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„Man braucht Bergschuhe“ – ist die Lienzer Sonnenlounge unsicher?

Nach zahlreichen Debatten steht die Isellounge der Bevölkerung offen, genutzt wird sie aber kaum. Die Lienzer Politik streitet unterdessen weiter.

Die Sonnenlounge in Lienz fällt steil zur Isel ab
© Andre Schmidt
Nicht für Kinder und Pensionisten? Das abschüssige, stufenlose Gelände der Sonnenlounge sorgt für Diskussionsstoff
André Schmidt
Redakteur Regionalredaktion Osttirol

Sie dürfte in der Langzeit-Hitparade der umstrittensten Lienzer Bauprojekte einen Spitzenplatz einnehmen: die Isel- oder auch Sonnenlounge. Die Metamorphose des Vorhabens ist erstaunlich. Nach ersten buchstäblich grauen und leicht monströsen Visualisierungen als „Sonnenbrandlounge“ oder „Betonlounge“ verunglimpft, wurde mehrfach umgeplant. Inzwischen ist das Fleckchen Erde längst fertig. Die Eingriffe in die Natur blieben nach Protesten etwa des Vereins „Osttirol Natur“ moderat. Doch die Lounge bleibt umstritten.

Als „Schandfleck“ bezeichnete MFG-Mandatarin Christiana Laßnig zum Ende der jüngsten Gemeinderatssitzung die am Ende doch eher klein gewordene Einbuchtung am Iselkai. Da waren in der Liebburg über zwei Stunden mit oft hitzigen Debatten vergangen. „Das regt so meinen Unmut, wenn ich da vorbeigehe“, legte die Gemeinderätin nach. Zudem wollte sie von Bürgermeisterin Elisabeth Blanik (SPÖ) „nur zu gerne“ die finalen Kosten wissen. Blanik hatte die Zahlen spontan nicht parat, versprach, sie auf den Cent nachzureichen.

In der Lounge herrscht „Leerstand“

Doch es ging weiter. Die Frage, für wen die Lounge überhaupt gedacht sei, kam auf. Tatsächlich: Wer regelmäßig an ihr vorbeikommt, sieht meist fünf leere Bänke. Vielleicht, weil niemand die Öffnung mitbekommen hat? Wochenlang war die Lounge versperrt. Da glich sie einer Dürrefläche, das Grün wollte aufgrund der Rekordhitze nicht anwachsen. Inzwischen ist das Tor der wenig einladenden Umzäunung offen. Auf eine Eröffnungsfeier wie am benachbarten Iselsteg hatte die Stadt verzichtet. Wohl auch, um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen.

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Die erste Visualisierung der Sonnenlounge sorgte vor rund zwei Jahren für Empörung. Viel übrig blieb von der „Betonlounge“ nicht
Die erste Visualisierung der Sonnenlounge sorgte vor rund zwei Jahren für Empörung. Viel übrig blieb von der „Betonlounge“ nicht © Stadt Lienz

Laßnig vermutete noch einen anderen Grund für die Leere in der Lounge: „Ältere Menschen können da unmöglich reingehen. Kinder schon gar nicht“, spielte sie auf das abschüssige Gelände an. Blanik erwiderte, dass Senioren gar nicht die Zielgruppe sind, sondern die arbeitenden Menschen in Lienz sowie Schülerinnen und Schüler, die „da am Mittag die Isel genießen und sich erholen können.“

Mehr aus der aktuellen Gemeinderatssitzung:

Forderung nach Stufen oder Platten

Beistand bekam Laßnig jedoch aus den Reihen von Blaniks SPÖ-Fraktion. Ersatzgemeinderat Alfred Luneschnig gab sich als Lounge-Fan zu erkennen, mahnte aber: „Da braucht man Bergschuhe.“ Luneschnig – im Pensionsalter, aber weiterhin als Notfallmediziner aktiv –, verwies auf sein „biologisches, nicht kalendarisches Alter“. Er erachte sich „als fit genug, um da runterzurutschen und raufzukrabbeln“. Anderen Senioren sei das kaum möglich. Wenn es jetzt im Herbst rutschig würde, käme die Haftungsfrage auf, fürchtete der Arzt und forderte den Einbau von Stufen oder Platten und das „sofort“. Blanik versprach, sich dem Thema anzunehmen, betonte aber erneut: „In aller Wertschätzung, das ist nicht für die Zielgruppe der Pensionisten.“

Da ist ein Zaun, wer Angst hat, runterzukugeln, bleibt halt oben. Es wird keiner gezwungen, sich da hinzusetzen

— Elisabeth Blanik, Bürgermeisterin Lienz (SPÖ)

Unter dem Punkt „Allfälliges“ mäanderte die Sitzung weiter zur Bushalte am Krankenhaus und zum umstrittenen Wohnbauprojekt am Plössnig-Areal. Doch nach zwanzig Minuten war die Isellounge zurück (Blanik: „Mei Gott, na“). Gemeinderat-Urgestein Josef Blasisker (ÖVP) warf erneut die Sicherheitsfrage auf, was die Bürgermeisterin sichtlich entnervt konterte: „Ich kann inzwischen damit leben, dass viele die Sonnenlounge für einen Blödsinn halten. Es war uns ein Anliegen, die Isel zumindest für einen kleinen Teil für die Menschen zu öffnen.“ Es sei einfach nur ein Angebot an die Bevölkerung. „Da ist ein Zaun, wer Angst hat, runterzukugeln, bleibt halt oben. Es wird keiner gezwungen, sich da hinzusetzen.“

Viel Gesprächsstoff gab es in der jüngsten Gemeinderatssitzung für Bürgermeisterin Blanik
© Andre Schmidt
Viel Gesprächsstoff gab es in der jüngsten Gemeinderatssitzung für Bürgermeisterin Blanik

Das rief Ursula Strobl vom Team Lienz auf den Plan. „Ich finde das als Diskriminierung, wenn es heißt, Ältere dürfen da nicht runtergehen“, so die pensionierte, ehemalige Direktorin des Gymnasiums Lienz. Blanik, die sich bereits vorher rund um die Reise einer Lienz-Delegation in die US-Partnerstadt Jackson ein Verbalduell mit Strobl lieferte, reichte es endgültig: „Ich weise aufs Schärfste zurück, dass sie mir Diskriminierung unterstellen. Seien sie vorsichtig.“

Wenig später schloss der öffentliche Teil der Sitzung. Die Diskussionen um die Isellounge dürften weitergehen.