Zeiler statt Babler: SPÖ vor existenzieller Richtungsentscheidung

Die SPÖ auf dem Scheideweg: Warum Andreas Babler, Kämpfer gegen soziale Ungerechtigkeit, dem Multimillionär Gerhard Zeiler unterliegen könnte.
Das Gegenteil von gut ist bekanntlich gut gemeint. Andreas Babler meint, dass Andreas Babler es immer gut meint. Im Nationalratswahlkampf versuchte er, mit ideologieaufgeladenem Gebrüll zu punkten – rhetorisch eher unbeholfen als verständlich vorgetragen, spitzte er seine sozialdemokratische Programmatik allerdings so sehr zu, dass die Gesamtwahrnehmung immer mehr abstumpfte. Auch wenn er in seinem Kreuzzug gegen soziale Ungerechtigkeit in vielen Punkten recht haben mag und es eben gut meint, musste „der Andi“, wie er in seinen Reihen gerufen wird, zur Kenntnis nehmen: Das Stilmittel der inflationären und fatalistischen Übertreibung, deren weltweiter Patentinhaber die populistische Rechte ist, bringt dich auch nicht weiter, sondern schreckt viele Menschen ab.
Mit zwei Flügeln wollte er die Sozialdemokratie in lichte Höhen treiben, am Ende blieb ein Flügel übrig. Nur der linke, zurechtgestutzt für ausschließlich klassenkämpferische Flügelschläge. Allzu verbissen betonte Babler zu sehr das Schlechte, Österreich sei arm und krank und korrupt und mithin verloren. Damit tappte er in eine Doppelfalle. Erstens: Verbissen wirkenden Leitfiguren vertraut man nicht. Zweitens: Es braucht Politiker, die Zukunftsperspektiven entwerfen und konsequent verfolgen, die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Leistungswillen statt endloser Sozialstaat-Alimentierung fördern und die das Land mit Optimismus aufladen. „Der Andi“ übersah, dass jede Silbe des Krank- und Arm- und Schlechtredens eine Wählerstimme mehr für die Ränder bedeutet und ihn selbst ganz nah an den Abgrund trieb.
Und jetzt Gerhard Zeiler, der Bablersche Antipode. Der Herausforderer ist all das, was „der Andi“ nicht ist. Klassenkämpferische, ideologiegetriebene Politik ist dem international erfolgreichen Manager ein Gräuel, ohne die Grundwerte der Sozialdemokratie zu verlassen oder gar zu verraten. Zeiler hat das Zeug, die SPÖ neu zu erfinden und zu einer zukunftsfähigen Partei zu transformieren, die Österreich für Stabilität, Erfolg und Zuversicht braucht.
All jene, die Babler noch schützen, schießen sich schon mal auf Zeilers berufliche Erfolge und sein Vermögen im hohen zweistelligen Euro-Millionenbereich ein. Die vermeintlich bösen Geister der als „Nadelstreif-Sozis“ diffamierten ehemaligen SPÖ-Kanzler Franz Vranitzky, Viktor Klima und Christian Kern werden in den Parteizentralen der Roten (und Blauen) aus der Flasche geholt, um Zeiler prophylaktisch zu beschädigen.
Ob der Anti-Andi die bessere Wahl ist, muss er erst beweisen. Jedenfalls steht die SPÖ wieder einmal vor einer existenziellen Richtungsentscheidung, und dies auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit, was kommunizierte Inhalte und Umfragewerte betrifft. Babler wird nicht aufgeben, das widerspräche seinem Naturell. Daher sind jetzt die Parteimitglieder gefragt: Babler oder Zeiler? Zu weit am Abgrund stehend, wird die SPÖ wohl keine andere Wahl haben: Zeiler statt Babler.