Suche
Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

„Die Südsteirer“-Frontmann: „Ich bin ein ‚Nervositätspinkerl‘, das auftritt“

Florian Mandl von „Die Südsteirer“ spricht über Musiker-Ego, das Leben zwischen Bühne und Familie und verrät, mit welchem Sager man ihn ins Schwitzen bringt.

Florian Mandl gibt im Proberaum der Südsteirer einen Einblick hinter die Kulissen
© KLZ / Barbara Mikschofsky
Florian Mandl gibt im Proberaum der Südsteirer einen Einblick hinter die Kulissen
Barbara Mikschofsky
Redakteurin Regionalredaktion Leibnitz und Deutschlandsberg

Zahlreiche Hits, volle Konzerte: „Die Südsteirer“ sind auf Erfolgskurs. Können Sie sich noch an den ersten Auftritt erinnern?

FLORIAN MANDL: Ja. Der war definitiv nicht lustig, wir waren so nervös, das konnten wir gar nicht genießen. Es war der 21. Juni 2013 beim Gasthaus Holzhütt’n auf einem Hänger mit Notenständer und ohne Mikro. Das war pure Anspannung für mich. Ab dem Moment, in dem wir aber mitbekommen haben, dass bei Auftritten Leute unsere Lieder textsicher mitsingen, wurde es von Woche zu Woche immer lustiger.

Ist es schwierig auf der Bühne immer gut drauf zu sein und eine gute Show abzuliefern?

Wichtig ist, dass vorher Ungereimtheiten geklärt sind, sei es in der Band oder Familie. Kurz vor dem Auftritt lege ich den Fokus auf das, was gleich kommen wird, wo wir sind und bei wem wir sind. Eine falsche Ortschaft zum Beispiel möchte, glaube ich, niemand ansagen. Ich spüre aber auch nach so vielen Konzerten jedes Mal, wenn das Adrenalin kurz vor Beginn zu steigen beginnt. Ich bin ein „Nervositätspinkerl“, das auftritt.

Habt ihr Rituale vor jedem Auftritt?

Wir bilden einen Kreis und gehen in uns. Wenn sich das aus zeitlichen Gründen nicht ausgeht, ist es nicht dasselbe und jeder wartet ab, ob etwas schiefgeht.

Sind Sie abergläubisch?

Nur bei gewissen Dingen. Ich bekomme etwa extremen Stress, wenn mir jemand vor dem Auftritt „Toi, Toi, Toi“ wünscht. Denn zu mir hat einmal ein Lehrer in der Hauptschule gesagt, dass man darauf nicht mit „Danke“ antworten darf. Das bringe Unglück. Seither habe ich das nie gesagt, aber was antwortet man darauf? Ich habe einmal „Danke dir auch“ gesagt, weil mir nichts besseres eingefallen ist.

„Die Südsteirer“ sind besonders in der Region wohl jedem ein Begriff. Sind Sie für die Leute schon der von „Die Südsteirer“ oder noch Florian Mandl?

Ich habe oft das Glück, dass viele bei mir wegen meiner Kappe und Brille zweimal hinschauen müssen. Auf der Bühne trage ich immer einen Hut und habe eine eigene Südsteirer-Brille. Das ist also noch kein Stress.

Apropos Hut: Fans sollen schon öfter gerätselt haben, ob und was unter Ihrem Hut ist...

Ja, die Frage kam tatsächlich schon öfter. Darunter ist nichts außer einer steilen Frisur. (lacht) Ich bin der einzige Glatzenträger in der Band. Meine letzten Haarreste habe ich lange gehortet. Seit drei Jahren habe ich jetzt aber eine Glatze. Bei mir gibt es daher keinen Auftritt ohne Hut. Ich habe eine große Hutsammlung. In jedem Fahrzeug ist sicher einer zu finden.

Zuhause auf Ihrem Hof befindet sich auch der Proberaum, der Geburtsort vieler Südsteirer-Lieder. Schreibt ihr gemeinsam oder gibt es einen, der hier kreativ wird?

Wir machen das gemeinsam, jeder trägt seinen Part dazu bei.

Welcher ist Ihrer?

Ich bin der, der oft dumme, kreative Ideen einbringt, die dann wiederum zu etwas Brauchbarem führen. Ich werfe oft Fragmente von Melodien ein und gemeinsam entsteht dann ein Lied. Wir veröffentlichen auch nur etwas, das wir alle vertreten können. Jeder muss sich mit den Liedern authentifizieren können.

Florian Mandl am Schlagzeug im Proberaum
© KLZ / Barbara Mikschofsky
Florian Mandl am Schlagzeug im Proberaum

Hat es schon einmal ein Lied gegeben, mit dem Sie sich nicht authentifizieren konnten?

Nein. Es gibt natürlich Lieder, die mir besser gefallen und bei manchen braucht es ein bisserl Zeit. So war es am Anfang – und das darf ich gar nicht so laut sagen, weil die Nummer super rennt, – bei „Heit Nocht“. Man muss bei Abstimmungen auch oftmals einfach etwas zulassen und seine Meinung nicht als Wichtigste nehmen. Das ist für die Gruppendynamik sehr wichtig. Wenn nämlich fünf zu große Egos das machen wollen, würde das nicht funktionieren.

Wer hat denn das größte Ego von euch?

Als Musiker hat man glaub ich generell ein stärkeres Ego. In gewissen Bereichen sind wir alle ziemlich stark.

In Ihrem Fall wäre das?

Das ist eine schwierige Frage. Wo ich definitiv heikel bin, sind Ideen, von denen ich vollends überzeugt bin, bei den anderen aber gar nicht gut ankommen. Da muss ich schon schlucken, aber das gehört dazu. Mittlerweile habe ich jedoch auch über die Band gelernt damit umzugehen.

„Die Südsteirer“ schwimmen mit ihren Partyhits auf der Erfolgswelle
© KLZ / Thomas Hude
„Die Südsteirer“ schwimmen mit ihren Partyhits auf der Erfolgswelle

Mit „Die Südsteirer“ sind Sie viel unterwegs, haben eine Familie und Job: Wie bringen Sie alles unter einen Hut?

Es gibt Tage, an denen ich nicht viel Schlaf bekomme. Viele Dinge bleiben halt auch liegen. Man schafft es nicht immer alles zu balancieren. Wir spielen an rund 40 Wochenenden, zusätzlich treffen wir uns immer dienstags zum Proben. Ohne eine starke Partnerin ginge das alles nicht.

Es ist über die Jahre auch eine tiefe Freundschaft zwischen euch entstanden...

Genau. Die Familie, die über die Band hinaus entstanden ist, gibt jedem von uns glaube ich so viel mehr, als wir je gerechnet haben. Das ist besonders und wahnsinnig wertvoll.

Zur Person

Florian Mandl wurde am 21. Jänner 1995 geboren. Er absolvierte die Landwirtschaftsschule Grottenhof und arbeitet bei Steirerfleisch. Mandl ist verheiratet und hat zwei Kinder. Drei Generationen leben auf dem Familienhof in der südsteirischen Gemeinde Schwarzautal.

1 / 3
Nicht nur Bandkollegen sondern enge Freunde: Thomas Schoenekl, Stefan Körbler, Florian Mandl, Lukas Posch und Julian Gigler (v. l.)
Nicht nur Bandkollegen sondern enge Freunde: Thomas Schoenekl, Stefan Körbler, Florian Mandl, Lukas Posch und Julian Gigler (v. l.) © Markus Ponhold

Mehr zu „Die Südsteirer“