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Warum Kärntens Milchkühe mehr Bewegungsfreiheit haben

Veraltete Anbindehaltung wird in Kärnten kaum noch praktiziert. Auch ein Landwirt, der wegen seiner AMA-Sperre Milch verschenken musste, hat eingelenkt und darf wieder liefern.

183 Tage im Jahr sind Kärntens Milchkühe im Schnitt auf Weiden und Wiesen unterwegs
© APA/Expa/Johann Groder
183 Tage im Jahr sind Kärntens Milchkühe im Schnitt auf Weiden und Wiesen unterwegs
Thomas Martinz
Redakteur Bundesland Kärnten

Es waren 300 Liter Milch täglich, die ein Kärntner Bauer – wie berichtet – wochenlang weggeschüttet oder verschenkt hat. Hintergrund war eine Sperre der Agrarmarkt Austria (AMA), deren Auflagen der Landwirt wegen der praktizierten, veralteten Anbindehaltung nicht mehr erfüllte.

In diesem Zusammenhang gibt es jetzt gute Nachrichten: Der betroffene Bauer kann inzwischen den Weidegang garantieren und wieder Milch liefern. Und: Kärntens Milchkühe haben im Österreich-Vergleich viel mehr Bewegungsfreiheit als die Tiere in den anderen Bundesländern.

Mistplatz in Auslauf umfunktioniert

„Das ist, wie wenn man auf der Autobahn zu schnell fährt. Man verstößt gegen eine gesetzliche Regelung.“ So erklärt Helmut Petschar, Geschäftsführer von Kärntnermilch den Umstand, warum Landwirte mit Anbindehaltung das AMA-Gütesiegel verlieren und deren Milch vom Unternehmen nicht mehr vertrieben wird. Jener Kärntner Landwirt, der mit 30. Juni gesperrt wurde und keine Milch mehr liefern durfte, hat aber inzwischen eingelenkt und einen einstigen Mistplatz auf seinem Hof in einen Auslauf für seine 15 Kühe umfunktioniert. Nach einer Nachkontrolle gab es grünes Licht der AMA.

Hintergrund

Die dauernde Anbindehaltung von Rindern, auch in Kombination mit Weidegang, Auslauf oder anderen Bewegungsmöglichkeiten an weniger als 90 Tagen jährlich ist in Neubauten seit 2005 gesetzlich verboten. Nur in früher errichteten Stallungen ist sie noch bis 2030 erlaubt. Seit 1. Jänner 2024 gibt es keine dauernde Anbindehaltung auf AMA-Gütesiegel-Milchviehbetrieben mehr. Milch, Milchprodukte, Fleisch und Fleischprodukte mit dem AMA-Gütesiegel dürfen nicht mehr von Betrieben mit dauernder Anbindehaltung stammen. Mit diesem früheren Ende der Anbindehaltung sollte ein weiterer Schritt in Richtung mehr Tierschutz gemacht werden. 

„Dieser Betrieb nimmt wieder am AMA-Gütesiegel-Programm teil. Betriebe können jederzeit eine kostenpflichtige Nachkontrolle durchführen lassen. Wurden alle beanstandeten Mängel behoben, wird eine erneute Lieferberechtigung erteilt“, heißt es vom AMA-Marketing. Seit 2024 ist die dauerhafte Anbindehaltung im AMA-Gütesiegel-Programm ausnahmslos verboten. „Tierhaltung plus“ steht für verbesserte Tierhaltung, die Richtlinien schreiben neben Maßnahmen für die Tiergesundheit und Beschäftigungsmaterial wie Kratzbürsten mindestens 120 Tage Bewegungsfreiheit für die Milchkühe im Stall, auf der Weide, oder auf der Alm vor. Jeder landwirtschaftliche Milchviehbetrieb innerhalb des Programms wird einmal im Jahr kontrolliert.

Johann Burgstaller
© LWK Kärnten
Johann Burgstaller

Unsere Betriebsstruktur ist eine andere, wir haben mehr Weiden und Almen zur Verfügung. 

— Johann Burgstaller,, Tierzuchtdirektor Landwirtschaftskammer Kärnten

183 Tage in Bewegung

Kärntner Bauern sind mit ihren Milchkühen österreichweit „Musterschüler“: „Durchschnittlich werden den Tieren in Österreich bereits 176 Tage Bewegungsfreiheit ermöglicht – das entspricht rund jedem zweiten Tag. In Kärnten gönnen die Milchbäuerinnen und Milchbauern ihren Tieren sogar noch einmal durchschnittlich eine Woche mehr Bewegungsfreiheit“, so das AMA-Marketing. Johann Burgstaller, Tierzuchtdirektor der Landwirtschaftskammer Kärnten, hat eine mögliche Erklärung dafür: „Unsere Betriebsstruktur ist eine andere, wir haben in Kärnten mehr Weiden und Almen zur Verfügung. In Oberkärnten existiert zwar noch die Kombinationshaltung aus Anbindehaltung, Weidehaltung und Almgang, in Restkärnten dominiert aber die Laufstellhaltung.“

1435 Milchviehbetriebe

Laut Statistik Austria gab es in Kärnten (Stand 2023) 9068 landwirtschaftliche Betriebe. Rund 35 Prozent produzieren Lebensmittel in AMA-Gütesiegel-Qualität. Insgesamt gibt es 1435 Milchviehbetriebe in Kärnten, die jährlich 2,2 Millionen Tonnen Milch liefern. Davon nehmen 1166 Betriebe am Programm „Tierhaltung plus“ teil, die weiteren sind Bio-Betriebe sowie ein paar Direktvermarktungsbetriebe. „Beachtlich ist, dass in Kärnten die gesamte Milchmenge, die von größeren Molkereien abgeholt wird, bereits in verbesserter Tierhaltung oder Bio-Qualität produziert wird“, so die AMA.