote der Frauen in der betroffenen Altersgruppe deutlich ansteigt. So hat sich die Zahl der 60-jährigen Frauen, die unselbstständig beschäftigt sind, seit Anfang 2024 von unter 20.000 auf rund 45.000 erhöht. Doch gleichzeitig steigt mit jeder Anhebung auch die Arbeitslosigkeit in der jeweiligen Gruppe und bleibt so lange deutlich erhöht, bis der Jahrgang schließlich in Pension gehen kann. Der Effekt betraf 2024 vor allem die 60-jährigen, 2025 die 61-jährigen Frauen.

Mayrhuber sieht Verantwortung bei den Unternehmen

In der Debatte um längeres Arbeiten sei in den vergangenen Jahrzehnten vor allem auf die Versicherten abgezielt worden, etwa durch Abschläge bei einem früheren Pensionsantritt, sagt am Freitag Christine Mayrhuber, stellvertretende Direktorin des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) und Vorsitzende der Alterssicherungskommission. Nun müsse man die Unternehmen, die häufig wenig Personen über 60 beschäftigen, als „zweite Schiene“ in die Pflicht nehmen. „Ein Zug, der nur auf einer Schiene fährt, ist kein Verkehrsmittel, sondern ein Unfall auf Zeit“, sagt die Ökonomin. Der Seniorenrat hat das Wifo mit der Ausarbeitung eines Systems beauftragt, das Anreize für die Beschäftigung Älterer bieten soll.

Vorstellen kann sich Mayrhuber, dass Unternehmen, die einen gewissen Anteil an Älteren beschäftigen, künftig für alle Beschäftigten geringere Sozialversicherungsbeiträge entrichten müssen. Damit das Modell „aufkommensneutral“ ist, also am Ende dieselbe Summe an Beiträgen zusammenkommt, müssten Unternehmen mit zu wenig älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern höhere Sozialversicherungsbeiträge bezahlen. Denkbar sind für Mayrhuber unterschiedliche Regelungen je nach Branche. Ein fertiges Modell soll bis zum Jahresende vorliegen.

Korosec und Gerstorfer begrüßen geplanten Steuerfreibetrag

Keinen Widerspruch sehen Korosec und Gerstorfer zwischen steigenden Arbeitslosenzahlen und der geplanten Begünstigung für Arbeit jenseits des gesetzlichen Pensionsantrittsalters. Ein entsprechender steuerlicher Freibetrag von jährlich 15.000 Euro passierte kürzlich den Sozialausschuss im Nationalrat. Sie erwarte kaum, dass Menschen neben der Pension an ihrem bisherigen Arbeitsplatz weiterarbeiten würden, sagt Korosec. Eher würden Pensionistinnen und Pensionisten neue Nebenbeschäftigungen mit geringerem Stundenausmaß aufnehmen. Solche zusätzlichen Einkünfte seien gerade für Menschen mit niedrigen Pensionen bedeutend, betont Gerstorfer.