Mutmaßlicher AfD-Großspender plant Friedpark im Lavanttal
Werden auf der Loretowiese in St. Andrä bald Urnen beigesetzt? Geht es nach Besitzer und Milliardär Henning Conle, anscheinend ja. Eine Umwidmung ist angedacht.

Rund 170 Hektar, verstreut auf die Gemeinden St. Andrä, Wolfsberg und St. Paul, erwarb der Milliardär Henning Conle 2021 vom Jesuitenorden. Neben Wiesen, Wald und Fischwasser ist auch die Loretowiese in St. Andrä im Besitz des deutsch-schweizerischen Unternehmers, der 2025 Schlagzeilen machte, weil er der in Teilen rechtsextremen AfD über einen früheren FPÖ-Funktionär als Strohmann 2,35 Millionen Euro gespendet haben soll. Wie jetzt bekannt wurde, plant er auf der Loretowiese einen Friedpark zu errichten – also einen parkähnlichen Urnenfriedhof.
„Schaut ja nicht aus wie ein Friedhof“
Das bestätigt Bürgermeisterin Maria Knauder (SPÖ), die dem Plan grundsätzlich positiv gegenübersteht. „Wenn wir einen Park kriegen – und ich weiß, wie teuer Bäume sind – freuen wir uns“, sagt Knauder auch hinsichtlich sich überschlagender Hitzerekorde. Zudem hätten heute „viele Menschen das legitime Bedürfnis, sich alternativ bestatten zu lassen“. Weiters sei die geplante Anlage „am Hügel im Norden hinauf zur Basilika“ als Erholungsgebiet zu werten.
„Es schaut ja nicht aus wie ein Friedhof“, fährt Knauder fort. Die Urnen würden unter Bäumen beigesetzt. Die Aufgabe der Gemeinde beschränke sich, falls der Antrag angenommen wird, auf die Umwidmung eines Teils der Loretowiese von Grünland/Erholungsfläche auf Grünland/Friedhof/Naturbestattungsanlage. Dem Gemeindeoberhaupt fällt zudem die Abnahme der fertigen Anlage zu, ob alle Auflagen erfüllt wurden.
Darf jeder einen Friedpark betreiben?
Das Kärntner Bestattungsgesetz schließt private Rechtsträger von Bestattungsanlagen nicht grundsätzlich aus. Entscheidend sind Widmung und Bewilligung der Gemeinde. Das Bestattungsgewerbe ist allerdings ein reglementiertes Gewerbe. Bestimmte Tätigkeiten – etwa die Durchführung von Bestattungen – sind befugten Bestattern vorbehalten. Die Versendung oder Ausfolgung der Urne ist an den Rechtsträger einer Bestattungsanlage – also den Betreiber, der selbst kein Bestatter sein muss – oder an ein befugtes Bestattungsunternehmen möglich. Die eigentliche Beisetzung der Urne ist Letzterem vorbehalten.
„Geschäft mit dem Tod“
Deutlich skeptischer als Knauder ist Pater Gerfried Sitar. „Was ist eigentlich der Sinn eines Friedparks?“, fragt der Dechant und äußert ethische Bedenken. „Ich weiß nicht, ob das die Aufgabe eines Milliardärs ist.“ Man wolle wohl „maximalen Ertrag erwirtschaften“, mutmaßt Sitar. „Man missbraucht den Anblick der Kirche, um ein Geschäft zu machen – ein Geschäft mit dem Tod.“
Zum geplanten Projekt selbst sei es aber „schwer, ein Urteil abzugeben, weil ich die Details nicht kenne“. Es lägen „keinerlei Informationen vor – zum Beispiel welche Bäume gepflanzt werden“. Um seine Zustimmung sei er nicht gefragt worden. Bei einer Begehung vor rund zwei Jahren habe er Bedenken geäußert. „Seitdem gab es keine Gespräche mehr. Die Kommunikation fehlt zu 100 Prozent.“
Sitar betont: „Der Grund war immer mit der Kirche verbunden.“ Natürlich anerkenne er die heutigen Besitzverhältnisse, aber sein Einwand sei eben nicht rechtlicher sondern ethischer Natur. Zudem plane die Pfarre selbst einen Friedpark mit Weinstöcken auf den Terrassen am Südhang.

Wie geht’s mit dem ‚Gackern‘ weiter? Heuer hatten wir das 25. Jubiläum – stehen wir beim 50. im Wald?
— Gerfried Sitar, Dechant des Dekanates St. Andrä
Des Weiteren fürchtet der Geistliche um „die Ansicht von unten“ hinauf zur Basilika, die fürs Volksfest „Gackern“ der Geflügelindustrie ebenfallls eine „unverzichtbare Kulisse“ darstelle. „Wie geht’s mit dem ‚Gackern‘ weiter? Heuer hatten wir das 25. Jubiläum – stehen wir beim 50. im Wald?“, fragt Sitar. Seitens des Kärntner Conle-Anwalts Andreas Horacek hieß es 2022 auf jeden Fall noch: „Die weitere Nutzung der Loretowiese ist durch einen Vertrag bis 31. Dezember 2029 sichergestellt, wobei eine darüberhinausgehende Zusammenarbeit nicht ausgeschlossen wird.“ Zum geplanten Friedpark und damit verbundenen Fragen betreffend künftiger Nutzung der Loretowiese erfolgte bis dato trotz mehrfacher redaktioneller Nachfrage keine Rückmeldung.