So möchte Weiz drei bis vier Millionen Euro pro Jahr einsparen
Die Stadtgemeinde Weiz präsentierte ihren Stärkungsprozess: Zahlreiche Bereiche wurden unter die Lupe genommen. Man möchte effizienter werden, mehr einnehmen, weniger ausgeben, mehr zusammenarbeiten. Personal wird nicht abgebaut, Einrichtungen werden nicht geschlossen.
„Unser Ziel ist es, drei bis vier Millionen Euro pro Jahr einzusparen. Wir müssen etwas tun, damit unser Budget nachhaltig gesichert ist“, erklärt Bürgermeisterin Bettina Bauernhofer. In Weiz wurde vor einem halben Jahr ein „Stärkungsprozess“ mit der Beratungsagentur „BDO“ von Peter Pilz gestartet. Montag wurden die Ergebnisse dem Gemeinderat präsentiert, Dienstag der Presse.
Mit den rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtgemeinde sowie Blicken von außen war fast jeder Stein umgedreht worden: Wo kann gespart werden? Wo kann man effizienter arbeiten? Wo versickert viel Geld (im wahrsten Sinn des Wortes)? Soll man Gebühren anheben, Nachbargemeinden stärker in die Pflicht nehmen, weniger oder vielleicht auch mehr Leistungen anbieten? Was braucht die Stadt, was nicht? Alle Einheiten, etwa Stadtservice, Wirtschaftshof, Innovationszentrum und Musikschule, wurden unter die Lupe genommen. Es gab keine Denkverbote, aber viele Ideen
Weiz wird also sparen. 448 Tätigkeiten und 50 Prozesse wurden analysiert. 156 Maßnahmen wurden am Montag im Gemeinderat schließlich von einer großen Mehrheit beschlossen. Ein klares Bekenntnis vorweg: „Es wird niemand gekündigt“, verspricht Bürgermeisterin Bettina Bauernhofer. Man werde sich aber ansehen, welche Stelle wo nachbesetzt wird. Und darauf achten, dass kein Wissen verloren geht. Rund 160 Angestellte sind derzeit 50 Jahre und älter.
Aber wo sollen in der Stadt, die heuer Einnahmen und Ausgaben von rund 70 Millionen Euro hat, nun pro Jahr drei bis vier Millionen Euro eingespart werden? Und wie soll die freie Finanzspitze von derzeit dreieinhalb Millionen Euro auf sieben Millionen verdoppelt werden? Vorweg: Die vollen Einsparungen werden nicht sofort schlagend, sondern erst ab dem Jahr 2031. Schritt um Schritt werden nun Maßnahmen ausgearbeitet und umgesetzt.
Viele Verluste beim Wasser
Ein großer Brocken ist etwa die Wasserwirtschaft: Bis zu 1,5 Millionen Euro könnten langfristig eingespart werden. „Wir haben im Leitungsnetz jährlich Verluste von 25 bis 30 Prozent“, sagt Vizebürgermeister Gerd Holzer. Wassergebühren könnten leicht angehoben werden, weitere Quellen angezapft werden. Zudem könnten die Wasserzähler erneuert werden. In der Verwaltung sollen händische Arbeiten digitalisiert werden, ohne dass Leistungen für die Bürger eingeschränkt werden. Das Einsparungspotenzial: 200.000 Euro. Die Müllentsorgung könnte optimiert werden.
Die Kosten für die Musikschule sollen mit dem Umlandgemeinden fairer aufgeteilt werden (Einsparungen: 100.000 Euro pro Jahr). Eine Botschaft an andere Gemeinden: „Wir werden noch mehr zusammenarbeiten“, verspricht die Bürgermeisterin. So hofft man in der Stadtgemeinde ja auf ein neues, großes Abfallsammelzentrum für den Zentralraum. „Es gibt Gespräche mit den Umlandbürgermeistern“, so die Stadtchefin. Fusionen seien kein Thema, sehr wohl aber stärkeren Kooperationen.
Der Prozess begann im März. 20 Prozent des Weges sind geschafft. Das ist die schlechte Nachricht, denn 80 Prozent stehen noch bevor.
— Peter Pilz, Steuer- und Strategieberater BDO Österreich
Förderungen (etwa für Photovoltaikanlagen) werden hinterfragt. Umgekehrt möchte man mehr EU-Gelder in die Stadt holen. „Das gelingt uns derzeit nicht so gut“, ist Finanzreferent Roman Neubauer kritisch. Zudem überlegt man in der Stadtgemeinde, ob man mit zusätzlichen Dienstleistungen Geld verdienen kann.
Für den Berater Peter Pilz gibt es klare „Nicht-Ziele“: „Weiz wird keine Grundstücke verkaufen, um damit den Haushalt zu stabilisieren. Es wird keine pauschalen Kürzungen und keine isolierten Betrachtungen geben." Zudem sollen keine Einrichtungen geschlossen werden.
Kein Investitionsstopp
Und die Gemeindeverantwortlichen betonen ausdrücklich, dass es auch keinen Investitionsstopp gibt: Der Ausbau des Krottendorfer Kindergartens kostet rund vier Millionen Euro, bei der Kläranlage sollen mehr als zehn Millionen Euro investiert werden. „Und es schwebt immer ein Neubau der Offenburger-Schule über uns. Da müssten wir 50 Millionen Euro in die Hand nehmen“, betont Bürgermeisterin Bauernhofer. Nachsatz: „Wir wollen eine lebenswerte Stadt und ein attraktiver Arbeitgeber bleiben.“
