Dürre, Teuerung, Bürokratie: So wollen Kärntner Bauernvertreter gegensteuern
Am 25. Oktober findet in Kärnten die Landwirtschaftskammerwahl statt. Sechs Fraktionen treten an: Dafür wollen sich die Spitzenkandidaten mit ihren Teams einsetzen.

Mit einer Wahlbeteiligung von 36,6 Prozent war 2021 der Tiefstand bei der Landwirtschaftskammerwahl in Kärnten erreicht. Dass es sich Kammeramtsdirektor Bernhard Rebernig zum obersten Ziel gesetzt hat, wieder mehr Bäuerinnen und Bauern zum Urnengang zu animieren, ist die logische Konsequenz.
Die Struktur der Landwirtschaftskammer
Ob die rund 62.000 Wahlberechtigten am 25. Oktober gewillt sind, ihr Kreuzchen abzugeben, hängt aber wesentlich von den Spitzenkandidaten und ihren Teams ab. Sechs Fraktionen haben bis zum Stichtag 18. September ihre Listen eingereicht. Überraschungen gab es im Gegensatz zu 2021, als „Bauernrebell“ Heimo Urbas mit seiner unabhängigen Namensliste erstmals antrat, wenige. Einiges hat sich seit der letzten Wahl personell aber verändert. Mit den Spitzenkandidaten der Freiheitlichen und der SPÖ erfolgt eine Verjüngung. Frau findet sich an erster Position nach wie vor keine, sehr wohl aber sind einige an wählbarer Stelle vertreten.
Das sind die Spitzenkandidaten und ihr Wahlprogramm:
Siegfried Huber (Bauernbund)

Der 56-jährige Landwirt und ÖVP-Vizebürgermeister Siegfried Huber aus Feldkirchen ist seit 20 Jahren Kammerrat und steht seit fünf Jahren als Präsident der Landwirtschaftskammer vor. Nachdem der Bauernbund unter Hubers Vorgänger Johann Mößler 2016 seine absolute Mehrheit verloren hatte, fuhr auch Huber vor fünf Jahren ein leichtes Minus ein. Dieses fiel mit 0,8 Prozent aber so gering aus, dass man die 18 Mandate halten konnte und mit Astrid Brunner auch die 1. Vizepräsidentin stellt.

Vor Kurzem wurde Huber mit 100 Prozent der Stimmen als Landesobmann des Bauernbundes bestätigt. Die Liste setzt sich aus 147 Kandidatinnen und Kandidaten zusammen, darunter zahlreiche junge und weibliche Gesichter - 86 sind jünger als 40 Jahre, 18 jünger als 30. Und es kandidieren 30 Frauen. Auf dem Wahlprogramm stehen Punkte wie faire Abgeltungen und Rahmenbedingungen für die bäuerliche Produktion, mehr heimische Lebensmittel auf Kärntens Tellern, Schutz des Eigentums, Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten sowie zukunftssichere Rahmenbedingungen für die Land- und Forstwirtschaft. „Die Herausforderungen werden nicht kleiner. Ob Klimawandel, Dürre, steigende Kosten oder die Sicherung unserer bäuerlichen Betriebe – wir wollen nicht nur darüber reden, sondern Lösungen erarbeiten und umsetzen“, sagt Huber, Vater von zwei erwachsenen Kindern, der am Hof vulgo Halle in Glanegg aufgewachsen ist und mit seiner Frau den Hof vulgo Trost in Albern führt.
Roman Linder (Freiheitliche)

Der Afritzer Roman Linder löste Manfred Muhr 2023 als 2. Vizepräsidenten der Landwirtschaftskammer ab. 2021 musste die freiheitliche und unabhängige Bauernschaft in Kärnten mit einem Minus von 5,3 Prozent einen herben Verlust einstecken. Man blieb zwar zweitstärkste Kraft, verlor aber zwei Mandate und stellt seither sechs Kammerräte, darunter zwei Frauen – eine ähnliche weibliche Beteiligung gibt es mit sechs von 18 Kammerräten bisher nur beim Bauernbund, alle anderen Fraktionen haben ihre Mandate derzeit rein männlich besetzt.

