Streit um USA-Reise in die Lienzer Partnerstadt eskaliert
60.000 Euro sind im Budget für die Städtepartnerschaft mit Jackson Hole veranschlagt. Am Mittwoch fliegt eine zehnköpfige Delegation in die USA. Doch wozu?

Ob es an der Sommerpause lag? Schon lange geriet eine Diskussion im Lienzer Gemeinderat nicht mehr so aus den Fugen wie am Montagabend. Hitzig wurde es, laut und mitunter persönlich. Das Thema? Die in Kürze startende Reise einer Delegation aus Lienz in die USA. Genauer gesagt in die Partnerstadt Jackson Hole. Die Lienzer Skilegende Pepi Stiegler hatte die „Städte-Ehe“ Anfang der 1970er-Jahre mit ins Leben gerufen, nachdem er zuvor nach Jackson auswanderte, um den US-Amerikanern das Wedeln auf zwei Brettern zu lehren. Ab 1986 gab es auch einen regelmäßigen Schüleraustausch. Der letzte Besuch der Lienzer in den USA war 2018.
Zehn Personen werden die Reise am Mittwoch antreten. Darunter Bürgermeisterin Elisabeth Blanik (SPÖ), Mitarbeitende der Stadtverwaltung wie Stadtamtsdirektor Alban Ymer sowie Vertreter des Nationalparks. Weitere Namen nannte Blanik nicht. Alle, auch sie selbst, würden die Reisekosten um 1400 Euro aus eigener Tasche zahlen. Dennoch entfachte sich der Streit auch am lieben Geld. Unter „Allfälliges“ warf Team-Lienz-Mandatarin Ursula Strobl das Thema auf.
Rahmenbetrag wurde einstimmig abgenickt
Zum Hintergrund: Am 15. Dezember 2025 entdeckte dolomitenstadt.at im 400 Seiten starken Voranschlag für das Finanzjahr 2026 einen 60.000-Euro-Posten: „Partnerschaft Lienz-Jackson Hole“. Der Rahmenbetrag wird für den generellen Aufwand der Reise genutzt, wobei die Abrechnung erst nach Rückkehr erfolgt. Ebenfalls am 15. Dezember kam der Gemeinderat zusammen. Er nickte das Budget einstimmig über alle sechs Fraktionen hinweg ab. Fragen zur Reise gab es keine – obwohl es in den Kommentarspalten im Internet hoch herging. Noch einmal poppte der US-Trip auf, als er im Sillianer Fasching aufs Korn genommen wurde. Im Gemeinderat war er auch danach kein Thema, Informationen für die Öffentlichkeit gab es jedoch auch nie.
Noch vorher, im Herbst 2025, ging ein Infoschreiben an alle Mandatarinnen und Mandatare, auch mit der Option, sich zur Reise anzumelden. Strobl kritisierte dennoch fehlende Kommunikation: „Ich habe die Einladung erst für Fake gehalten. Wie kann man in Zeiten wie diesen eine solche Reise planen und nicht im Gemeinderat diskutieren?“ Blanik erklärte, dass alles mit den Fraktionsführern besprochen worden sei – beim Team Lienz also mit Franz Theurl, der gestern verhindert war. Weiter skizzierte sie, dass es erst nach Washington D. C. geht, wo man in der Botschaft die Ausstellung zu Ehren von Stiegler besuchen wird („Eine große Auszeichnung für unseren Olympiasieger“). Danach folgt Jackson Hole.
Welchen Nutzen hat eine Städtepartnerschaft?
Immer spitzer formulierend, wollte Strobl nun wissen, was überhaupt der Nutzen der kostspieligen Fahrt sei. Blanik verwies auf den US-Gegenbesuch im Vorjahr. Die Delegation hätte sich den Nationalpark angeschaut, aber auch Treffen mit Bergrettung und Feuerwehr wären geschätzt worden. Und weiter: „Den Nutzen jeder Städtepartnerschaft in jeder Gemeinde kann man hinterfragen. Welchen Nutzen haben wir von Görtz? Es geht um den Austausch, es geht um Wertschätzung.“
Zur Seite sprang ihr Grünen-Mandatarin Gerlinde Kieberl. Sie betonte, dass man die Partnerschaften zu Beginn jeder Gemeinderatsperiode diskutiert hätte und erinnerte emotional an Professor Emil Erhart, einst eine der tragenden Säulen des Schüleraustauschs. Strobl wiederum bekam Beistand von Christiana Laßnig (MFG), die „null Informationen“ anprangerte und fragte: „Ist das noch zeitgemäß?“ Was Ersatz-Gemeinderat Alfred Luneschnig (SPÖ) ganz anders sah. Gerade in Zeiten wie diesen und in Bezug auf die politische Realität in den USA sei die Partnerschaft „unbedingt aufrechtzuerhalten“.
Ich werde diese Partnerschaft ehren sowie alle, die sie über Jahrzehnte aufgebaut haben
— Elisabeth Blanik (SPÖ), Bürgermeisterin von Lienz
Bevor die Debatte nach einer gefühlten Ewigkeit unversöhnlich endete, stellte Blanik klar: „Ich fahre hocherhobenen Hauptes. Ich werde Pepi Stiegler ehren. Ich werde diese Partnerschaft ehren sowie alle, die sie über Jahrzehnte aufgebaut haben.“ Dass die Bürgermeisterin noch anfügte, der Ausflug sei „kein Urlaub, sondern harte Arbeit“, gab Widersacherin Strobl die Chance auf den letzten Konter: „Mein Mitleid mit Ihnen hält sich in Grenzen.“