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Die MotoGP am Ring hat an Zugkraft verloren

Veranstalter kämpft an allen Fronten, aber auch beim neuen Termin läuft der Vorverkauf zaghaft. Woran liegt das geschwundene Interesse? Und was kann man dagegen tun?

Noch hofft man in Spielberg, dass dieses Jahr die Tribünen am Red Bull Ring bei der MotoGP gut gefüllt sind wie in den Jahren des ersten Hypes
© Red Bull Content Pool/Philip Platzer
Noch hofft man in Spielberg, dass dieses Jahr die Tribünen am Red Bull Ring bei der MotoGP gut gefüllt sind wie in den Jahren des ersten Hypes

Freie Hotelzimmer, nur 2,7 Kilometer von Spielberg entfernt. Apartments, Ferienwohnungen, Privatzimmer – wer die Daten der MotoGP in Spielberg eingibt, dem spucken gängige Buchungsportale eine ganze Liste an freien Unterkünften aus. Und das nur knapp eine Woche, bevor der Große Preis von Österreich am Red Bull Ring über die Bühne geht.

Schon 2024 verzeichnete das MotoGP-Rennen in Spielberg einen Einbruch bei den Zuschauerzahlen, 2025 setzte sich der Trend fort. 117.560 Besucher zählte man über das Wochenende. Zum Vergleich: Mehr als 170.000 waren es noch vor drei Jahren, 215.850 bei der Premiere im Jahr 2016. Die Verantwortlichen zogen die Reißleine und schoben die MotoGP auf einen neuen Termin. Die Motorrad-WM gastiert nun erst in der ersten Schulwoche der Steiermark statt wie bisher Mitte August in Spielberg – fruchten die Bemühungen?

An der Initiative der Gastgeber mangelt es nicht

Wer sich in der Region umhört, ahnt nichts Gutes. Der Vorverkauf, der freilich nie offiziell kommentiert wird, soll äußerst schleppend verlaufen. Und das, obwohl die Tickets vergleichsweise günstig angeboten werden. Für 99 Euro bekommt man einen Stehplatz für das gesamte Wochenende. Gleichzeitig hat Red Bull kräftig in das Rahmenprogramm investiert: Aus einer Fan-Zone werden drei, von Rock bis DJ-Klängen über Schlager ist für jeden Geschmack etwas dabei. Dazu kommen wie gewohnt Stunts, eine Flugshow, der beliebte „Moped-Grand Prix“, der Hero Walk ... Mangelnde Initiative kann man den Gastgebern wirklich nicht vorwerfen.

Der Moped-Grand Prix begeisterte schon in den Vorjahren die Fans, heuer wird das Rahmenprogramm nochmals kräftig aufgestockt
© Richard Purgstaller
Der Moped-Grand Prix begeisterte schon in den Vorjahren die Fans, heuer wird das Rahmenprogramm nochmals kräftig aufgestockt

Woran also liegt es, dass der MotoGP in Österreich die Besucher wegbrechen? Dazu gibt es unterschiedliche Theorien: Zum einen fehlt wohl ein Held à la Valentino Rossi, der die Massen bewegt. Und natürlich fehlt in Österreich so etwas wie der Lokalmatador, der die Massen anlockt. Dazu kommt, dass KTM die vergangenen zwei Jahre parallel zu den wirtschaftlichen Problemen des Konzerns auch in der MotoGP etwas schwächelte. Auch wenn diese Schwächephase überwunden scheint.

Einige der typischen ,Partycamper‘ haben uns voriges Jahr schon gesagt, dass sie nicht mehr kommen. Sie waren irritiert über diese ganzen Lärm-Diskussionen in Spielberg

— Karl Maier , Sprecher der Campingplatzbetreiber

Hörte man sich 2025 bei Fans in Spielberg um, kamen fast immer die gleichen zwei Argumente: Zu teuer, zu viele Vorschriften in Sachen Partys. Das Preisargument trifft nicht unbedingt die Tickets, sondern die Verpflegung vor Ort, die Unterkünfte – und Brünn als deutlich günstigere Alternative in schaffbarer Distanz. „Einige der typischen ,Partycamper‘ haben uns voriges Jahr schon gesagt, dass sie nicht mehr kommen. Sie waren irritiert über diese ganzen Lärm-Diskussionen in Spielberg“, sagt dazu Karl Maier, Chef des zentralen Campingplatzes Rot und Sprecher aller Campingplatzbetreiber in Spielberg. „Eine Gruppe ist nach Tschechien ausgewichen, eine andere scheint im Vorverkauf heuer wirklich nicht auf.“

Karl Maier ist Sprecher der Campingplatzbetreiber
© KLZ / Sarah Ruckhofer
Karl Maier ist Sprecher der Campingplatzbetreiber

