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„Es darf nicht sein, dass Kärntner Wirte keinen Kärntner Wein haben“

800.000 Flaschen, 10 Millionen Euro Umsatz, 200 Jobs: Kärntens Weinbau ist kein Nischenprodukt mehr. Das wurde beim Wirtschaftstalk der Kleinen Zeitung klar.

Kleine-Zeitung-Geschäftsleiter Christopher Weiss (links) und Chefredakteur Wolfgang Fercher (rechts) diskutierten mit Sabine David, Georg Lexer und Ingrid Bachler über Wein
© Markus Traussnig
Kleine-Zeitung-Geschäftsleiter Christopher Weiss (links) und Chefredakteur Wolfgang Fercher (rechts) diskutierten mit Sabine David, Georg Lexer und Ingrid Bachler über Wein
Uwe Sommersguter
Leitung Wirtschaft Kärnten/Osttirol

Der Klagenfurter Weinbauer Christian Waltl, Experte für Natur- und Orangeweine, und Stefanie Geiger waren die „Hausherren“ des ersten Kleine Zeitung-Wirtschaftstalks zum Thema Kärntner Wein in der „Aula Verde“. Chefredakteur Wolfgang Fercher und Geschäftsleiter Christopher Weiss hatten zum önologischen Gipfeltreffen geladen.

Gertrude Ortner von der Kärnten Werbung: „Positive Rückmeldungen“
© Markus Traussnig
Gertrude Ortner von der Kärnten Werbung: „Positive Rückmeldungen“

Noch nehmen wenige im Land den Kärntner Wein als relevanten Wirtschaftsfaktor wahr. Tatsächlich haben die 30 professionellen Winzer im Haupt- oder Nebenerwerb sowie 70 Hobbywinzer bereits etwa 200 Arbeitsplätze geschaffen und in den vergangenen 20 Jahren rund 200 Millionen Euro investiert, schätzt Georg Lexer, Präsident des Kärntner Weinbauverbandes – Vorreiter dabei war „Jacques Lemans“-Chef Alfred Riedl auf Burg Taggenbrunn.

Weniger Menge, gute Qualität

800.000 Flaschen Wein produzieren Kärntens Winzer in „Normaljahren“ auf 130 Hektar Fläche – vor 20 Jahren waren es erst fünf Hektar. Sommerhitze und vor allem Minustemperaturen im Mai sorgen in diesem Jahr zwar für etwas geringere Erntemengen. „Allerdings ist die Qualität hervorragend“, weiß Lexer.

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Chefredakteur Wolfgang Fercher begrüßte die Gäste
Chefredakteur Wolfgang Fercher begrüßte die Gäste © Markus Traussnig

Durch Weinverkäufe erlösen die Kärntner Weinbauern rund 10 Millionen Euro jährlich, schätzt Lexer. Gastronomie und Hotellerie, die manchen Weingütern angeschlossen sind, kommen hinzu. Und obwohl Kärnten historisch lange ein guter Boden für Weinanbau war, startete der Weinanbau in den 1970er-Jahren von null weg neu.

„Haben den Markt neu erschaffen“

„Wir haben den Markt ganz neu erschaffen“, sagt Lexer, „jeder Hektar Wein hat einen Unternehmer geboren.“ Nun gelte es, den Weinanbau weiter zu professionalisieren, Marken zu entwickeln und diese zu vermarkten. Der Appell der Kärntner Weinbauern gilt vor allem der Gastronomie und dem Tourismus: „Es darf nicht sein, dass Kärntner Wirte keinen Kärntner Wein haben. Der Wein ist ein Kärnten-Botschafter“, sagt Lexer mit Nachdruck. Wenn jeder erwachsene Kärntner zwei Flaschen Kärntner Wein trinkt, „dann wären wir ausverkauft“.

Christian Waltl, Ingrid Bachler und Sabine David
© Markus Traussnig
Christian Waltl, Ingrid Bachler und Sabine David

Weinbauverband-Vizepräsident Robert Mack sieht auch die Winzer in der Pflicht: „Jetzt geht es um Marktdurchdringung im Heimmarkt.“ Eine Kooperation mit der Kärnten Werbung führe bereits zu „sehr positiven Rückmeldungen von Weinkennern“, berichtet Gertrude Ortner von der Kärnten Werbung. Und auch die Sommelière Ingrid Bachler sieht den Kärntner Wein bei immer mehr Gastronomen auf der Weinkarte vertreten.

„Klima wird uns gut tun“

Den Klimawandel sehen die Kärntner Weinbauern übrigens nicht als Gefahr, im Gegenteil: „Das alpine Klima spricht für uns“, sagt Lexer, „es wird uns guttun.“ Verbesserungsfähig sei allerdings die Kooperation mit der Kärntner Politik, so Lexer: „Wir hinken bei Raumordnung und Infrastruktur nach, brauchen bessere Rahmenbedingungen. Momentan ist es schwierig.“

Georg Lexer ist der Präsident des Kärntner Weinbauverbandes
© Markus Traussnig
Georg Lexer ist der Präsident des Kärntner Weinbauverbandes

Ein Beispiel für Innovationskraft im Kärntner Weinbau sind die hierzulande verbreiteten pilzresistenten Sorten (PIWI). Waltl, Kulturmanager und önologischer Quereinsteiger, setzt ganz auf PIWI-Weine. Mit Erfolg: Der Winzer ist mehrfach ausgezeichnet und als Geschäftsführer von PIWI International über die Grenzen hinaus für den Weinbau aktiv.

Unter den Gästen des Wirtschaftstalks: Touristiker Max Strafinger und Ingrid Sieder, Vertriebsleiter Jürgen Imp (Proad), die Winzerinnen Sabine David und Gabriele Sudy, Hill-Geschäftsführerin Monika Kanatschnig sowie Sportunion-Präsident Ulrich Zafoschnig.