Ein Fackelträger, der Raum für die Erinnerung schafft
Jahrzehnte stand eine Bronzeskulptur, die an die Kärntner Partisanen erinnert, in einem Keller. Nun ist sie Teil einer Wanderausstellung.

„So ein schöner Tag draußen, ich werde sterben müssen.“ Es ist ein Satz, der auch über 80 Jahre später noch unter die Haut geht. Im April 1943 wurde Marija Olip aus Ebriach/Obirsko als eine von 13 Personen zum Tod verurteilt. Die Kärntner Slowenin war Teil der Widerstandsbewegung der Kärntner Partisanen – der größten bewaffneten Widerstandsbewegung im Deutschen Reich. Dass man sich an Marija Olip erinnert, ist kein Automatismus, sondern einer aktiven Erinnerungskultur geschuldet. Eine Aufgabe, die schnell zur Sisyphusarbeit wird, wenn sie nicht permanent ausgeführt wird. Die Zeit schreitet voran, die Menschen vergessen.
Der Wert der Vergangenheit für die Zukunft
Das ist alles andere als ein philosophisch-theoretisches Problem, sondern der Treibstoff einer gesellschaftlichen Entwicklung: Wer Zukunft denkt, sollte die Vergangenheit mitdenken: „Es ist für den historischen Stoffwechsel einer Gesellschaft sehr wichtig, dass über Geschichte gesprochen wird“, erinnert Gabriele Mackert, Leiterin vom Institut für Kunst im öffentlichen Raum. Ihr gegenüber steht eine Skulptur, wie aus der Zeit gefallen, und das ist sie auf ihre Art sogar: Rund 350 Kilogramm schwer, ein bronzener Fackelträger im Stil des sozialistischen Realismus, kein Sockel, keine Plakette. Also ganz ohne die Insignien des üblichen historischen Repräsentationskontextes.

Keine rein Kärntner Angelegenheit
Die Geschichte der Skulptur des kroatischen Künstlers Marijan Matijević (1907-71) zeigt eindringlich, dass auch die Erinnerungskultur Gegenwind ausgesetzt ist. Drei Skulpturen, die an den Partisanenwiderstand erinnern, hat Matijević nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen. Der Fackelträger kam mit Ende der 1940er-Jahre zu spät, die Phase des aktiven kollektiven Erinnerns war wieder vorbei. Jahrzehntelang stand die Skulptur im Getränkekeller des slowenischen Kulturvereins Radsberg/Radiše, bis sie von Jakob Holzer als Skulptur von Matijević erkannt wurde. Jetzt ist der Fackelträger Teil einer Wanderausstellung, die Jakob Holzer und Isabella Burtscher auf Tour durch Österreich schicken. „Diese Figur teilt das Schicksal der Partisaninnen und Partisanen, deren Geschichte vergessen, ignoriert, verräumt wurde.“
Was es für das Kuratorenteam auch ist: „Keine rein kärntnerische Angelegenheit“ – die Erinnerung gehe uns alle an. Das habe auch der Vorfall am Peršmanhof gezeigt. Ein in Teilen rechtswidriger Polizeieinsatz am Gedenkort bei Eisenkappel, an dem SS-Angehörige 1945 ein Massaker an einer slowenischen Familie verübt hatten.
Der Fackelträger steht aber auch dafür, sich der Erinnerungskultur selbst zu nähern. Angesichts der Ereignisse am Peršmanhof war für Isabella Burtscher klar: „Wir waren uns schnell einig, dass die Skulptur aus ihrer Passivität herausgeholt werden muss, es geht hier um eine öffentliche Diskussion.“ Das Künstlerduo Nicole Six und Paul Petritsch hat diese Auseinandersetzung in der Ausstellungsgestaltung aufgegriffen: Die Schau wird ummantelt von einem Teppich, dessen Grundriss 1:1 jener des Peršmanhofes ist. Dass er nie perfekt passt, ist gewollt, erklärt Nicole Six. In Graz schlägt er ordentlich Falten: „Das hat auch mit der Fragestellung zu tun: Wie viel Platz hat Widerstand? Wie weit kann er sich entfalten?“
Widerstand aufstellen? / Ustanovitev odpora? Bis 11. Oktober (Do bis Sa). Griesgasse 40. Eintritt frei. Infos zum Begleitprogramm: museum-joanneum.at.
Veranstaltungstipp: Heute ab 18 Uhr, Reinhard Braun im Gespräch mit Rebekka Bauer zum Thema Erinnerungskultur und Kärntner Partisanen. Camera Austria. camera-austria.at.
