Fürstenfeld verlässt Klimabündnis und wird Ökopionier-Kleinstadt
Im Fürstenfelder Gemeinderat hat man den Ausstieg aus dem Klimaschutz-Netzwerk „Klimabündnis“ beschlossen – mit Gegenstimmen der Grünen. Mit der Aussicht auf hohe Förderungen will man nun als Ökopionier-Stadt durchstarten.

Im Fürstenfelder Gemeinderat wurde der Ausstieg aus dem Verein Klimabündnis beschlossen – ohne die Stimmen der Grünen. Nach rund 30 Jahren Mitgliedschaft will man nun neue Wege einschlagen.
„Der Fürstenfeldbezug ist beim Klimabündnis fast nicht gegeben“, erklärte Sozialreferent Joachim Friesnigg von der ÖVP in der Gemeinderatssitzung. Damals noch für die Grünen in Fürstenfeld aktiv, hatte er sich einst selbst für den Einstieg in das kommunale Klimaschutz-Netzwerk stark gemacht.
Heute gehe es jedoch nicht mehr nur um Bewusstseinsbildung, sondern vielmehr darum, konkrete Maßnahmen zu setzen. Zudem sei man ohnehin Teil des Bündnisses Klima- und Energiemodellregion (KEM), das ähnliche Bildungs- und Informationsangebote biete.

Anders sehen es hingegen seine ehemaligen Parteikollegen von den Grünen. Harald Peindl gab etwa zu bedenken, dass das Klimabündnis viel für die Allgemeinheit tue, etwa durch Schul- und Kindergartenbesuche. Seiner Ansicht nach sorge es für das nötige „Basiswissen“.
Mit Ausstieg spart Fürstenfeld rund 2700 Euro ein
Die Mitgliedschaft kostet Fürstenfeld rund 2700 Euro pro Jahr. Parteikollege Josef Rauscher (Grüne) gab bereits vor der Gemeinderatssitzung zu bedenken: „Für eine Stadt unserer Größe ist das ein überschaubarer Betrag.“
Das, was man als Gegenleistung bekomme, etwa Beratungsangebote und Bildungsprojekte, bringe Klimaschutz direkt zu den Menschen. Etwas schärfer ordnete Peindl im Gemeinderat die Ersparnis durch den Ausstieg ein: „Das wäre ein Feuerwerk weniger im Sommer.“
Sozialreferent Friesnigg hielt dem entgegen, dass die Frauen- und Mädchenberatung in Fürstenfeld nur rund 1000 Euro bekomme. Wichtig für ihn sei besonders der Fürstenfeldbezug. Das Klimabündnis mit Sitz in Graz, vielen Mitarbeitern, die man mitfinanziere, und Projekten im Ausland, passe da nicht hinein.

Mit drei Gegenstimmen wurde der Antrag auf den Ausstieg letztlich beschlossen. Der frühestmögliche Zeitpunkt dafür sei laut Stadträtin Yvonne Medina Sandino der 31. Dezember 2026. Der Ausstieg aus dem Klimabündnis geht jedoch einher mit der Bewerbung um ein Bundesprojekt, von dem sich die Stadt indes Großes verspricht.
Fürstenfeld will Ökopionier-Stadt werden
So wurde im Gemeinderat auch einstimmig über die Bewerbung als Ökopionier-Kleinstadt entschieden. Die vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) und vom Klima- und Energiefonds mit bis zu 500.000 Euro geförderte Initiative unterstützt Städte dabei, klimafreundlicher zu werden.
Fürstenfeld hatte bereits im April erklärt, klimafitter werden zu wollen. Als Ökopionier-Stadt will man nun sogar bis April 2027 eine neue Stelle im Rathaus schaffen, das „Klima-, Energie- und Baumanagement“. Der Ausstieg aus dem Klimanbündnis und der Weg zur Ökopionier-Stadt sei laut Franz Jost der Weg in „die nächste Liga“.

Die Grünen begrüßen den Vorstoß zwar, sehen das Klimabündnis jedoch als wertvolle Ergänzung, aus dem man nicht hätte aussteigen müssen. „Es gibt keinen Grund, Ökopionier-Stadt und Klimabündnis gegeneinander auszuspielen“, meint Rauscher. Gemeinden wie Feldbach würden zeigen, dass ein Nebeneinander möglich ist.