Maier spricht aktuell von weniger Buchungen als 2025. „Wir glauben und hoffen, dass einige noch kurzfristig kommen, wenn das Wetter passt.“ Die Gründe für den schwachen Vorverkauf sieht er breit gestreut, „die ganze Serie ist nicht mehr so attraktiv, da müssen sich die neuen Eigentümer etwas einfallen lassen.” Umgekehrt sei die „Marketingmaschinerie“ des Red Bull Rings voll angelaufen: „Da wird wirklich viel geboten rundherum.“ Nicht nur am Ring, auch auf den Campingplätzen wird vor den Großveranstaltungen laut Maier ein „irrer Aufwand“ betrieben: „Du kannst nicht auf Sparflamme laufen, nur weil weniger Besucher kommen. Wir müssen den Leuten trotzdem das volle Paket bieten. Und natürlich sind wir verwöhnt von der Formel 1, da ist die MotoGP ein irrer Abfall.“ Das ist ein wichtiges Argument, denn: Kaum eine Region hat den Luxus, über „nur“ 100.000 oder 120.000 Gäste an einem Wochenende zu „jammern“.

Gerade die Motorradfahrer sind wetterabhängig, ich denke, dass viele auch spontan als Tagesgäste kommen werden

— Michael Ranzmaier-Hausleitner, TV Murtal

So sieht es auch Michael Ranzmaier-Hausleitner vom Tourismusverband Murtal: „Durch die Teams haben wir eine gute Grundauslastung am Niveau von 2025. Gerade die Motorradfahrer sind wetterabhängig, ich denke, dass viele auch spontan als Tagesgäste kommen werden.“ Die Buchungslage sei nicht schlecht. Auch angesichts der Tatsache, dass durch den Wegfall der KTM-Tribüne gleich 30.000 Fans weniger kommen. Ranzmaier-Hausleitner: „Der MotoGP fehlt aber ein Sympathieträger, ein einheimischer Fahrer, der den Nationalstolz anspricht.“

Michael Ranzmaier-Hausleitner: „Es fehlt ein Sympathieträger“
© KLZ / Sarah Ruckhofer
Michael Ranzmaier-Hausleitner: „Es fehlt ein Sympathieträger“

Und der neue Termin? Der Tourismus ist damit nicht unglücklich, wird doch so die Nebensaison Herbst belebt. Die Campingplatzbetreiber sind weniger begeistert, oder wie es Karl Maier ausdrückt: „Wer ist Ende September motiviert, sich mit einem Zelt in die Wiese zu hauen?“ Im Murtal kann es zu dieser Jahreszeit gerade nachts schon empfindlich kalt werden. Zudem sind Familien mit Kindern in der ersten Schulwoche wenig flexibel. Maier bringt es auf den Punkt: „Uns Campingplatz-Betreibern hat der Sommertermin mehr getaugt, aber wir versuchen, das Beste draus zu machen.“

ServusTV-Experte Alex Hofmann: „In den TV-Zahlen merken wir keinen Rückgang“
© ServusTV/Christian Leopold/Neumayr
ServusTV-Experte Alex Hofmann: „In den TV-Zahlen merken wir keinen Rückgang“

Ganz falsch liegen die Herren mit ihrer Vermutung wohl nicht, warum die MotoGP in der Steiermark ein wenig stottert. Auch Alex Hofmann, TV-Experte von ServusTV, rätselt: „Die MotoGP fährt rundherum Rekorde ein, in Italien, Frankreich und vor allem Spanien ist das noch logisch, wenn man die Favoriten und ihre Herkunft ansieht.“ Dass man auch ohne „Loca Hero“ viele Fans anlocken könne, zeigen aber die Rennen auf dem Sachsenring, in Brünn und neu auch in Budapest. Hofmann: „Da sieht man schon, dass es viel mehr Alternativen gibt. Ich verstehe es nicht ganz, weil der Red Bull Ring für den Zuschauer die mit Abstand beste Strecke im Kalender ist.“ Dazu kommt, dass Hofmann einen Rückgang im Interesse nicht sehen kann: „Wenn wir die Zuseherzahlen auf ServusTV nehmen, dann merken wir hier kein verringertes Interesse“, unterstreicht er.

Für KTM-Rennchef Pit Beirer ist es vor allem der lokale Star, der fehlt: „Die anderen haben eben alle ihren Superstar. Auch wir diskutieren, wie wir da in der Jugendarbeit noch besser eingreifen können, aber so einfach ist das leider nicht.“ Und fraglos kämpft die Serie aktuell damit, dass eine Lichtgestalt wie Valentino Rossi fehlt, Marc Marquez konnte diese Rolle trotz seiner sportlichen Dominanz nicht einnehmen. Hofmann meint dazu: „In gewisser Weise ist das auch in anderen Sportarten so. Die NBA erlebte nach Michael Jordan auch einen Einbruch. Aber die Jungs aktuell sind wirklich alle echte Kämpfer, selbst wenn in der Breite momentan nicht die Charismatiker dabei sind. Da muss die Serie an sich arbeiten.“