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Die Gewaltambulanz wird mobil – zuerst in Leoben

Das Team der Grazer Gewaltambulanz rund um Leiterin Sarah Heinze hat ein telemedizinisches System entwickelt, mit dem Gewaltopfer auch in peripheren Krankenhäusern untersucht und Beweise gesichert werden können.

Eine Gerichtsmedizinerin in Graz kann mit „Forensic PETRA“ eine Untersuchung in Leoben digital begleiten
© Juliane Glas
Eine Gerichtsmedizinerin in Graz kann mit „Forensic PETRA“ eine Untersuchung in Leoben digital begleiten
Martina Marx
Redakteurin Steiermark-Ressort, Gesundheit

„Gewalt“, sagt Sarah Heinze, „hat langfristige Folgen für die Betroffenen“. Umso wichtiger sei es, dass Gewaltopfer so rasch wie möglich untersucht und betreut werden. „Binnen 60 Minuten sollte für Betroffene eine Untersuchungsstelle erreichbar sein“, sagt die Leiterin des Diagnostik- und Forschungsinstituts für Gerichtliche Medizin der MedUni Graz. Dabei geht es nicht nur darum, die Betroffenen zu behandeln und zu unterstützen. Es geht auch darum, Spuren bzw. Beweise zu sichern, die vor Gericht auch verwertbar sind.

In Graz können sich Betroffene an die Gewaltambulanz am MedUni Campus wenden. Aus anderen Teilen der Steiermark ist diese Einrichtung nur mit viel zeitlichem Aufwand zu erreichen. Aus diesem Grund hat das Team rund um Heinze während der letzten Jahre ein mobiles, telemedizinisches System entwickelt, das die Gerichtsmedizinerinnen und -mediziner digital an periphere Krankenhäuser bringt. „Forensic PETRA“ wurde das System getauft, die Abkürzung steht für „Forensic Portable Equipment Tower for Remote Assistance“.

Gerichtsmedizinerin schaut mit

Mithilfe dieses mobilen Turms ist ein Facharzt im peripheren Krankenhaus während der Untersuchung direkt mit einer Gerichtsmedizinerin in Graz verbunden. Dabei trägt die untersuchende Ärztin oder der Arzt eine spezielle Brille mit Kamera während der Untersuchung, so können die Kolleginnen bzw. Kollegen in Graz die gesamte Untersuchung mitverfolgen. Sie können Hinweise geben, wenn etwas genauer untersucht werden muss bzw. man kann sich fachlich abstimmen. Auch können die Patientinnen und Patienten direkt mit dem Gerichtsmediziner kommunizieren.

Sarah Heinze bei der Vorstellung von „Petra“. Im Vordergrund: die Ärztin bei der Untersuchung der Patientin mit spezieller Kamerabrille.
© Med Uni Graz/Wittmann
Sarah Heinze bei der Vorstellung von „Petra“. Im Vordergrund: die Ärztin bei der Untersuchung der Patientin mit spezieller Kamerabrille.

„Eine solche Untersuchung ist komplex“, erklärt Heinze. „Und die Betroffenen möchten verständlicherweise, dass sie diese Untersuchung nur einmal absolvieren müssen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass diese standardisiert abläuft.“ Für „PETRA“ wurde eigens eine Software entwickelt, die eine lückenlose Erfassung aller Untersuchungsergebnisse, Dokumentationen sowie Asservate ermöglicht. Sämtliche Daten werden verschlüsselt an die MedUni Graz übermittelt. Auch dem Mangel an Gerichtsmedizinerinnen und -medizinern könne so entgegengewirkt werden.

Innovation der MedUni Graz

„Innovation ist ein zentraler Pfeiler für uns hier an der MedUni“, sagte Andrea Kurz, Rektorin der MedUni bei der Präsentation von „PETRA“. „Für mich zeigt diese telemedizinische Lösung, worum es wirklich geht, nämlich darum, Menschen zu helfen. Und das ist bei Gewaltopfern nochmal von besonderer Bedeutung.“

Soziallandesrat Hannes Amesbauer unterstrich die Bedeutung der Weiterentwicklung des Gewaltschutzes und dass „Betroffene so niederschwellig und kostenlos Unterstützung erhalten“. Sein Ressort hat die Entwicklung des Systems mit rund 640.000 Euro unterstützt. Erstmals zum Einsatz kommen soll „PETRA“ ab dem 1. Quartal 2027 im LKH Hochsteiermark, am Standort Leoben.

MedUni-Rektorin Kurz, Gewaltambulanz-Leiterin Sarah Heinze, Soziallandesrat Hannes Amesbauer
© Med Uni Graz/Wittmann
MedUni-Rektorin Kurz, Gewaltambulanz-Leiterin Sarah Heinze, Soziallandesrat Hannes Amesbauer

Gewaltambulanz

Die Gewaltambulanz in Graz ist am MedUni Campus in der Neue Stiftingtalstraße 6 zu finden. Es wird gebeten, unter 0664/8438241 einen Termin zu vereinbaren. Es muss keine Anzeige bei der Polizei vorliegen, es wird keine E-Card benötigt, für Betroffene ist die Untersuchung kostenfrei.

Öffnungszeiten:

  • Montag: 00:00 bis 16:00 Uhr
  • Dienstag bis Donnerstag: 08:00 bis 16:00 Uhr
  • Freitag: 08:00 bis 24:00 Uhr
  • an Wochenenden und Feiertagen: 00:00 bis 24:00 Uhr