Auch bei der jetzigen Wahl setzen die Freiheitlichen auf die Unterstützung der Bäuerinnen: Fünf der 15 Erstgereihten auf der Liste sind Frauen. Linder, der wenige Tage vor der Wahl seinen 37. Geburtstag feiert, ist der jüngste der sechs Spitzenkandidaten und betreibt am Hof vulgo Brunner-Steinhauser in Afritz eine Gastwirtschaft sowie einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Mutterkuhhaltung. Der Vater von drei Kindern absolvierte eine Ausbildung in Public und Business Management und ist im Gemeinderat und bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. In der Landwirtschaftskammer möchte er „die Land- und Forstwirtschaft und das Eigentum schützen, Bürokratie abbauen, für ehrliche Lebensmittelkennzeichnung sorgen und unsere Bauern finanziell entlasten.“ Unterstützung für Familien und Jungbauern, mehr Planungssicherheit, Fairness und Transparenz“ sowie „Hausverstand statt immer neuer Vorschriften“ beim Umweltschutz sind weitere Anliegen.
Marjan Čik (SJK)

Der 54-jährige Pferdezüchter aus St. Kanzian am Klopeinersee führt wie schon bei der vergangenen Wahl die Gemeinschaft der Kärntner Bäuerinnen und Bauern / Skupnost južnokoroških kmetic in kmetov (SJK) an. 2021 konnte er mit seiner Liste mit einem leichten Plus von 0,71 Prozent das knappe Rennen um Platz drei gegen die SPÖ für sich entscheiden, die Mandate blieben mit vier gleich, allerdings erlangte man einen Sitz im Vorstand. Diesen zu halten ist das Ziel der SJK, sagt Čik, der auf eine Verjüngung im Team setzt: „Wir haben geschaut, dass alle Bereiche, ob Viehwirtschaft oder Feldbau, und die jungen Interessen abgedeckt sind.“ Aber auch die ältere Generation ist vertreten. Dem zweifachen Vater, der im Hauptberuf beim Lagerhaus arbeitet, ist es wichtig, sich unter anderem dafür einzusetzen, dass Erntezeitpunkte nicht mehr seitens der EU von oben herab verordnet werden. Čik, der als Landesobmann des Pferdezuchtverbandes, Obmann der Jagdgesellschaft St. Kanzian, Nieder- und Raubwildreferent der Kärntner Jägerschaft, Jagdhornbläser und Sänger aktiv ist, fordert zudem, dass kleine Betriebe im Alpe Adria-Raum anders bewertet werden als große Produktionsstätten: „Aktive kleine Landwirtschaften haben weit mehr Einfluss als man denkt. Eine bearbeitete Umwelt ist in Krisenzeiten besser geschützt, etwa vor Bränden, weil es keine Verstaudung gibt, es kommt bei Hochwasser zu weniger Verklausungen, weil das Schadholz aufgearbeitet wurde, oder bei der Schädlingsbekämpfung.“
Ralph Dörflinger (SPÖ)

