Oper Graz: Nichtverlängerung von Ulrich Lenz beschäftigt nun den Landtag
Nach strittiger Entscheidung über Grazer Opernintendanz: Grüne verlangen Offenlegung der Kriterien.

Die Nichtverlängerung des Vertrags von Opernintendant Ulrich Lenz schlägt weiter Wellen (wir berichteten). Nun haben die Grünen eine Landtagsinitiative zu den Hintergründen der umstrittenen Entscheidung gegen Lenz angekündigt. Sie wollen dabei die Kriterien des Auswahlverfahrens, mögliche Spar- und Umstrukturierungsvorgaben sowie die politische Verantwortung und die Rolle der Führung der Bühnen Graz beleuchtet wissen: „Ulrich Lenz führt die Oper Graz künstlerisch erfolgreich und hat dem Haus weit über die Steiermark hinaus Aufmerksamkeit verschafft. Umso mehr braucht eine Entscheidung dieser Tragweite eine nachvollziehbare Erklärung. Sonst droht ein immenser Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust für den Kulturstandort Steiermark“, so die Kultursprecherin der steirischen Grünen, Veronika Nitsche.
In der Anfrage an Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) wird unter anderem auf die „herausragende Auslastung“ und den Publikumserfolg“, das künstlerische Renommee, das Angebot für junges Publikum und die „erfolgreiche Weiterentwicklung von Ballett und Orchester“ hingewiesen.
„Ohne Kriterienkatalog“
Pikant: Mit dem Antrag soll auch das Hearing „offensichtlich ohne Kriterienkatalog“ kritisch hinterfragt werden – sowie „die personelle Zusammensetzung der Findungskommission und ihr Agieren“. Zur Erklärung: Besagte Findungskommission bestand aus Maria Großbauer (Aufsichtsratsvorsitzende der Grazer Bühnen), der langjährigen Salzburger Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler, der einst auch in Graz tätigen Opernintendantin Elisabeth Sobotka und dem Chef der Bühnen-Holding, Bernhard Rinner.
Konkret wird in den 12 Punkten der schriftlichen Anfrage unter anderem nachgefragt, nach welchen „konkreten künstlerischen Fachkriterien“, die „schwerer wogen als die herausragende Bilanz und Bewertung von Ulrich Lenz“, die Findungskommission vorgegangen sei. Nachgefragt wird auch, ob im Auswahlverfahren ein rein betriebswirtschaftlicher Fokus angelegt war oder auch der gesetzliche Kultur- und Repertoireauftrag eine Rolle spielte.
Vor dem Hintergrund des Gerüchts, dass Lenz im unmittelbaren Vorfeld der Entscheidung von der Holding-Leitung oder Jury-Mitgliedern nahegelegt worden sein soll, seine Bewerbung „freiwillig“ zurückzuziehen, muss sich Kornhäusl auch der Frage nach der Qualität der Besetzungskultur im steirischen Kulturbetrieb stellen. Sowie der Frage, wer die formale und politische Verantwortung für die Zusammensetzung der vierköpfigen Findungskommission trug und wie der Vorwurf politischer Steuerung zu entkräften wäre.
Auch der Ballettchef geht
Mit ausgelöst wurde der Antrag auch über die Ankündigung des erfolgreichen Ballettdirektors Dirk Elwert, die Oper mit dem Ende der Ära Lenz ebenfalls verlassen zu wollen – aus Unverständnis über die Entscheidung und Vertrauensverlust in die Politik, wie er im Interview mit der Kleinen Zeitung verriet. „Wenn erfolgreiche Künstlerinnen und Künstler das Vertrauen in solche Entscheidungen verlieren, ist das ein ernstes Signal für den Kulturstandort Steiermark. So ein Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust lässt sich nur stoppen, wenn offengelegt wird, wie diese Entscheidung zustande gekommen ist“, so Nitsche. Da müsse nun der Kulturlandesrat „mit seinen Antworten für Klarheit sorgen“.