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IHS-Bonin: „Spotify-Prinzip“ soll die Löhne in Österreich heben

IHS-Chef Holger Bonin will, dass das AMS Beschäftigte aktiv informiert, wenn sie anderswo mehr verdienen könnten – nach dem Vorbild von Amazon und Spotify.

Holger Bonin: „Viele kommen gar nicht auf die Idee zu suchen“
© Markus Traussnig
Holger Bonin: „Viele kommen gar nicht auf die Idee zu suchen“
Uwe Sommersguter
Leitung Wirtschaft Kärnten/Osttirol

„Wir haben schlicht zu wenige Leute. Daher muss ich die weniger werdenden Beschäftigten dorthin bringen, wo sie mit ihrer Arbeitskraft am meisten Leistung bringen – und das schlägt sich in höheren Löhnen nieder.“ So untermauert IHS-Chef Holger Bonin seinen Vorstoß, dass das Arbeitsmarktservice (AMS) aktiv Beschäftigte bei der Jobsuche unterstützen soll. So könnten produktivere Unternehmen stärker wachsen.

Denn Mobilität am Arbeitsmarkt sei ein ganz wesentlicher „Treiber von Produktivitätsfortschritten, der Senkung von Lohnungleichheiten und der Vermeidung von Engpässen bei Fachkräften“, erklärt Bonin im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. Es sei ein Faktum, dass Menschen mit gleicher Qualifikation, die das Gleiche tun, unterschiedliche Löhne bekommen.

Auch Amazon und Spotify versuchen, uns ein maßgeschneidertes Angebot zu machen.

— Holger Bonin, Direktor des Instituts für Höhere Studien

„Viele kommen nicht auf die Idee, zu suchen“

Ziel müsse daher sein, dass „Menschen in den bestmöglichen, produktivsten Job kommen“. Dabei gehe es um Jobs, die „in Reichweite“ sind. Dafür müssten die Beschäftigten nicht einmal umlernen. „Sie müssen nur wissen, wer die Arbeitgeber sind, die bessere Jobs haben.“ Das Problem dabei: „Viele kommen gar nicht auf die Idee zu suchen – sie unterschätzen, dass sie bei einem anderen Arbeitgeber mehr verdienen könnten.“ Daher würde es schon reichen, diesen zu sagen, „dass andere fünf oder sieben Prozent mehr verdienen. Das bringt Menschen auf die Idee zu schauen, ob nicht auch sie mehr verdienen können.“

Kommentar zum Thema

Niedrigschwellig informieren

Es brauche ein personalisiertes Empfehlungs- und Informationssystem. Bonin zieht einen Vergleich: „Auch Amazon und Spotify versuchen, uns ein maßgeschneidertes Angebot zu machen. Das stimmt zwar nicht immer, wie wir wissen. Aber die Idee ist, niedrigschwellig zu informieren.“ Ein Beispiel: „Eine Person verdient 2000 Euro. Mit ihren Qualifikationen verdienen in dem lokalen Arbeitsmarkt x Prozent der Leute mehr, y Prozent weniger.“ Diese Information reiche schon aus, „um viel zu verändern“, ist Bonin überzeugt. Übermittelt man sie einmal im Jahr automatisiert, sei das ausreichend.

Es geht darum, die Leute zu informieren, ob sie zu wenig verdienen.

— Holger Bonin, Direktor des Instituts für Höhere Studien

Entgelttransparenz über den Markt

Denn sobald man den Menschen diese Information gebe, reagierten viele darauf. Weil sie dann wissen, wie hoch die durchschnittliche Gehaltsentwicklung in der Vergleichsgruppe ist. Es gehe ihm nicht um ungefragte Stellenangebote, so Bonin. „Es geht darum, die Leute zu informieren, ob sie zu wenig verdienen.“ Denn wenn man über Lohnungleichheit und Transparenz redet, spreche man oft nur über die Entgelttransparenz im gleichen Betrieb. „Mindestens ebenso wichtig ist die Entgelttransparenz über den Markt, der für die jeweilige Person relevant ist“, betont Bonin.

Kein Nullsummenspiel

Volkswirtschaftlich sei der Effekt messbar: Beschäftigte bekommen höhere Löhne, weil die neuen Arbeitgeber produktiver sind und mehr zahlen können. Das führe dazu, dass sich Arbeitgeber, die höhere Löhne zahlen können, durchsetzen und stärker wachsen. Genau das sei richtig, so Bonin: „Der produktivere Arbeitgeber soll auch wachsen können.“ Das Ganze sei daher „kein volkswirtschaftliches Nullsummenspiel“.

Was dem Konzept entgegensteht

Was die Umsetzung des Konzepts schwierig mache? „Ein Faktor sind Bedenken zum Datenschutz“, so Bonin. Nur eine öffentliche Institution wie das AMS habe das nötige Vertrauen und könne diese Informationen kostengünstig beisteuern. Zweiter Grund: „Die Unternehmen, die darunter leiden, sind dagegen. Die schlechteren, weniger produktiven Unternehmen werden natürlich laut schreien. Der Markt wird ja nicht größer, die gefragten Leute sind dann nur woanders.“

Aber genau diesen Wettbewerb solle es ja geben, so Bonin. „Dass es betriebswirtschaftlich nicht schön ist, ist klar. Aber volkswirtschaftlich ist es sinnvoll. Den produktiveren Unternehmen fällt es leichter zu wachsen.“