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Mit ABBA-Unterstützung zur Wahlsiegerin in Schweden

Steht Magdalena Andersson, die Rechtsaußen auf Abstand hält, vor ihrem Comeback als Schwedens Ministerpräsidentin? Die Regierungsbildung könnte jedenfalls schwierig werden.

Magdalena Andersson, vorderste Sozialdemokratin Schwedens
© IMAGO
Magdalena Andersson, vorderste Sozialdemokratin Schwedens
Thomas Golser
Redakteur Außenpolitik/International

Das Rennen ist denkbar eng und es läuft noch – doch einiges deutete am Montag darauf hin, dass das oppositionelle Mitte-links-Lager bei der schwedischen Parlamentswahl vorne liegt. Im Fokus steht dabei eine Frau: Magdalena Andersson, vorderste Sozialdemokratin, Ex-Ministerpräsidentin und womöglich bald wieder die erste Frau im Land.

Die 59-Jährige aus Uppsala holte für ihre Partei, aber auch für das Bündnis aus Sozialdemokraten, Grünen, Linkspartei und Zentrum die Kastanien aus dem Feuer. Ob es am Ende aber zum Regieren reicht und wie schwierig die Bildung einer Koalition wird, steht indes auf einem anderen Blatt: Die wirtschaftsliberale Zentrumspartei schloss bereits im Wahlkampf eine Zusammenarbeit mit den Linken aus. Andersson könnte letztlich auf eine Minderheitsregierung angewiesen sein.

Keine ungeteilte Freude

Die Sozialdemokraten bleiben – der traditionellen politischen Färbung des Landes folgend – zwar weiterhin die stärkste Partei, allerdings ist das Ergebnis, das sie jetzt einfuhren, das schlechteste seit mehreren Jahrzehnten: „Wir Sozialdemokraten werden immer bereit sein, Verantwortung für das Ergebnis zu übernehmen.“, ließ Andersson schon in der Wahlnacht Jubelstimmung mit Abstrichen erkennen. Dass man die rechtsaußen stehenden Schwedendemokraten auf Abstand halten konnte, wird man aber jedenfalls als Erfolg verbuchen.

Anderssons erste Ära als Ministerpräsidentin währte nur kurz – von November 2021 bis Oktober 2022. Nach ihrer Niederlage bei der Wahl zum schwedischen Reichstag übernahm der konservative Nachfolger Ulf Kristersson, der bis jetzt eine Mitte-Rechts-Koalition anführte. Andersson schwor ihre Partei auf eine Neubesinnung der Sozialdemokratie ein und zeigte markige Standpunkte beim Thema Migration. Sie weiß aber um die linke Basis – und verweist immer wieder auch auf sozialdemokratische Grundwerte.

Sozialdemokrate in der Krise

In Europa wurde es einsam, was sozialdemokratische Regierungschefs anbelangt: Wird Andersson wieder Ministerpräsidentin, kann die Ökonomin in ihrer Parteienfamilie in der Europäischen Union nur noch auf Spaniens Pedro Sánchez, Dänemarks Mette Frederiksen und Maltas Robert Abela zählen. Sánchez gilt außerdem als relativ wahrscheinlicher Ablösekandidat.

Andersson scheint viele Fans zu haben, darunter auch sehr prominente: Benny Andersson (kein Verwandtschaftsverhältnis!), ein „B“ der legendären schwedischen Popgruppe ABBA und eine Art Säulenheiliger im Land, überließ ihr für den – insgesamt recht gehässig verlaufenen – Wahlkampf das Lied „Mamma Mia“. Der Titel des Hits von 1975 lässt sich denkbar einfach gegen den Vornamen der Kandidatin austauschen und wurde zum beliebten Refrain bei Veranstaltungen. Nein, mit „Kristersson“ im Chorus hätte dieser Kniff jedenfalls nicht funktioniert.