ÖFB-Rotation: 24 Spieler, zwei Spiele – und kein Ende
Dass Ralf Rangnick in bisherigen Nations-League-Partien seine Kaderbreite ausgenutzt hat, ist Fakt. Dennoch wird noch die eine oder andere zusätzliche Kraft zum Einsatz kommen.
Eine allzu gewagte Prognose wäre die Mutmaßung, dass sich Österreich am Donnerstag in Irland (20.45 Uhr, ORF1 live) mit einer an einigen Positionen veränderten Startelf präsentieren wird, ohnehin nicht gewesen. Dass Ralf Rangnick gewillt ist, nun noch kompromissloser auf Rotation zu setzen und somit mit einer möglichst frischen Mannschaft anzutreten, ist inzwischen bestens dokumentiert.
Für Dublin wurde ihm in zwei Fällen die Entscheidung aus medizinischen Gründen abgenommen, da Paul Wanner und Nikolas Veratschnig verletzungsbedingt ausfallen und vorzeitig zu ihren Klubs zurückkehren. Eindhoven-Profi Wanner laboriert an einer Blessur der linken Fußsohle, der Kärntner Salzburg-Kicker Veratschnig hat sich bei seinem ersten Länderspiel am rechten Knie verletzt.
Nur ein Feldspieler wartet noch
Außerdem verstärkt Tormann Christian Zawieschitzky wie vereinbart das U21-Nationalteam. Rangnick möchte sich noch nicht festlegen, ob er den Lehrgang letztlich auf alle vier Torhüter aufteilt. In Irland spricht jedoch einiges dafür, dass Florian Wiegele oder Lukas Jungwirth von Beginn an auflaufen. Die beiden Schlussmänner sind neben Neuling Felix Bacher die einzigen Kadermitglieder, die bei den beiden 3:1-Erfolgen gegen Israel und den Kosovo gar nicht zum Einsatz gekommen sind.
Die Minutenverteilung gegen Israel und den Kosovo:
Spieler - Einsatzminuten
Xaver Schlager - 180
Kevin Danso - 180
Nicolas Seiwald - 163
Patrick Wimmer - 163
Romano Schmid - 140
Paul Wanner - 113
Alexander Schlager - 90
Christian Zawieschitzky - 90
Stefan Posch - 90
Philipp Lienhart - 90
Phillipp Mwene - 90
David Affengruber 90
Sasa Kalajdzic - 86
Nikolas Veratschnig - 79
Junior Adamu - 58
Maximilian Wöber - 58
Marco Grüll - 45
Carney Chukwuemeka - 40
Michael Gregoritsch - 36
Alexander Prass - 32
Vasilije Markovic - 22
Sascha Horvath - 17
Christoph Lang - 17
Marco Friedl - 10
Auch der Lyon-Legionär scheint gute Chancen zu haben, dass sich dies noch ändert. Der Innenverteidiger habe im Training jedenfalls einen guten Eindruck hinterlassen, betont Rangnick und fügt selbstironisch hinzu: „Ich hoffe, dass er in den nächsten zwei Spielen vom Trainer die Möglichkeit bekommt.“
Neu im Aufgebot ist mit Konrad Laimer ein verdienter Leistungsträger, dessen Muskelfaserriss im Adduktorenbereich auskuriert ist. Der Bayern-Kicker fühlt sich „voll fit“, ein Einsatz über 90 Minuten in Dublin erscheint dennoch noch unrealistisch. „Aber ich bin im Kader und hoffe natürlich, dass ein paar Minuten rausspringen“, betont Laimer.
Konkret besagt die Statistik, dass in den bisherigen zwei Partien dieses Lehrgangs bereits 24 Spieler Minuten gesammelt haben. Durchgespielt haben mit den beiden Premier-League-Vertretern Xaver Schlager und Kevin Danso nur zwei Akteure, wobei sich bei Letzterem die Frage einer Schonung im Aviva Stadium gar nicht stellt, da der Innenverteidiger gelbgesperrt fehlt.
Bei Schlager wiederum wäre ein etwaiger freiwilliger Verzicht ausschließlich mit Belastungssteuerung erklärbar, denn leistungstechnisch präsentierte sich der Mittelfeld-Motor nach seinem Wechsel zu Nottingham wieder in jener Normalform, in der er für das Nationalteam kaum verzichtbar ist. „Er war schon gegen Israel gut, aber gegen den Kosovo hat er noch mal einen draufgesetzt. Das ist der Xaver, den wir brauchen. So hätten wir ihn natürlich auch bei der WM gebraucht“, verdeutlicht der Teamchef, der bei seiner WM-Analyse den seit Montag 29-Jährigen als Beispiel für jene Kräfte nannte, die in Nordamerika nicht in körperlicher Topverfassung waren.
Bei aller Fantasie, die ich habe, ob wir tatsächlich 44 Spieler sinnvoll einladen könnten, weiß ich nicht.
— Ralf Rangnick
„Das Wort Umbruch gefällt mir als Sprachwissenschaftler nicht besonders, es ist kein schönes Wort“, doziert Rangnick, „außerdem ist es doch klar, wenn so viele Spieler, die bei der WM dabei waren und teilweise in der Startelf standen, nicht da sind, dass dafür andere spielen.“ Außerdem würde er nicht so weit gehen wie sein Amtskollege Jürgen Klopp, der seinen Kader für den Einstand als deutscher Chefcoach auf 44 Spieler aufgeteilt hat. „Bei aller Fantasie, die ich habe, ob wir tatsächlich 44 Spieler sinnvoll einladen könnten, weiß ich nicht“, so Rangnick.
Darüber, ob die ÖFB-Adaption tatsächlich als Umbruch durchgeht, lässt sich streiten, im Hinblick auf die EM-Qualifikation und (hoffentlich) die EM 2028 selbst, wird es jedoch spannend zu beobachten, wie sich das Rotationsprinzip entwickelt.
