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Chaos-Treffen in Kroatien: Schauplatz eines Zweikampfs der Tuning-Szene?

Kroatischer Veranstalter beschuldigt Österreicher der illegalen Übernahme des Autotreffens. Drohungen im Vorfeld und Schlägertrupps sollen im Einsatz gewesen sein.

© Policijska Uprava Primorska-goranska
Marko Petelin
Redakteur Kärnten-Ressort

Das Chaos bei einem Autotreffen vergangene Woche an der Adria, in der Kvarner-Region um Rijeka, den Inseln Krk und Cres in Kroatien, sorgt noch immer für erheblichen Unmut. Es beschäftigt Anrainer, Polizei und das kroatische Parlament. Strengere Gesetze sollen solche „Illegal-Nights“ in Kroatien in Zukunft verhindern. Das Treffen, an dem etwa 5000 Autofans mit 1500 Fahrzeugen aus ganz Europa teilnahmen, spaltet aber auch die Tuning-Szene selbst.

Wir haben berichtet, dass der kroatische Veranstalter des offiziell angemeldeten Autotreffens „Stance Adria“, Matej Marijanović, zwei Gruppierungen aus Österreich „TSNS“ und „CGG“ für die Eskalation des Events verantwortlich macht. Diese Gruppen rufen in Sozialen Medien zu sogenannten „Takeovers“, also Übernahmen von Veranstaltungen, auf, um sie dann zu ihrer Bühne für illegale Drift- und Beschleunigungsrennen zu machen. Die Orte der „Flash-Mobs“ werden kurzfristig kommuniziert, ein gewolltes Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei. Vorbilder der anarchischen Gruppen sind Computerspiele wie „Need for Speed“, „GTA“ oder die Filmreihe „Fast and Furious“. Die Videos der „Illegal-Nights“ posten die Gruppen anschließend in ihren Kanälen.

„Insider“ und „Schlägertrupps“

Alexander Füllborn, Organisator der XS-Carnight in Kärnten, der vor drei Jahren das Erbe des GTI-Treffens angetreten hatte und es schaffte, die chaotischen Vor- und Nachtreffen am Wörthersee abzustellen, erklärte gegenüber der Kleinen Zeitung: "Wir haben solche Eskalationen und ,Takeovers‘ in Kärnten durch gute Kommunikation mit der Community schon im Keim ersticken können.“

Weniger gut dürfte die Kommunikation im Vorfeld des Treffens an der Adria zwischen der Tuning-Szene in Kroatien und Österreich gewesen sein. Marijanović sind die Aufrufe aus Österreich im Vorfeld nicht entgangen. Er soll „TSNS“ mit „hartem Durchgreifen“ gedroht haben, sollten sie bei „Stance Adria“ ein „Takeover“ planen. Diese Ankündigungen sollen wenig Eindruck auf „TSNS“ gemacht haben, vielmehr habe man sich gegenseitige „Kriegserklärungen“ ausgerichtet, heißt es aus der Community.

„TSNS“ soll sich daraufhin akribisch auf die „Illegal-Nights“ an der Adria vorbereitet haben. Marijanović präsentierte kroatischen Medien am Donnerstag Foto und Namen eines „Insiders“ aus Kroatien, der für die „jungen ortsunkundigen Österreicher“ Plätze in Rijeka und Kukuljanova ausgesucht und sie dorthin geführt haben soll, damit sie ihre „Flash-Mobs“ mit den illegalen Driftrennen abhalten konnten. Der Beschuldigte wies alle Anschuldigungen zurück und kommentierte die Vorwürfe nur damit, dass „in Zeiten von KI Fotos schnell gefaked werden könnten“.

Beschuldigungen kommen auch von der Gegenseite. Der Veranstalter soll Security engagiert haben, „Schlägertrupps“, so der Vorwurf, die bereits vor dem Eintreffen der Polizei mit brutaler Gewalt versucht haben sollen, die Menschenansammlung an den „illegalen Spots“ aufzulösen. In einer Stellungnahme von „Stance Adria“ heißt es nur, man wisse nicht, warum die Polizei nicht früher vor Ort gewesen sei, die Plätze seien ihr bekanntgegeben worden, noch bevor sie über die sozialen Medien an die Teilnehmer kommuniziert worden sind.

Die Angaben und Vorwürfe beider Seiten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Tausende Zuschauer bieten die Bühne

Von Veranstaltern und auch Autofans wird immer wieder beteuert, solche Exzesse bei Autotreffen seien auf eine Minderheit zurückzuführen, die dem Ruf der Autocommunity schade. Auch XS-Carnight-Organisator Füllborn erklärte, die Community wehre sich gegen diese Gruppierungen. Angesichts der Vorkommnisse in Kroatien hält die Argumentation, es handle sich um einige wenige, aber nur schwer den Fakten stand.

Es mögen nur wenige Gruppen sein, die dazu aufrufen. Aber alleine den beiden Gruppen aus Österreich, die zu den „Illegal-Nights“ an der Adria angestiftet haben sollen, folgen insgesamt mehr als 100.000 auf Instagram. Und ihrem Aufruf zum Chaos sind Hunderte, wenn nicht gar Tausende auf die Straßen in Kroatien gefolgt, wie an den Menschenmassen in den geteilten Foto- und Videoaufnahmen zu sehen ist. Das Publikum mag sich nicht selbst an den waghalsigen Fahrmanövern beteiligt haben, aber ohne dessen Anfeuerungen und Likes auf die Videos hätten diese Gruppen nicht die Bühne, um ihre Show abzuziehen.

Schärfere Gesetze

In den geteilten Videos sieht man auch, wie einschreitende kroatische Polizisten – in eklatanter Unterzahl - vom Mob verhöhnt und provoziert wurden. Ähnliche Videoaufnahmen gab es 2021 auch aus Velden in Kärnten, als ein Polizist von der Menge ausgepfiffen und angeschrien wurde, während im Hintergrund Fehlzündungen zu hören waren. Das führte schlussendlich zum Ende des GTI-Treffens in Kärnten und zu verschärften Gesetzen gegen Raser, die nun auch die Beschlagnahme von Autos zulassen.

Auch Kroatien wird nachschärfen. Beschlossen werden sollen Gesetze, die sowohl die Veranstalter als auch die Teilnehmer solcher illegaler Autotreffen bestrafen. Fahrverbote und Stilllegungen sind geplant und man will die Straßenverkehrsordnung in Kroatien präzisieren, im Strafkatalog sollen sich nun provozierte Fehlzündungen, Beschleunigungs- und Driftmanöver wiederfinden.

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