In dieser Gemeinde sind die Ortschefitäten auch Parkwächter
Wer bei der Bärenschützklamm sein Gefährt ohne gültiges Parkticket abstellt, bekommt es unter anderem mit der Pernegger Bürgermeisterin Eva Schmidinger zu tun.

Es ist früh am Morgen und der Parkplatz P1 füllt sich allmählich. Was Slowaken, Ungarn, Deutsche, Niederösterreicher und viele Steirer an diesem Tag eint? Sie alle nützen das Wetter der Kategorie „Traumtagerl“, um dem Naturjuwel Bärenschützklamm (Gemeinde Pernegg an der Mur) einen Besuch abzustatten.
Das freut selbstredend auch Perneggs Bürgermeisterin Eva Schmidinger: „Die Klamm ist einfach ein Besuchermagnet.“ Im Sommer hat auch das beliebte Ausflugsziel unter der Trockenheit gelitten, doch das habe sich eingependelt.
„Alles funktioniert ohne Aufregung“
Dementsprechend hält sich der Andrang bis in den Herbst. Während ein kleinerer, beschrankter Parkplatz beim Gasthaus Grassauer rund eine Stunde vom Einstieg zur Klamm entfernt ist, befinden sich nochmals zwanzig Minuten weiter entfernt zwei größere Parkplätze. Alle sind gut gefüllt. Neu im Angebot ist der Bummelzug „Bärliexpress“, der Besucherinnen und Besucher gegen eine kleine Gebühr von Donnerstag bis Sonntag zwischen Parkplatz und Klammeingang chauffiert. Die ersten Erfahrungen zeigen: Er wird gut angenommen.

Das werden laut Schmidinger auch die gebührenpflichtigen Parkplätze, über die freilich nicht alle positiv dachten: „Es war die richtige Entscheidung, alles funktioniert ohne Aufregung.“ Über letztere können die Bürgermeisterin, aber auch die Gemeinderäte jedenfalls aus erster Hand berichten: „Als wir die Stelle für die Parküberwachung ausgeschrieben haben, hat sich keiner gemeldet. Dann haben wir entschieden, es selbst zu übernehmen.“
Kontrollzeiten bleiben geheim
Abwechselnd in einem „Radl“, vorher über eine WhatsApp-Gruppe ausgemacht, sind die Ortschefitäten eingeteilt, ihre Runden als Parkwächter zu ziehen. Wie oft jemand schwarz parkt? „In 95 Prozent der Fälle über eine Saison hinweg passt alles“, weiß ÖVP-Gemeinderat Mathias Kahr. Hat jemand keinen Schein hinter der Windschutzscheibe, bleibt die Gemeinde zuerst noch kulant. Dieser Lenker wird mit einer Zahlungsaufforderung kontaktiert. Statt der eigentlichen sechs Euro, gibt es dann 20 zu berappen.

„Es kommt natürlich einmal vor, dass vergessen wird, den Schein reinzulegen oder er runtergefallen ist, dann kann man uns ein Foto vom Schein als Beweis schicken“, so Schmidinger. Passiert das nicht, kommt es zu einer Besitzstörungsklage, aber das ist noch nie passiert. „Und das ist auch gut so, weil das geht ins Geld“, sagt die Bürgermeisterin. Wann und wie oft kontrolliert wird, ließen sich Schmidinger und Kahr zwar entlocken, aber: „Das braucht man nicht schreiben“, lachen beide.