Er wurde erst vor wenigen Wochen als neuer Spitzenkandidat der SPÖ Bäuerinnen und Bauern in Kärnten präsentiert und ist mit 40 Jahren der zweitjüngste der Spitzenkandidaten: Nebenerwerbslandwirt und IT-Techniker Ralph Dörflinger aus Klein St. Paul. 2021 war die SPÖ unter Franz Matschek mit einem Minus von 1,6 Prozent auf den vierten Platz abgerutscht, konnte die vier Mandate aber halten. Dörflinger, der sich mit einem Social-Media-Video bei seinen potenziellen Wählerinnen und Wählern vorstellte, will die Trendumkehr schaffen, indem er die Arbeit der Menschen in den Mittelpunkt rückt – von kleinen und mittleren Familienbetrieben über Voll- und Nebenerwerbsbäuerinnen und -bauern bis hin zu Menschen, die einen Hof erhalten, verpachten oder unter schwierigen Bedingungen weiterführen. „Landwirtschaft braucht eine starke Stimme für jene, die anpacken, Verantwortung tragen und unser Land zusammenhalten. Nicht eine Lobby, die nur auf Hektar schaut, sondern eine, die Arbeit, Leistung und Lebensrealität ernst nimmt.“ Die SPÖ Bäuerinnen und Bauern wollen sich für mehr Unterstützung für Arbeit, faire Rahmenbedingungen für alle bäuerlichen Betriebsformen und bessere sozialrechtliche Absicherung, insbesondere für Nebenerwerbsbäuerinnen und -bauern, einsetzen. Zudem will man die regionale Wertschöpfung stärken und dafür sorgen, dass die Menschen in Kärnten verstärkt Zugang zu hochwertigen heimischen Lebensmitteln haben und sich diese auch leisten können.
Heimo Urbas (UBV)
Als Quereinsteiger mit eigener Liste sorgte Heimo Urbas 2021 für eine Überraschung: Er fuhr als Mitglied der Österreichischen Unabhängigen Bauernvertretung (UBV) mit seiner Namensliste aus dem Stegreif 5,98 Prozent und zwei Mandate ein. Bekanntheit erlangte der Mutterkuhhalter und Forstwirt aus Eisentratten 2019, als er mit rund 40 Landwirten eine Vollversammlung der Landwirtschaftskammer Kärnten stürmte, um gegen die massive Erhöhung der Einheitswerte zu protestieren. Seinem damals erlangten Spitznamen „Bauernrebell“ wird er auch nach fünf Jahren als Kammerrat gerecht. „Ich habe damals kandidiert, weil die Landwirtschaft nicht mehr funktioniert und ich wissen wollte, warum.“ Seine Erkenntnis nach fünf Jahren sei, dass die Landwirtschaftskammer kein Teil der Wirtschaft sei, sondern ein reiner Verwaltungsapparat, der bei den Bauern mehr Bürokratie verursache. Als Beispiel nennt er die verpflichtenden Schulungen in zahlreichen Bereichen, sei es bei der Alm- oder Viehwirtschaft. Ein Antrag von ihm, die Dokumentationsrichtlinien in der Schweinezucht zu lockern, sei von der Vollversammlung knapp abgelehnt worden, sagt der 57-jährige zweifache Vater: „Denn dann muss man nicht mehr zweimal zwei Stunden Schulung absolvieren. Die Haupttreibenden der Bürokratie sitzen in den eigenen Reihen.“ Er sieht dieses Vorgehen als reine „Geldbeschaffung für den Kammerapparat“ und fordert eine Neuorientierung und Neuausrichtung der Landwirtschaftskammer.
Karlheinz Gigler (Grüne)

Bei ihrem erstmaligen Antreten bei der Landwirtschaftskammerwahl 2016 konnten die Grünen Bäuerinnen und Bauern 3,57 Prozent erreichen. 2021 fuhr man unter Spitzenkandidat Reinhard Stückler ein Plus von mehr als einem Prozent ein. Heuer wird sich Karlheinz Gigler aus Malta, der schon jetzt als Kammerrat in der Vollversammlung sitzt, der Wahl stellen. Der begeisterte Almbauer, der seit 2022 eine Sennerei betreibt und bis Juni als Nutztierarzt tätig war, hat es sich zum Ziel gesetzt, das Mandat zu verteidigen. Gigler will bei den Bauern durch seine Erfahrung als Landwirt punkten. Er baute ab 1998 den elterlichen Mischbetrieb in eine auf Mutterkuhhaltung ausgerichtete Landwirtschaft um und errichtete für die Stromversorgung der Alm ein eigenes Kleinwasserkraftwerk: „Ich weiß aus eigener Erfahrung, was es heißt, einen Hof zu führen und Investitionen zu stemmen. Genau diese Perspektive will ich in die Landwirtschaftskammer einbringen.“ Die Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie, faire Bedingungen für kleine Landwirtschaften, stärkere Unterstützung von Bio-Betrieben, mehr regionale Lebensmittel in öffentlichen Einrichtungen sowie der Bodenschutz zählen zu den Hauptforderungen der Grünen Bäuerinnen und Bauern: „Fruchtbare Böden sind die Grundlage für Landwirtschaft und Ernährungssicherheit. Wenn immer mehr Boden verbaut wird, verlieren wir unsere wichtigste Grundlage für die regionale Lebensmittelversorgung. Bodenschutz ist daher auch Landwirtschaftsschutz.“
