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Österreicher geben 1,3 Milliarden auf Plattformen wie Temu aus

Der heimische Handel steht unter Druck – auch weil 47 Prozent der E-Commerce-Ausgaben zu ausländischen Anbietern fließen. Chinesische Plattformen legen rasant zu.

Einkaufszentrum
© Traussnig
Teuerung durch geopolitische Verwerfungen trübt die Kauflaune
Bettina Auer
Wirtschaftsressort

Der Online-Handel in Österreich wächst – auch auf Kosten des stationären Handels. Rund 12,3 Milliarden Euro werden österreichweit im E-Commerce ausgegeben. Davon fließen 47 Prozent, laut KMU Forschung Austria, zu ausländischen Anbietern. Mitunter ist den Kunden gar nicht bewusst, dass sie ihr Geld bei einem ausländischen Händler ausgeben, weil die Web-Adresse sogar ein at für Österreich enthält. Gut zehn Prozent bzw. 1,3 Milliarden Euro gehen an chinesische Online-Shops wie Temu, Shein und AliExpress. „Dadurch entsteht für den heimischen Handel noch mehr Druck, weil die chinesischen Plattformen sehr schnell wachsen und die Tendenz stark steigend ist“, sagt Wolfgang Ziniel von der KMU Forschung Austria.

Raimund Haberl, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Kärnten, erneuert vor diesem Hintergrund seine Forderung nach fairen Wettbewerbsregeln. Einen Schlüssel sieht er im Abbau der Bürokratie sowohl in Österreich als auch in Europa. Vor allem in letzter Zeit seien die heimischen Händler durch Paketabgabe und Verpackungsverordnungen zusätzlich belastet worden, während Anbieter aus Fernost mitunter Schlupflöcher wie etwa das Aufteilen einer Bestellung auf mehrere Pakete nutzen. Die Produktsicherheit sieht er bei Bestellungen auf Billig-Plattformen ebenfalls häufig nicht gewährleistet, merkt er mit dem Hinweis auf eine hohe Zahl von Produktrückrufen zum Beispiel beim Spielzeug an.

Raimund Haberl
© WKK/Studiohorst
Raimund Haberl, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Kärnten

Aufwärtstrend

Der Kärntner Handel steht unter einem starken Margendruck. „Wir sehen aktuell Konzentrationsprozesse“, sagt Ziniel. Sowohl die Zahl der Handelsbetriebe (minus 151) als auch die der Beschäftigten (minus 708) sind gesunken. Doch wie die aktuelle Auswertung der KMU Forschung Austria zeigt, gewinnt die Branche wieder an Boden. Signale dafür sind eine sinkende Teuerung, ein reales Umsatzplus und rückläufige Pleitezahlen. Im Juli 2026 stiegen die Einzelhandelsumsätze österreichweit nominell um 2,7 Prozent und real um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Umschlaghäufigkeit der Vorräte zeigt auch einen Aufwärtstrend – allerdings von einem niedrigen Wert ausgehend. Beflügelt wurde das Geschäft in manchen Betrieben von der guten Sommersaison im Kärntner Tourismus.

Handel in Kärnten

11.358 Betriebe beschäftigen rund 33.000 Menschen, davon entfallen rund 3400 Unternehmen mit 19.000 Dienstnehmern auf den Einzelhandel.

Handelsumsatz beläuft sich auf 13,4 Milliarden Euro, davon entfallen 5,1 Milliarden Euro auf den Einzelhandel

Insgesamt hat sich die Stimmung im Handel leicht verbessert. Doch es gibt zwischen den Sparten starke Unterschiede. Während sich der Bekleidungshandel optimistisch zeigt, zeigen Sportartikelhandel und Bau- sowie Heimwerkerbedarf weniger Zuversicht.